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Rheinberg
Jetzt bedrohen Berghebungen den Annaberg

Rheinberg. 825 Mitglieder stark ist die Schutzgemeinschaft Bergbaubetroffener (SGB) Rheinberg, davon erschienen am Montagabend ganze elf zur Jahreshauptversammlung im Forum des Amplonius-Gymnasiums. Geht man davon aus, dass die Sorge um das eigene Häuschen als Motiv für eine Mitgliedschaft steht, so könnte man die geringe Resonanz als Zeichen einer guten Arbeit in der Vergangenheit sehen. Von Erwin Kohl

Tatsächlich konnte Ulrich Behrens, Vorstandsmitglied des Vereins, auf Nachfrage bestätigen, dass weitere Bergsenkungen nach der Schließung der Kamp-Lintforter Zeche nicht mehr zu erwarten seien. Allerdings könne es noch in den nächsten 25 Jahren zu Rissen in den Häusern kommen.

Entspannt zurücklehnen könnten die Annaberger sich deshalb aber keineswegs, denn nun sei mit dem umgekehrten Effekt zu rechnen. Durch das ansteigende Grundwasser komme es zu sogenannten Berghebungen und in dessen Folge zu weiteren Schäden an den Gebäuden. Um die zu dokumentieren, fordert der Verein wesentlich mehr Messpunkte als bisher.

Des Weiteren setzt er sich nach wie vor für eine fairere Form der Schadensregulierung ein. Besonders der Begriff der "mittleren Schieflage" von Häusern ist den Bergbaubetroffenen ein Dorn im Auge. Behrens erklärte den Mitgliedern, was kaum zu verstehen ist: "Wenn ein Haus in der Längsrichtung eine Schieflage von drei Millimeter aufweist und in der Querrichtung keine, beträgt die durchschnittliche Schieflage 1,5 Millimeter. Entschädigt wird aber erst ab zwei Millimeter. Und glauben Sie mir, drei Millimeter können sie in einem Suppentopf sehen."

Diese Art der Schadensregulierung sei eine willkürliche Entscheidung der Ruhrkohle AG, beteuerte Ulrich Behrens. Mit einem entsprechenden Gutachten will der Verein demnächst Richter davon überzeugen, dass selbst "geringe Schieflagen schon eine erhebliche Schädigung" darstellen.

Aber nicht nur Hausbesitzer in Annaberg und anderswo sind laut Ansicht des Vereins von den Spätfolgen des Bergbaus betroffen. Denn in das steigende Grundwasser mischt sich Grubenwasser und das ist alles andere als sauber, wie ein Mitglied des Vereins erklärte: "Das Hydrauliköl, welches unter Tage verwendet wurde, enthielt bis in die Mitte der achtziger Jahre krebserregende Polychlorierte Biphenyle (PCB) und kommt jetzt an die Oberfläche. Mit ihm geraten natürlich vorhandene Stoffe wie Zink, Arsen und Salz in unsere Flüsse und das Trinkwasser."

Als die dringlichsten Aufgaben für das kommende Jahr nannte SGB-Vorstand Behrens die Verbesserung der Schadensregulierung, ein umfassendes Oberflächen-Monitoring und eine Grundwassererhebung. Eine große Unbekannte sei zudem die Gefahr, die von dem Müll ausgehe, der jahrelang unter Tage eingelagert wurde. "Ein Gutachten dazu ist bereits in Arbeit", erklärte Ulrich Behrens.

Zu einer möglichen Kooperation mit Geschädigten des Salzbergbaus sagte das Vorstandsmitglied: "Der Salzbergbau spielt bei uns nur eine Randrolle. Außerdem weigern sich die Betreiber des Salzbergwerks, der Schiedsstelle in Essen beizutreten."

Quelle: RP
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