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Rheinberg
Kastanienfest zog schon früh tausende Besucher in die Stadt

Rheinberg. Für die Rheinberger Werbegemeinschaft ist das herbstliche Treiben finanziell ein Zuschussgeschäft. Er lohnt sich trotzdem. Von Erwin Kohl

"Wir haben die Kastanien für unseren Enkel Rico gesammelt. Von den Äpfeln, die wir dafür bekommen, koche ich ihm leckeres Apfelmus", erzählt Oma Almuth Jansen, die mit Mann Helmut aus Ossenberg in die Stadt gekommen war. Zum 13. Mal durften Kastaniensammler vom Niederrhein sich in Rheinberg den süßen Lohn für ihre Arbeit abholen und das bei herrlichem Herbstwetter.

Für je fünf Kilo Kastanien bekamen sie von der Handballspielgemeinschaft Alpen-Rheinberg und der örtlichen Jugendfeuerwehr ein Kilo Äpfel der Sorte Elster und Boskoop sowie Süßigkeiten. Solche Anreize brauchte der sechsjährige Leon Schneider aus Borth allerdings nicht. Sein Motiv: "Ich habe die Kastanien für die Tiere im Wald gesammelt, weil die im Winter Hunger haben." Ab 11 Uhr verteilte Pascal Hußmann von der Jugendfeuerwehr an der Waage am Alten Rathaus die begehrten Zettel mit der Kilozahl. Bereits eine halbe Stunde vorher standen die Sammler mit Bollerwagen, Körben und Säcken voller Kastanien in der Schlange. Für die Rheinberger Werbegemeinschaft als Ausrichter bot diese Veranstaltung eine gute Gelegenheit, sich am verkaufsoffenen Sonntag einem breiten Publikum zu präsentieren. Aus Sicht des Vereins lohnt sich das Kastanienfest eher nicht. "Für uns ist das eine defizitäre Veranstaltung, wir müssen Äpfel und Süßigkeiten einkaufen. Dafür reichen die Standgebühren nicht aus", erklärte Vorsitzender Frank Tatzel, der künftig als Bürgermeister das Fest besuchen wird.

Das Defizit in diesem Jahr dürfte noch höher ausfallen als in den Vorjahren. Der warme Sommer hat dafür gesorgt, dass die Kastanien rechtzeitig am Boden lagen. "Wir haben 2,8 Tonnen Äpfel dabei, können aber jederzeit nachliefern", versichert Bernhard Fonk.

Mehr Kastanien bedeuten auch mehr Publikum. Deshalb sieht Geschäftsführer Frank Schubert den erhöhten Andrang mit einem lachenden Auge: "Wir hoffen sogar darauf. Unser Haushalt ist gut, wir können also ruhig mal tiefer in die Tasche greifen."

Davon profitierten schon früh Kinder und Erzieher eines Kindergartens aus Duisburg. Sagenhafte 280 Kilo Kastanien haben sie abgeliefert und waren trotzdem nicht restlos zufrieden. "Wir haben ein bisschen geschwächelt, in den letzten Jahren waren es mehr", sagte Norman Hay. Bei der Rekordjagd der besten Einzelsammler hatte Joel Frohnhoff die Latte gleich zu Beginn hochgelegt. Mit 80,8 Kilo überbot der Achtjährige die Bestmarke aus dem Vorjahr um rund zehn 10 Kilo.

Zum guten Gelingen des Kastanienfestes trug das abwechslungsreiche Rahmenprogramm bei. Trödel aller Art, ein bunter Krammarkt und viele kulinarische Angebote zogen Tausende Besucher in die Innenstadt. Bänkelsänger Günter Gall zog als "Jüppchen Hahnebolz" durch die Straßen und sang Lieder von "Seeräubern, Herumtreibern und anderen Halunken", während Fahrrad-Clown "Fidelidad" seine Späße machte. Kreative Kinder konnten auf dem Marktplatz mit Ulrike Brechwald von "Klex Wichtel" Buchstaben-Armbänder basteln.

Quelle: RP
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