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Alpen
Kein Netz für Sitzenbleiber

Alpen: Kein Netz für Sitzenbleiber
FOTO: Fischer, Armin (arfi)
Alpen. Sitzenbleiber in Klasse 8 der Realschule in Alpen haben ein besonderes Problem: Es fehlt der Unterbau. Der Wechsel an die benachbarte Sekundarschule scheint fast ausgeschlossen. Von Bernfried Paus

Auch für Peter Paul (14) aus Alpen - Name von der Redaktion geändert - haben die Sommerferien begonnen. Doch so unbeschwert wie die meisten Schüler kann der junge Mann, der die Realschule im Alpener Schulzentrum besucht, die unterrichtsfreie Zeit nicht angehen. Denn Peter hat das Klassenziel nicht erreicht. Mangelhafte Noten in zwei Kernfächern stehen auf seinem Zeugnis nach Abschluss von Klasse acht. Noch hat der Junge die Chance, seine Scharte auszubügeln, um gemeinsam mit den alten Klassenkameraden ins nächste Schuljahr zu wechseln. Doch wenn er die Nachprüfung am Ende der Ferien nicht besteht, steht er möglicherweise plötzlich ganz ohne Schule da. Denn der Wechsel an eine andere Schule vor Ort ist offenbar noch schwieriger als ein "Ausreichend" in der Nachprüfung.

Seine Mutter ist in großer Sorge. Sie hat kurz vor Schuljahresende, als sich endgültig abzeichnete, dass es für den Zögling nicht reichen wird, Klarheit schaffen wollen, wie's und vor allem wo's nach den Ferien für den 14-Jährigen weitergehen soll, falls er denn die zweite Chance nicht nutzen kann. Denn Sitzenbleiben funktioniert an der Realschule nicht mehr. Denn unter der Klasse acht, die jetzt neun wird, ist nichts mehr. Der Unterbau zum Auffangen fehlt schlichtweg, weil die Schule bekanntlich ausläuft.

An der Sekundarschule - also praktisch im Schulzentrum - wie es sich die Mutter in ganz pragmatischer Überlegung vorgestellt hat, sind die Türen für Realschul-Absteiger geschlossen. Noch. "Aber wir befinden uns in Gesprächen", sagt Ludger Funke, im Rathaus zuständig für Schulen. "Aber wir können nur vermitteln. Schulaufsicht ist die Bezirksregierung." Aber man sei "an einer wohnortnahen Lösung interessiert". Denn Peter Paul sei eben kein Einzelfall.

Tilman Latzel, Leiter der Sekundarschule, ist sehr zurückhaltend. Er stützt sich auf das Schulgesetz, das einen "Wechsel der Schulform" nur in die nächst höhere Klasse zulasse - in Klasse neun also. "Die aber gibt es an unserer Sekundarschule noch nicht", so Latzel. Ein Schulformwechsel nach Klasse sieben sei nur auf Antrag möglich. Eine Alternative wäre da möglicherweise die Hauptschule nebenan.

Latzel weist darauf hin, dass seine Möglichkeiten ohnehin beschränkt seien. Es sei pädagogisches Programm der Schule, die Klassenstärke nicht über 25 Schüler anwachsen zu lassen. Damit seien die Kapazitäten im Grunde erschöpft. Auch halte er nicht viel davon, auf der Stelle zu treten, wenn das Klassenziel nicht erreicht worden sei. Er sei als Vertreter der durchlässigen Sekundarschule davon überzeugt, dass ein Schüler, der nicht versetzt werde, als Wiederholer bessere Leistungen bringe. "Vielleicht ist die gewählte Schulform ja nicht die richtige", so Latzel.

All das überzeugt Peters Mutter nicht. "Die Sekundarschule will doch eine Schule für alle sein", sagt sie. Sie kann nicht einsehen, dass ihr Sohn im Zweifel zur Realschule nach Geldern - "meine letzte Hoffnung" - wechseln muss. Und auch von dort fehlt noch die Zusage. Sie ärgert es, dass sie nicht mal einen Ablehnungsbescheid der Sekundarschule bekommen habe, um die Fahrkostenübernahme zu regeln. "Von dem Problem weiß ich nichts", sagte Tilman Latzel. Er bedaure, dass Peters Mutter ihr Problem erst so kurz vor den Ferien an ihn herangetragen habe. "Die Schwierigkeit hat sich bestimmt schon länger abgezeichnet. Im Schuljahr wären vielleicht leichter Lösungen zu finden gewesen, die alle zufriedengestellt hätten", sagte er.

Noch hat's Peter selbst in der Hand, im vertrauten Schulzentrum zu bleiben: Er muss büffeln, um die Nachprüfung zu packen. Nur: Der Erholungswert der Ferien wird geringer. Und der Ausgang und damit Peters Schulzukunft ist ungewiss.

Quelle: RP
 
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