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Rheinberg
Kein Pfeifen mehr, wenn der Zug kommt

Rheinberg: Kein Pfeifen mehr, wenn der Zug kommt
Der Zug rollt am Bahnübergang Baerler Straße mit neuer Halbschrankenanlage vorbei - und niemand vermisst das laute Pfeifsignal. Vertreter der Bürgerinitiative, der Niag-Verkehrsbetriebe und der Stadt Rheinberg traf sich gestern in Vierbaum. Alle sind zufrieden mit dem Ergebnis. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Ein bundesweit einmaliges Projekt kommt zum Abschluss: Städte, Niag und Bürgerinitiative arbeiten gut zusammen. Von Uwe Plien

Gestern Nachmittag, 15.10 Uhr. Eine Niag-Lok rollt vom Orsoyer Rheinhafen kommend Richtung Budberg und passiert den Bahnübergang Baerler Straße/Mühlenstraße zwischen Vierbaum und Baerl. Kein unerträglich lautes Pfeifen wie früher durchschneidet die nasskalte Luft, lediglich ein milder, relativ leiser Warnton.

Erleichterung für die Anwohner, die vor fünf Jahren die Nase voll hatten und die Bürgerinitiative Niag Bahnlärm mit dem Ziel gründeten, sich für weniger Lärm und mehr Sicherheit an den Bahnübergängen Baerler Straße, Lohmühler Weg und Siedlerweg einzusetzen. Mit Erfolg, denn jetzt sind alle drei Übergänge technisch auf einem guten Stand.

"Wir freuen uns sehr", sagte gestern Eva Hellmis, Sprecherin der Initiative. Ihr Haus steht gleich neben der Bahnstrecke. Die Geschlossenheit, mit der die Anwohner aufgetreten seien und die Tatsache, dass man städteübergreifend zusammen mit den Baerlern agiert habe, habe zum Erfolg beigetragen. Natürlich hätte man sich gewünscht, dass die Arbeiten früher erledigt worden wären. "Aber", so Hellmis, "die Lebensqualität hat sich deutlich verbessert."

Dieter Paus, Beigeordneter der Stadt Rheinberg, zeichnete die Entwicklung gestern nach. 2014 sei der Arbeitskreis (der bestehen bleiben soll) gebildet worden, in dem die Beteiligten zusammen nach Lösungen suchten: Niag, Initiative, die Städte Rheinberg und Duisburg. "Anfangs ging es da auch mal heftig zur Sache", erinnerte sich Paus. 2013 und 2015 wurden zwei Vereinbarungen getroffen, in denen unter anderem die Entwicklung der Bahnübergänge. Auch Paus war zufrieden: "Ich bin dankbar, dass Sie aufeinander zugegangen sind", lobte er insbesondere Initiative und Verkehrsbetriebe.

Auch Peter Giesen. Niag-Vorstand, zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis. Er deutete insbesondere auf die Kosten. Eine Million Euro seien in die Bahnübergänge investiert worden. Ein Drittel davon habe das Land übernommen, ein Drittel die Niag und ein Drittel haben sich Rheinberg und Duisburg als Straßenbaulastträger geteilt. Das ist beim Siedlerweg die Stadt Rheinberg, Beim Übergang Baerler Straße/Mühlenstraße sind die Städte Duisburg und Rheinberg an den Kosten beteiligt. Beim Lohmühler Weg greift eine privatrechtliche Vereinbarung zwischen Niag, Bürgerinitiative und dem Eigentümer des Weges. "Das ist einzigartig in Deutschland", hob Eva Hellmis hervor und bezog sich auf den Übergang am Lohmühlerweg, auf dem sich 2012 ein tödlicher Unfall ereignete und der zu einem Bauernhof führt. "Weil wir auch dort eine Signalanlage mit Licht haben wollten, es aber keine Fördermittel gab, haben wir als Anwohner uns selbst mit 17.000 Euro beteiligt." Weitere 3000 Euro steuert Familie Terhardt als Eigentümer hinzu.

Unterdessen hat die Niag ergänzende Maßnahmen umgesetzt. Peter Giesen und Niag-Projektleiter Thomas Scherbarth verwiesen auf Bahnschwellen aus Holz, die gegen Betonschwellen getauscht wurden. Außerdem sind Gleise verschweißt worden, so dass es keine Stoßlücken mehr gibt. Auch sei der Schotter im Gleisbett verdichtet worden. Eine Maßnahme, die dazu führt, dass die Züge und Waggons ruhiger laufen. Nicht zu vergessen die Schienenschmieranlage, die wegen der engen Kurvenführung unweit der Baerler Straße installiert worden ist. Dadurch, dass vor dem Anrollen eines Zuges ein feiner Schmierfilm auf die Gleise gelegt wird, verringert sich das Quietschgeräusch. Somit habe die Niag weitere 330.000 Euro investiert.

Quelle: RP
 
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