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Rheinberg
Keltische Gitarrenklänge und ein guter Whisky

Rheinberg. 120 Budberger ließen sich im Bürgerhaus in die Geheimnisse des schottischen Nationalgetränks einweisen. Von Peter Gottschlich

"Er sieht harmlos aus. Aber lassen sie sich nicht täuschen. Er hat 46 Volumenprozent." Stefan Szattat warnt schon einmal seine Gäste, wenn er ihnen einen zwölf Jahre alten Whisky der Destille Springbank aus der Region Campbeltown bei Edinburgh kredenzt. Schließlich will der 40 Jahre alte Sommelier sie zu Freunden des Whiskys machen, wie am Samstagabend im Bürgerhaus Budberg. "Das Aroma ist ölig und torfig", sagt der Whiskyfan, der bei der Moerser Firma Bührmann Weine arbeitet. "Der Geschmack ist zartbitter und nussig, der Abgang salzig, warm und lang."

Am Samstagabend führte er 120 Budberger in die Kunst ein, Whisky herzustellen und zu verkosten, wohlgemerkt Whisky, der aus Schottland stammt, und nicht Whiskey, der in Irland hergestellt wird. "Mein Vater war bei der deutschen Armee", erzählte er beim schottisch-keltischen Abend. "Wenn sie der britischen Armee geholfen hat, hat er immer etwas Whisky bekommen. So ist er Fan geworden. Ich habe die Leidenschaft von ihm geerbt."

Seit gut zehn Jahren ist er Freund des Wassers, was Whisky übersetzt heißt. Es war die Zeit, als Mitte der Nullerjahre der Hype um Whisky, wie er ihn nennt, aus dem Vereinigten Königreich über den Ärmelkanal nach Deutschland schwappte. Damals kamen die Degustationsgläser auf, die wie kleine Cognacgläser mit langem Hals aussehen und beim Schwenken das Aroma besonders gut zur Nase leiten, wie der Referent zeigte.

Am Samstagabend erläuterte er nicht nur, wie Whisky über Nase und Gaumen zu genießen ist, sondern auch wie Destillen hochprozentige Single-Malt-Whiskys herstellen, also keine "blended" oder verschnittenen Sorten, wie die großen Marken Jim Beam oder Johnny Walker. Der Prozess ähnelt einer Bierherstellung ohne Hopfen, zum Beispiel das Mälzen des Getreides und das Darren. Beim Whisky wird unter dem Darrboden oft Torf verbrannt, der später den Geschmack des Whiskys prägt.

Das Malz wird gemischt, gekocht und vergoren, um dann zwei- bis dreimal destilliert und in Fässer gefüllt zu werden, beispielsweise in alte Cherryfässer. "Zwei Drittel des Aromas macht das Fass aus", berichtete der Whiskyprofi. Deshalb habe eine Flüssigkeit zehn Jahre im Holzfass zu liegen, bevor sie als schottischer Whisky bezeichnet werden dürfe. Das andere Drittel des Aromas sei durch viele andere Faktoren verursacht, unter anderem Wasser und Getreide oder Gären und Destillieren.

Zur Theorie kam die Praxis, wobei in den Pausen die fünfköpfige Gruppe "Celtic Cauldron" mit keltischen und schottischen Liedern für die richtige Atmosphäre sorgte. Die Besucher der Verkostung atmeten den Duft von fünf Whiskys ein, bevor sie diesen durch ihre Kehlen gleiten ließen. Die Flüssigkeiten kamen aus den fünf schottischen Whiskyregionen: Speyside, Highlands, Lowlands, Campbeltown und Islay, wie der letzte. "Der Whiskyprofi gewöhnt seinen Gaumen langsam an die hochwertigen Sorten", sagte Stefan Szattat, als er einen zwölf Jahre Whisky aus der Destille Lagavulin mit 43 Prozent vorstellte, der in einer 0,7-Liter-Flasche 55 Euro kostet. "Das Aroma ist intensiver Torfrauch. Der Geschmack ist trockener Torfrauch mit kraftvoller Süße. Der Abgang ist erfüllt vom eleganten Rauch des Torfes. Sláinte - Prost." Vielen im Bürgerhaus war dieser Whisky, der von Whiskyprofis zu den besten in Schottland gezählt wird, allerdings zu intensiv und zu torfig. Dabei waren nicht wenige Freunde der milderen Sorten geworden, die sie zuvor verkostet hatten.

Quelle: RP
 
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