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Rheinberg
Kinderhaus-Übernahme verschoben

Rheinberg. Jugendhilfeausschuss: Kirchenkreis Moers liefert fehlerhafte Zahlen, nun wird im Januar über Trägerwechsel geredet. Von Uwe Plien

Nicht nur die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses (JHA), auch viele Besucher und vor allem die Mitarbeiter des Evangelischen Kinderhauses waren gestern Abend in das Gebäude an der Fossastraße gekommen. Und zwar mit hohen Erwartungen. Denn der Übernahme-Krimi beschäftigt die Betroffenen schon seit fast zwei Jahren. Darum geht es: Die Evangelische Kirchengemeinde kann ihre Kindertagesstätte nicht mehr finanzieren und möchte sie an einen anderen Träger abgeben. Der ist mit dem CjD (Christliches Jugenddorfwerk Deutschland) im Prinzip auch gefunden. Aber es müssen natürlich 1000 Fragen geklärt werden. Vor allem hängen die Mitarbeiterinnen in der Luft; sie wollen endlich wissen, wo die Reise für sie hingeht.

Gestern nun sollte Klarheit geschaffen werden. Allerdings hatte sich kurz vor der Sitzung herausgestellt, dass die Vorlage der Stadtverwaltung auf Zahlen basiert, die der Evangelische Kirchenkreis Moers zur Verfügung gestellt hatte. Doch die, so sagte es Stadt-Controller Andreas Kußel, enthielten gravierende Fehler, so dass die Vorlage gegenstandslos sei. Kußels Vorschlag: Abwarten, bis der Abschluss des Kirchenjahres vorliegt, und dann mit neuer Vorlage in einer neuen Sitzung im Januar das Thema neu angehen. Das gefiel niemandem, war aber nicht zu ändern. Pastor Udo Otten entschuldigte sich in aller Form für die Panne der Kirchenkreisverwaltung: "So etwas Peinliches ist mir selten mal passiert", sagte er. Für ihn liege die ganze Misere der Finanzierungs in einem fehlerhaften System begründet: "Und wir müssen die Fehler der Politik ausbaden."

Die Gefühlslage im Kinderhaus beschrieb eindrucksvoll Iris Abbenhaus als Vorsitzende der Mitarbeitervertretung. Seit zwei Jahren sei man in Gesprächen, die ganz gut verlaufen seien. "Ich möchte die Ängste der Mitarbeiter zum Ausdruck bringen. Da stecken Schicksale hinter. Erzieherinnen in kommunalen Kitas bekommen, anders als wir, fünf Prozent mehr Gehalt, und wir sollen bei einem neuen Träger auf 20 bis 25 Prozent verzichten. Das tut weh", sagte sie. Die Misswirtschaft sei durch das fehlerhafte KiBiz-Gesetz entstanden, "aber das darf nicht auf unserem Rücken ausgetragen werden". Das alles bedeute nicht, dass man einem Trägerwechsel nicht zustimmen würde.

Für diesen möglichen Träger CjD NRW Nord waren gestern Gesamtleiter Matthias Böhler und Fachbereichsleiterin Maike Brummelmann in die Sitzung gekommen, die den bundesweit tätigen Verband vorstellten. Böhler machte keinen Hehl daraus, dass der CjD die Gehälter der Mitarbeiterinnen nach einem Jahr um rund 20 Prozent absenken müsste. "Sonst wäre diese Einrichtung auch für uns nicht finanziell zu tragen", sagte er.

In der Diskussion konnte wegen der Zahlenpanne nicht detailliert diskutiert werden. Das soll im Januar in einer JHA-Sondersitzung nachgeholt werden. Bis dahin müssen die Erzieherinnen weiter mit der quälenden Ungewissheit leben.

Quelle: RP
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