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Rheinberg
Kippt der Denkmalschutz die Awo-Pläne?

Rheinberg: Kippt der Denkmalschutz die Awo-Pläne?
Das Awo-Gebäude soll dort gebaut werden, wo die großen Bäume stehen. In einem zweiten Schritt soll die Schule an die Awo verkauft, abgerissen und durch seniorengerechte Gebäude ersetzt werden. Möglicherweise könnte die Schule zwar abgerissen werden. Unklar ist aber, ob an der Stelle neu gebaut werden dürfte. FOTO: Initiative
Rheinberg. Die Rheinberger CDU-Fraktion irritiert mit einer Pressemitteilung. Darin wird angedeutet und unterstellt, dass das geplante Verwaltungsgebäude nicht gebaut werden kann. Die Expertise des Denkmalamtes lag gestern noch nicht vor. Von Uwe Plien

Bis gestern um 18 Uhr lag die lange erwartete Bewertung des Amtes für Denkmalpflege im Rheinland noch nicht im Stadthaus vor. Das bestätigte Frank Tatzel. "Wir rechnen allerdings jeden Tag damit", sagte der Bürgermeister. Auch die Bürgerinitiative "Rund um den Pulverturm" hatte offenbar keinen Wissensvorsprung. "Wir wissen nichts Neues", so Sprecherin Michaela Vervoort. "Außer, dass die Bewertung des Denkmalschutzes in diesen Tagen kommen soll." Die Initiative hatte die LVR-Behörde in ihrem Bemühen, das vom Awo-Kreisverband an der Ritterstraße/Alte Rheinstraße geplante Gebäude zu verhindern, eingeschaltet.

Umso mehr verwundert eine Pressemitteilung der CDU-Fraktion von gestern Nachmittag. Darin heißt es, die CDU wünsche sich einen einvernehmlichen Standortwechsel für die Awo in Rheinberg. Wer zwischen den Zeilen liest, erkennt die vorweggenommenen Hinweise darauf, was der Denkmalschutz der Stadt mutmaßlich mitteilen wird. "Wir sehen, dass der Neubau am gewünschten Standort so nicht reibungslos umzusetzen ist. Aber es gibt Alternativen. Deshalb bieten wir der Awo unsere Unterstützung an, ihre Planung dort zu verwirklichen", schreibt CDU-Fraktionsvorsitzender Erich Weisser. Welche Alternativen das sein könnten, lässt er offen.

Es müsse jetzt endgültig Schluss sein mit der Diskussion um Planung und Bau des Awo-Gebäudes, findet die CDU - "jetzt, wo schwerwiegende sachliche Gründe als Hürde erkennbar werden, über die das Projekt nur mit äußerst fragwürdigen Mitteln gebracht werden könnte". Deshalb fordere die CDU "eine neue, zukunftsfähige Positionierung der Stadt". Es gebe "konkrete Signale, die von der Denkmalschutzbehörde empfangen wurden". Die Expertise des LVR-Denkmalamtes werden "nach Allem, was bisher bekannt ist, gelinde gesagt die Position der Stadt Rheinberg sehr stark einengen und zumindest im regulären Verfahren verbauen". Weisser: "Die CDU-Fraktion ist sich sicher, dass die Denkmalschutzbehörde ihre Bedenken aus wohlüberlegten, hieb- und stichfesten Gründen formuliert hat. Deshalb werden wir Gedanken, die Stellungnahme der Fachbehörde durch Klagen und andere Maßnahmen auszuhebeln, nicht unterstützen." Zum einen, weil sich ein "Durchklagen" einer Position als Beleg dafür interpretieren ließe, dass ein fragwürdiger Plan gegen alle Kritik und gegen fundierte Argumente "mit der Brechstange" durchgesetzt werden solle. Außerdem würde sich ein solches Vorgehen über Jahre hinziehen.

In diesem Zusammenhang sagt Erich Weisser, dass die CDU-Fraktion von Anfang an Bedenken und auch Änderungswünsche gehabt habe, über die sich die Mehrheit der anderen Fraktionen allerdings hinweggesetzt habe. "Auch die uns geschilderten Vorteile der Ansiedlung - Gewerbesteueraufkommen, Erhöhung der Anteile an der Einkommenssteuer, Kaufkraftgewinn für Rheinberg - haben uns nie überzeugt", argumentiert der Fraktionsvorsitzende: "Bemängelt wurde von uns auch stets, dass ein schlüssiges Verkehrskonzept, eine hinreichende Regelung bezüglich der Parkflächen sowohl für Bedienstete, als auch für Gäste und Kunden nicht gegeben schien." Trotz aller Bedenken hatte aber auch die CDU dem Verkauf an die Awo zugestimmt.

Wenn nun die Denkmalbehörde ihr Veto gegen die Baupläne einlegt, bestärke dies die CDU in der Hoffnung, dass man sich mit der Awo auf einen Alternativstandort verständigen könne.

Frank Tatzel versicherte gestern, dass er der CDU keine Exklusiv-Informationen habe zukommen lassen. Das bestätigte auch Erich Weisser. Er sagte, mit der Pressemitteilung wolle man die Stadtverwaltung dazu bringen, die rechtlichen Möglichkeiten in der Sache auszuloten und Gespräche mit dem Awo-Kreisvorsitzenden Bernd Scheid zu führen.

Quelle: RP
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