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Rheinberg
Kleine Dinge reparieren und sich kennenlernen

Rheinberg: Kleine Dinge reparieren und sich kennenlernen
Werner Berg (li.) und Frank Preibsch sind zwei der Experten, die gestern bei der Premiere des Repair-Cafés ihre Hilfe angeboten haben. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Im Rheinberger Pfarrheim St. Anna öffnete gestern erstmals das "Repair Café". Experten helfen dabei, ein Fahrrad zu reparieren oder einen Knopf anzunähen. Die Idee stammt aus den Niederlanden. Von Uwe Plien

Karola Bütow hat ein Problem. Ihr Akkuschrauber will nicht mehr. Aber ihn deshalb gleich wegschmeißen? Vielleicht kann man da ja noch was retten, dachte sich die 51-jährige Rheinbergerin und brachte das Maschinchen gestern mit ins "Repair Café" im Pfarrheim St. Anna. Ein Fachmann inspizierte das Gerät und hatte schnell die Vermutung: Es könnte das Ladegerät sein, das nicht mehr will.

Kaputter Akkuschrauber, quietschendes Fahrrad oder defekter Reißverschluss - mit den kleinen Ärgernissen des Alltags muss man sich nicht mehr länger herumplagen. Im Rheinberger "Repair Café", das gestern erstmals öffnete, kann man solche Dinge nun einmal im Monat reparieren lassen. Oder noch besser: zusammen mit Kennern und Könnern selbst reparieren. Damit man beim nächsten Mal weiß, wie's geht.

Karola Bütow gefällt die Idee. "Ich kannte sie schon von Bekannten aus Köln", erzählt sie. "Eine gute Sache." Werner Koschinski, Pastoralreferent, in St. Anna, ist ebenfalls begeistert. "Die Idee stammt aus den Niederlanden. Da gibt es eine Repair-Café-Stiftung, die sich auch den Namen schützen lassen hat. An die haben wir uns gewandt", erzählt der Kirchenmann. Ganz unproblematisch und für kleines Geld habe man nun die Erlaubnis erhalten, eine "Filiale" in Rheinberg zu eröffnen.

Werner Koschinski verweist auf die Grundidee "Ressourcen schonen": "Heutzutage wird doch alles viel zu schnell weggeworfen. Auch deshalb, weil es nicht mehr die typischen Krauter gibt, die einem mal eben einen kaputten Toaster reparieren können." Und, auch das ist Koschinski wichtig, vielen Menschen fehle einfach das Geld, jedes kaputte Gerät gleich durch ein neues ersetzen zu können.

Zwei "Krauter" im besten Sinne sind Frank Preibsch und Werner Berg. Beide sind gelernte Schlosser und verfügen über handwerkliches Geschick. Beide haben ein Haus gebaut und auch dadurch viel gelernt. "Wir haben uns das Repair-Café in Duisburg-Ruhrort angeschaut und waren von der Idee sofort begeistert", erzählt der 53-jährige Frank Preibsch. Nun gehören die beiden Rheinberger zum Reparatur-Team von St. Anna. Sie haben auf einem Tisch eine ganze Menge Werkzeug ausgebreitet: Akkuschrauber, Säge, Schraubendreher, Zangen, Hammer, und, und, und. "Viele wissen gar nicht genau, was mit ihrem Gerät nicht stimmt, ob es sich um eine Kleinigkeit handelt oder ob das Teil wirklich hin ist", so Werner Berg. Es gefalle ihnen, anderen helfen zu können.

So ist das auch bei Monika Büscher (54) aus Rheinberg und Angela Lengert (59) aus Xanten. Auch sie haben den Aufruf der Kirchengemeinde vernommen und wollen bei der Reparatur behilflich sein. "Wir können nähen", erfährt man von den beiden Damen, die sich als Autodidaktinnen bezeichnen und ihre Nähmaschinen mitgebracht haben. Knopf annähen, Naht erneuern - solche Kleinigkeiten kann man bei ihnen machen lassen. Inklusive einer Anleitung fürs Selbermachen beim nächsten Mal.

Wichtiger und gewollter Nebeneffekt des Repair-Cafés: Man kommt bei einem Tässchen Kaffee miteinander ins Gespräch und lernt sich kennen. "Wir hoffen, dass sich diese Einrichtung etabliert", sagt Werner Koschinski. Nächster Termin: Donnerstag, 19. November, ab 16 Uhr.

Quelle: RP
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