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Rheinberg
Knochenfund stoppt Bagger an der Kirche

Rheinberg: Knochenfund stoppt Bagger an der Kirche
Der Bauarbeiter zeigt eine Stelle, wo Reste eines Schädels gefunden worden sind. FOTO: bp
Rheinberg. Bei der Umgestaltung des Vorplatzes an der Kirche St. Peter stießen Bauarbeiter auf menschliche Knochen. Damit ruhten zunächst einmal die Arbeiten, standen die Bagger still - weitgehend jedenfalls. Weiter geht's nach Ostern unter archäologischer Begleitung. Von Nicole Maibusch und Bernfried Paus

Als die Bauarbeiter der Firma Lankes aus Wesel am Montag auf Teile vom menschlichen Skelett stießen, war zunächst nicht klar, ob es sich tatsächlich um archäologische Funde handelte. Daher wurden neben der Stadtverwaltung als Untere Denkmalbehörde und dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege in Xanten auch die Polizeiwache über den rätselhaften Fund informiert.

Ein übliches Vorgehen in einem solchen Fall, erläutert Dieter Paus, Technischer Beigeordneter der Stadt Rheinberg. Für ihn kam dieser Fund nicht völlig überraschend. Bereits in den 1980er Jahren habe es umfangreiche Sanierungsmaßnahmen in diesem Bereich im Vorhof der Kirche St. Peter gegeben - es wurde ein Parkplatz angelegt. Von Knochenfunden, so Paus, sei ihm aber nichts bekannt gewesen. Jedoch: "Im Mittelalter wurden die Friedhöfe üblicherweise um die Kirche herum angelegt. Entsprechend häufig stößt man in solchen Fällen auf alte Gräber", erläutert der Beigeordnete.

Das ist wohl auch in Rheinberg nicht anders. Auf dem Modell der mittelalterlichen Stadt Rheinberg, das im Stadtarchiv am Innenwall zu sehen ist, symbolisieren kleine Kreuze um das Gotteshaus den ursprünglichen Friedhof. Bis ins 19. Jahrhundert wurden dort Rheinberger Bürger bestattet. Zwar gab es schon unter preußischer Besatzung erste Überlegungen, die zentrale Begräbnisstätte zu verlegen. Doch das wurde erst 1883 mit der Einrichtung des neuen Friedhofs am Annaberg realisiert. Die bestehenden Gräber, die um die etwa 1106/1107 errichtete St. Peter Kirche angelegt waren, wurden damals jedoch nicht umgebettet.

Die bisherigen Fundstellen wurden gesichert und abgedeckt. Der Bagger darf behutsam weiter die erste Erdschicht abnehmen. Wenn's nach den Ostertagen auf dem Kirchvorplatz weitergeht, darf die Schaufel nur unter Aufsicht eines Archäologen tiefer ins Erdreich vordringen, da dort unten Grabstellen vermutet werden, die nicht zerstört werden sollen.

Der Vorhof der Kirche soll als Spiegelbild des Lindenplatzes gestaltet werden. Sitzmöglichkeiten und Spielgeräte rechts und links des Zugangs zur Kirche sollen künftig die Aufenthaltsqualität erhöhen. Während auf dem Vorplatz das gleiche Pflaster wie auf dem Lindenplatz verlegt wird, wird sich auf dem Zugweg zur Kirche das Marktplatzpflaster wiederfinden. Im Bereich der Spielgeräte wird weicher Prallschutz verlegt, der Stürze abmildert.

Momentan ruht die Baustelle in einigen Teilen. Aber: Die Arbeiten seien nicht komplett eingestellt worden, betont Dieter Paus. Wie lange die archäologischen Untersuchungen andauern werden und ob sich dadurch der Bauablauf signifikant verzögern wird, sei derzeit noch nicht absehbar. Auch bei der Frage nach den Kosten, die infolge des Knochenfunds und der archäologischen Ausgrabungen auf die Stadt zukommen, wiegelt der Technische Beigeordnete ab: Zum jetzigen Zeitpunkt seien überhaupt keine Kosten absehbar, sagt Paus.

Der Technische Beigeordnete erläuterte, was mit den Gebeinen, die bei den Sanierungsarbeiten gefunden worden sind, geschieht. "Die werden auf dem neuen Friedhof in gebotener Würde bestattet."

Quelle: RP
 
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