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Rheinberg
Königsblau - auch mit 86 Jahren noch

Rheinberg: Königsblau - auch mit 86 Jahren noch
Friedhelm Stapelmann ist Schalke-Fan durch und durch. Auch im "Schalker Kreisel" wurde er gewürdigt. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Friedhelm Stapelmann, pensionierter Lehrer, hat schon in den 30er Jahren die Spiele des FC Schalke 04 besucht. Von Erwin Kohl

Insgesamt sieben nationale Meistertitel verzeichnet der Briefkopf des FC Schalke 04. Mit Bayern München, Nürnberg und Borussia Dortmund waren lediglich drei Mannschaften in der 115-jährigen Geschichte des Championats erfolgreicher. Das Problem: An die letzte Meisterfeier aus dem Jahr 1958 können sich nur noch rüstige Rentner erinnern, von den Erfolgen aus den 30er Jahren ganz zu schweigen. Der Rheinberger Schalke-Fan Friedhelm Stapelmann dürfte einer der ganz wenigen sein, der alle Meisterschaften seines Vereins miterlebt hat. "An den ersten Titel 1934 kann ich mich allerdings nicht mehr erinnern, ich war damals drei Jahre alt. Aber beim Endspiel 1939 gegen Admira Wien habe ich mit meinem Vater am Radio mitgefiebert", erklärt der 86-Jährige. Mitgefiebert? Das Spiel endete 9:0 für Schalke. "Wir haben bis zum Schluss gehofft, dass es zweistellig ausgeht", schmunzelt Stapelmann.

Das Schalke-Gen hat er von seinen Eltern in die Wiege gelegt bekommen. Für den Vater als Bergmann kam ohnehin kein anderer Verein infrage, und seine Mutter wurde am 4. Mai 1904 geboren, dem Gründungstag des FC Schalke 04. Friedhelm Stapelmann lebte 1939 in Mülheim-Dümpten, als der Vater ihn mitnahm zum Spiel einer Mülheimer Stadtauswahl gegen Schalke. Von da an gab es kein Zurück mehr, Stapelmann fuhr regelmäßig mit dem Fahrrad die 21 Kilometer lange Strecke zur Gelsenkirchener Glückauf-Kampfbahn, um die Heimspiele seiner Idole zu verfolgen. Nach Hannover, wo sein Verein 1958 mit einem 3:0 Sieg gegen den Hamburger SV letztmalig Deutscher Meister wurde, konnte Stapelmann leider nicht fahren. "Wir haben das Spiel vor dem Fernseher verfolgt und gemeinsam gefeiert", erinnert sich der pensionierte Lehrer. Zwei Jahre zuvor hatte der begeisterte Fußballer, Handballer und Turner an der Kölner Sporthochschule sein Trainerdiplom für die Bereiche Fußball und Handball erworben. Sein damaliger Lehrer war kein Geringerer als der legendäre Hennes Weisweiler.

In dieser Zeit kam auch das Angebot, als Lehrer für Mathematik und Sport zum Rheinberger Amplonius-Gymnasium zu wechseln. Sein prominentester Schüler war Jürgen Möllemann. Über die schulischen Leistungen des späteren Bundeswirtschaftsministers und Vizekanzlers möchte Stapelmann nicht viel mehr sagen als das: "Er konnte gut organisieren und war im Sport ganz ordentlich." Immerhin muss Stapelmann einen bleibenden Eindruck auf den Politiker hinterlassen haben. "Er hat mich zu seinem 50. Geburtstag eingeladen. Da er mittlerweile auch im Vorstand von Schalke war, traf ich bei der Feier die gesamte Mannschaft inklusive Trainer." Seit mehr als 50 Jahren ist der Rheinberger im Besitz einer Dauerkarte, Stehplatz Nordkurve. Die hat er jetzt an seinen Enkel weitergegeben. Die Beine machen nicht mehr und ein Sitzplatz kommt nicht infrage. "Im Stadion ruhig sitzen, das ist nicht mein Schalke."

Für eine einzige Saison hatte er seine Dauerkarte zurückgegeben. Der Grund: Sein Verein gab die Verpflichtung von Andreas Möller bekannt. "Der war eine Heulsuse und kam auch noch aus Dortmund. Den wollte ich hier nicht sehen." Dann hatte aber ausgerechnet der ungeliebte Möller maßgeblichen Anteil daran, dass Schalke sich mit den Bayern einen packenden Zweikampf um die deutsche Meisterschaft lieferte, der erst in der 93. Minute des letzten Spiels entschieden wurde und den Königsblauen den Titel "Meister der Herzen" bescherte. "Ich konnte gar nicht anders, als mir die Spiele im Stadion anzusehen. Für die Karten habe ich dann doppelt so viel bezahlt, als meine Dauerkarte gekostet hätte", so Stapelmann. Der Verein ist aber nicht nachtragend und ehrte Stapelmann vor dem letzten Heimspiel mit einem ganzseitigen Bericht in der Stadionzeitschrift "Schalker Kreisel".

Stapelmann hat nicht nur äußerlich eine gewisse Ähnlichkeit zur Reporterlegende Werner Hansch. Fragt man ihn nach der schönsten Spielszene aus all den Jahren, sprudelt es ähnlich aus ihm heraus: "Es war ein Spiel gegen Rot-Weiß Essen. Berni Klodt schnappt sich an der Mittellinie den Ball, setzt zu einem 30-Meter-Sprint über die Außenbahn an, zieht nach innen in den Strafraum und drischt das Leder unhaltbar in den Giebel. Keine Chance für Torwart Fritz Herkenrath."

Quelle: RP
 
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