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Rheinberg
Krähen machen Politiker ratlos

Rheinberg: Krähen machen Politiker ratlos
„Auf den Wällen muss man mit offenem Schirm laufen, um nichts auf den Kopf zu kriegen“, so Josef Devers von der CDU Orsoy. FOTO: Julian Stratenschulte/dpa
Rheinberg. Der Umweltausschuss hat die Verwaltung beauftragt, eine Ausnahmeerlaubnis einzuholen für Maßnahmen, die der lästigen, aber artenrechtlich geschützten Vogel am Spielplatz in Borth vertreiben. Die CDU schlägt eine Resolution an den Bundestag vor. Von Bernfried Paus

Krähen erregen die Gemüter. Auch in Rheinberg. Das führte gestern im Umweltausschuss zu einer teils hitzigen Debatte darüber, wie man den gefiederten Plagegeistern denn nun Herr werden kann. Ein Königsweg ist auch im Stadthaus nicht in Sicht, nachdem selbst der "Krähenpapst" aus den Niederlanden im benachbarten Polderdorf Büderich mit seinem großangelegten Umsiedlungsversuch "letztlich gescheitert" ist und die Stadt Wesel die Krähe nur vom Marktplatz vertrieben hat, indem die Stadttochter ASG die Platanen so kurz hält, dass die unliebsamen Vögel keine Chance mehr haben, hier ihr Nest zu bauen. Das kostet im Jahr fast 20.000 Euro.

Der Ausschuss hat gegen die Stimmen der Grünen - ihr Sprecher Jürgen Bartsch enthielt sich - die Verwaltung beauftragt, den Weg zur Vertreibung zumindest in Borth am Spielplatz Weidenweg anzugehen und bei der Unteren Landschaftsbehörde Kreis Wesel eine Ausnahmeerlaubnis einzuholen, die Kronen der Bäume so kappen, dass die krächzende Kolonie sich verzieht.

Generell sei der Ruf nach radikalen Lösungen, darauf legten Vertreter aller Fraktionen Wert, kaum mehr als Populismus. Denn die Krähe genieße Artenschutz. Das ist auch der Grund, weshalb die CDU-Fraktion eine Resolution vorschlug an den Bundestag, das Gesetz so zu ändern, dass in bestimmten Situationen eine härtere Gangart gegen die schwarzen Vögel erlaubt sein müsse, die ordentlich Dreck machen und schon in aller Herrgottsfrühe einen Mordslärm, wie Josef Devers (CDU) von den aus Orsoyer Wällen anschaulich beschrieb. Der Resolution, so das Kalkül, könnten sich die Räte vieler Kommunen anschließen, die wie auch Xanten und Wesel vermutlich eine ähnliche Stoßrichtung hätten.

Doch der Weg über den Gesetzgeber ist vermutlich ebenso lang wie der zum anderen Umgang mit der Natur, der den Krähen vor den Toren der Siedlungen - hier finden sie ein optimales Nahrungsangebot - wieder bessere Lebensbedingungen beschere, wie Grünen-Sprecher Jürgen Bartsch argumentierte. Er räumte zwar ein, dass Krähen "ganz schön nerven können", warnte aber davor, die Krähe "mit dem Bade auszuschütten". Die CDU legte nach, forderte ein Maßnahmepaket, das Soforthilfe verspricht. Unter anderem könne "die Feuerwehr die Nester aus den Bäumen spritzen". Und der DLB soll da, wo die weißen Kleckse gefallen sind, regelmäßig schrubben. Eine saubere Lösung des Problems ist das sicher nicht. Die Krähen werden auch den Rheinbergern in fast allen Ortsteilen noch lange auf die Nerven gehen.

Quelle: RP
 
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