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Rheinberg
Kunst von Uwe Post: Menschen und Lebenswege

Rheinberg. "Viel Freude beim Betrachten der Bilder" - so begrüßten "Adler"-Chef Ernst Barten und Uwe Theodor Post die Vernissage-Gäste. Die Freude, erstmals öffentlich auszustellen, war dem Kamp-Lintforter anzusehen. "Ich hab mich lange vor Ausstellungen gedrückt, weil ich dachte, das ist nichts für mich. Ich hab Ernst Barten dann einfach mal eine Mappe geschickt, und er rief mich an und fragte: Wann willst du das machen?" Und so hängen jetzt 14 Zeichnungen und zehn Fotografien an den Gaststättenwänden. Von Alexander Florié-Albrecht

In Sachen Fotografie und Zeichnen ist er gewissermaßen ein "Spätzünder": "Im Kunstunterricht gab es ein Mädel, das für mich gezeichnet hat, weil man mir eingeredet hat, ich wäre künstlerisch völlig unbegabt", berichtete der 55-Jährige. Er hatte damals mit einfachem Aquarell gemalt. "Da haben die gedacht, das wird nix."

Die künstlerische Ader war ihm aber von seiner Mutter in die Wiege gelegt worden, die Kunst schlummerte dann länger, bis er im Jahr 2000 aus eigenen Antrieb mit einem Zeichenkurs anfing. "Ich bin wegen der Leute in dem Kurs geblieben, hab aber schnell gemerkt, dass ich unterfordert war."

Er beginnt, Situationen aus dem Alltag zu fotografieren und dann zeichnerisch umzusetzen oder in Zeitschriften Motive zu suchen. Dabei entwickelt er sich weiter - vom Malen eines Porträts bis zur Gestaltung von Szenarien. "Wie diese zwei Männer an der Tankstelle, die tanken. Das hab ich aus einem LKW in drei Meter Höhe fotografiert - das ist Graphitkohle mit dem Pinsel aufgetragen und zum Schluss mit angespitztem Bleistift aufgezeichnet."

Erst arbeitet er in Linien, kommt dann in einem Prozess zu flachen Ebenen. Der Blick in den Alltag, zwischenmenschlichen Beziehungen, deren Konflikte, die Gefühle, "diese Spannung und Interaktivität" , das interessiert ihn.

So wie bei einem Paar, dass auf einer Bank ins Handy schaut, ein Paar, dass erkennbar nach einem emotionalen Gespräch Eis isst, sein Bruder und die Schwägerin mit grimmigen Gesicht auf dem Sofa, zwei Kinder mit Rettungswesten und Helm im letzten Libanon-Krieg. Dabei verändert er oft die Gesichter: "Die beiden Kinder sind hier älter - eines hasserfüllt, das steht für die Hisbollah, das andere Gesicht reflektiert und nachdenklich, da steckt die Sehnsucht nach Frieden drin."

Und während der Fahrlehrerstunden ("Es gibt noch gute Fahrschüler") macht er zufällige "fahrende" Landschaftsbilder, denen er zunächst keine Bedeutung beimisst, die aber später fast philosophische Bedeutung erhalten. "Wenn man jahrelang im Auto sitzt, ist das wie eine Art Zuhause, aber ein enges Zuhause. Das ist dann so, als wolle man dem Leben in der eigenen "Dose" da entfliehen."

In Zukunft möchte sich Post unter anderem Architekturzeichnungen widmen - und ohne jede Vorlage zeichnen. Nebenbei schreibt er Romane - und will sich bald mal trauen, einen "mit Background Fahrschule" einzuschicken - ohne groß etwas zu erwarten, aber die "Erfolge" mit den beiden anderen Künsten geben da eine gewisse Zuversicht. Vielleicht gibt es ja demnächst im "Schwarzen Adler" auch eine Post-Lesung.

Quelle: RP
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