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Rheinberg
La Signora: Haarnetz, Akkordeon, schräger Humor

Rheinberg. Gleich zwei Termine hat La Signora für die Kabarettfreunde im Schwarzen Adler reserviert. Carmela de Feo, die feurige Italienerin und gebürtig aus Oberhausen, tourt mit ihrem neuen Programm "Die Schablone, in der ich wohne" durchs Land. Die "Kulturmetropole Vierbaum" passe gut in ihr Konzept.

Sie braucht wenig, um in ihrem Element zu sein. Als Italienerin mit Ruhrpott-Slang, Haarnetz und Witwenoutfit hat sie Lüge und Betrug für sich reserviert. "Das sind die Beine, auf denen ich stehe", so ihr doppeldeutiges Motto. Als Showgirl hat sie sich das Leben einfacher vorgestellt. Wie gut, dass sie über einen Killerinstinkt verfügt. Sie wirbelt auf der Bühne, singt, tanzt mit vollem Körpereinsatz, spielt Akkordeon. Evergreens wie Azzuro werden zur Abgashymne auf die Staus im Pott.

Vor allem bezieht sie das Publikum in ihr aberwitziges Spiel ein. Stichworte, die sie im Saal auffängt, wie Thermomix, Weber-Grill, Gartenarbeit und Hausarbeit wie Bügeln oder Putzen, reizt sie gnadenlos aus. "Aha, da fließt alle Kraft in den Schrubber", so ihr Fazit.

Sie liefert den Stoff, den das Publikum zum Lachen treibt, und Kommentare, die sitzen. Das Grillen als männliche Beschäftigung nimmt sie pointiert aufs Korn. Ist das Neid der Frauen, wenn Männer am Grill mit Bauchfleisch beinahe zärtlich umgehen? "Watt habt ihr hier für Storys", sagt sie anerkennend.

Die Signora liebt es, zu improvisieren und Inhalte neu zu mixen. Das Leben analysiert sie auf ihre Weise, dreht die besagte Medaille um. Schlechte Laune gibt Hoffnung auf Besserung. Misserfolg ist auch ein Erfolg, nur anders.

Errungenschaften des modernen Lebens wie Pokémon Go, Flatrate und das Pubertier unterzieht sie einer kritischen Analyse. Wie schön war doch die Welt, als noch Tante Tilly und Clementine die Werbung bestimmten. Sie kennt die Gedanken, die Frauen, die Königinnen ohne Thron, schon morgens beim Aufwachen beschäftigen. "Watt wäre, wenn?" Es wird allerhöchste Zeit, mit dem tradierten Schablonendenken aufzuräumen, dass ein anderer heult.

Die Signora, Prachtwoman 2017, macht Mut, reicht nach fast drei Stunden Show den Tränenkrug weiter. "Es reicht nicht, Mensch zu sein. Das Privileg gehört Mann allein", singt sie ausgelassen im HipHop-Stil und setzt nach. "Vor den andern Pappnasen willse zeigen, datte zwei Eier has. Ich verrat dir watt: Unter meinem Rock hab ich 2000 Eier an nur einem Stock." Ihr Lied "Heul, doch Pappnase, heul doch" erklimmt problemlos den Olymp.

(sabi)
 
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