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Rheinberg
Latein als mündliches Abi-Fach: Pia hat's drauf

Rheinberg: Latein als mündliches Abi-Fach: Pia hat's drauf
Pia Wurm hat Spaß an Latein. Heute bekommt die 18-Jährige wie ihre 113 Mitabiturienten in der Stadthalle ihr Abitur-Zeugnis überreicht. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Die 18-jährige Rheinbergerin hat eine Wahl getroffen, die es am Amplonius-Gymnasium schon seit einer Ewigkeit nicht mehr gab. Von Nicole Maibusch

Was für die meisten Schüler der größte Alptraum ist, war für Pia Wurm keine große Sache: die mündliche Abiturprüfung im Fach Latein. Nach etwa einer halben Stunde mit einer Übersetzung sowie Fragen zu den Autoren Ovid, Seneca, Cicero und Livius war für die 18-jährige Abiturientin aus Rheinberg der Drops gelutscht. "Schlimmer als die Prüfung ist eigentlich die Wartezeit bis zur Notenbekanntgabe gewesen", scherzt Pia, die als eine von nur zwei Schülerinnen am Amplonius-Gymnasium ins Mündliche in Latein gegangen ist. Am Amplonius-Gymnasium hat es das schon ewig nicht mehr gegeben.

"Wer Latein liebt, hat wenig Spaß im Leben", heißt es in Schülerkreisen. Doch Pia Wurm will das Klischee so gar nicht bedienen. "Das ist auch völliger Quatsch", sagt sie. Singen ist eine ihrer Leidenschaften, sie trifft sich gerne mit Freunden und ist offen und unternehmungslustig. Im September beginnt ihr Freiwilliges Soziales Jahr an einer Grund- und Hauptschule in Niedersachsen. Berufsziel: Grundschullehrerin. Plan B: eine Tätigkeit im sozialen Bereich.

Latein hat sie in der sechsten Klasse zunächst auf Anraten der Eltern gewählt. Motto: Was du hast, das hast du. Denn für viele Studienfächer ist das Latinum Eingangsvoraussetzung. Aber als Pia dieses in der Tasche hatte, hatte sie längst ihre Freude an der Amtssprache der Römer entdeckt. "Es war aber nicht immer einfach", gibt die Abiturientin zu. Es gab auch Zeiten, da hat sie sich "durchgebissen". Latein abwählen? Daran hat sie nie gedacht. Dass sie die Freude am Fach nie verloren hat, schreibt Pia vor allem ihren Lehrern zu. Vor allem in der Oberstufe. "Nach einem Vokabellauf auf dem Flur gab's auch mal Gummibärchen als Belohnung", erinnert sich Pia lachend. Doch Süßem zum Trotz: Generationen von Schülern sind an der Sprache verzweifelt. Die Grammatik, die Endungen, die Systematik - das müsse man schon lernen, betont Pia.

Klassischer Fall von Überflieger? Sicher nicht, so die junge Rheinbergerin. Sie ist überzeugt: Man muss kein Genie sein, um an Latein Freude zu haben. Vielleicht ist ihr das Talent aber auch in die Wiege gelegt worden. Denn schon der Opa hat als Co-Direktor eines Gymnasiums in Dortmund Latein, Alt-Griechisch und Hebräisch unterrichtet.

Quelle: RP
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