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Rheinberg
Leader-Region kommt weiter nur ganz schwer in die Gänge

Rheinberg. Nachdem vor zwei Jahren 250 Bürger zum Leader-Auftakt ins Sonsbecker Kastell gekommen waren, scheint das Interesse am ländlichen Förderprogramm der EU spürbar abzunehmen. Das zeigte sich auch im zweiten Teil der Veranstaltungsreihe "Leader vor Ort", zu dem Kristin Hendriksen und Beate Pauls von der Sonsbecker Geschäftsstelle LAG Niederrhein ins Pfarrheim St. Anna geladen hatten.

Wie schon vor einer Woche in Menzelen kamen aus den vier Projektkommunen Alpen, Sonsbeck, Rheinberg und Xanten gerade mal 15 Besucher, Vorstandsmitglieder inklusive. "Es fehlen mir die Bürger. Ich frage mich, ob wir nicht gezielt Vereine einladen sollten", meinte Christiane Underberg. An Ankündigungen in den Medien und persönlichen Einladungen habe es nicht gemangelt, so Kristin Hendriksen.

Möglicherweise schrecken viele der 75.000 Menschen in der 262 Quadratkilometer großen Leaderregion aber vor dem immensen bürokratischen Aufwand zurück. Einmal mehr machten die Regionalmanagerinnen deutlich, wie hoch die Brüsseler Fördertöpfe hängen. Hat das Management eine Idee für förderwürdig erachtet, muss sie in einem mehrseitigen Formular detailliert erklärt werden. Es folgen der Nachweis des nötigen Eigenkapitals durch den Antragsteller, Absichtserklärungen der Projektpartner und eine erste Prüfung durch die Bezirksregierung.

Danach geht es in Arbeitsgruppen an die Konkretisierung des Projektes. Wer bis hier durchhält, darf sich noch längst nicht am Ziel wähnen. "Liegt alles vor, wird das Projekt anhand einer komplexen Bewertungsmatrix bewertet. Je mehr Punkte es bekommt, desto größer ist die Chance auf eine Förderung", so Kristin Hendriksen. Gibt es die nicht, waren alle Mühen vergeblich.

Und selbst der Erfolgsfall bedeutet nur, dass bei der Bezirksregierung ein Förderantrag gestellt werden darf. Das Prozedere dürfte kaum das gewünschte ehrenamtliche Engagement fördern. Dabei verdienen durchaus schon viele der 60 auf den Weg gebrachten Projekte höchste Aufmerksamkeit. Etwa der Vorschlag von Nicole Weber Ferreira dos Santos, Handwerker vor Ort für modernste energetische Sanierungen zu qualifizieren. "Fördermittel gibt es genug, aber es fehlt entsprechendes Fachwissen. Da sollten wir den Hebel ansetzen", argumentiert Rheinbergs Klimaschutzmanagerin.

Weitere Projekte waren die Nutzung ehemaliger Trafo-Türme als E-Bike-Ladestationen oder die Schaffung von Netzwerken ehrenamtlicher Helfer, die es älteren Mitbürgern ermöglichen sollen, länger in gewohnter Umgebung zu leben.

An mangelnder Kreativität der Niederrheiner liegt es also nicht, dass auch fünf Monate nach dem offiziellen Start der Leader-Region Niederrhein noch kein Projekt bewilligt worden ist. Pfarrerin Ulrike Thölke ist dennoch zuversichtlich: "Ich glaube, wenn erstmal ein Projekt in Gang kommt, löst das einen Schneeballeffekt aus."

Leader vor Ort heißt es am Mittwoch, 9. November in Xanten, Hotel Neumaier. Themenschwerpunkt: "Geschäftiger Niederrhein". Am Mittwoch, 23. November, geht es in Sonsbeck im Hubertushaus Hamb um den "Generationenfreundlichen Niederrhein".

(erko)
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