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Rheinberg
Leerstände bereiten Kopfzerbrechen

Rheinberg. Ein SPD-Antrag sorgte für eine Diskussion im Rheinberger Ausschuss für Stadtmarketing. Die Politik hadert mit der städtischen Wirtschaftsförderung: "Die eigentlichen Gründe für die Leerstände werden nicht angesprochen." Von Erwin Kohl

Gemütlich shoppen und anschließend Pasta im "Scheffel" oder zartes Zanderfilet im "Kleinen Roten" essen? Diese Zeiten sind vorbei, Rheinbergs Innenstadt wird zunehmend vom Leerstand bestimmt. Auf Antrag der SPD-Fraktion nahm sich der Ausschuss für Stadtmarketing, Tourismus und Kultur jetzt der heiklen Thematik an (die RP berichtete).

Aus der entsprechenden Mitteilungsvorlage der Stadtverwaltung ging zwar hervor, dass das Leerstandsmanagement der städtischen Wirtschaftsförderung regelmäßig Gespräche mit Hauseigentümern und potentiellen Mietern führt sowie Stärken und Kernkompetenzen des Standortes unterstreicht und die Unterschiede zu anderen Lagen deutlich macht, die eigentlichen Gründe für das Dilemma Leerstand werden jedoch nicht angesprochen.

Diese könnten in überhöhten Mietvorstellungen, dem Alter der Hausbesitzer oder an den Vorstellungen der Mieter liegen, mutmaßte Brigitte Devers (CDU). Ihr Vorschlag: "Wir haben doch einige Großvermieter. Vielleicht sollten wir sie mal in die nächste Sitzung einladen, um uns ihre Sichtweise erläutern zu lassen." Ergänzend dazu machte Edeltraud Hackstein (FDP) den Vorschlag, sich dann auch den Rat eines Immobilienmaklers einzuholen.

Michael Kuklinski (SPD) regte an, die Höhe der Mieten in den Nachbarkommunen zu erfragen: "Ich weiß, dass Geschäftsleute regelrecht geschockt sind, wenn sie von unseren Mieten hören."

Thomas Bajorat betonte, dass die Stadt lediglich als Mittler auftreten kann. "Ich kann keine Vertragsabschlüsse herstellen. Ich kann aber sagen, dass es oft nicht an der hohen Miete scheitert, sondern an den zu kleinen Ladenflächen in der Innenstadt", erklärt der städtische Wirtschaftsförderer.

Neben Geschäftslokalen liegt das Augenmerk auf einer ausreichenden Restauration. "Die Gastronomie in der Innenstadt ist das wichtigste Zukunftsprojekt für die Stadt. Mit dem alten Rathaus bekommen wir vielleicht einen zusätzlichen Magneten", hofft Ernst Barten (Grüne). Bürgermeister Frank Tatzel ist da weniger optimistisch: "Die Fördermittel sind um ein Vielfaches überzeichnet."

Bräuchte es ein Denkmal für den Leerstand von Immobilien in Rheinberg, wäre der ehemalige Underberg-Kräuterturm geradezu prädestiniert. "Gerardus Aaldering hat den Turm damals von der LEG gekauft und mit Mitteln aus dem Denkmalschutz umgebaut. Gibt es eigentlich keine Fristen, wann das Projekt fertiggestellt sein muss?", wollte Ernst Barten wissen. "Über Vertragsgegenstände kann ich öffentlich nichts sagen", lautete die Antwort von Thomas Bajorat.

Zur Attraktivität der Immobilien trägt auch die Möglichkeit des Online-Handels bei. Viele Kommunen haben ihren Einzelhändlern diese Möglichkeit bereits an die Hand gegeben. Dass dies in Rheinberg nicht der Fall ist, verwunderte Michael Kuklinski: "Es wurden Arbeitsgruppen gegründet und Fragebögen erstellt. Seit unserem Antrag sind inzwischen neun Monate vergangen und niemand weiß, woran es hakt."

Wirtschaftsförderer Thomas Bajorat konnte Licht ins Dunkel bringen: "Es gab einen Anbieter, der uns ein kostengünstiges Angebot gemacht hat. Dann hat sich ein Rheinberger Kreditinstitut entschlossen, ein Freifunk-Netz einzurichten. Davon ist das Institut aber wieder abgerückt, so dass wir erneut mit dem Anbieter Kontakt aufgenommen haben. Stand heute: Das W-Lan kommt."

Quelle: RP
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