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Alpen
Lieder voller Dankbarkeit

Alpen: Lieder voller Dankbarkeit
Xenia Galetskaya ist erst zehn Jahre alt. Aber sie betört mit ihrer wunderschönen Stimme. Beim Abschiedsfest des Kinderhilfswerks Gomel in Menzelen begeistere sie ihr Publikum und rührte ihre Gastmutter Gerda Hermsen zu Tränen. FOTO: Armin Fischer
Alpen. Heute reisen 60 Kinder aus der Region Tschernobyl und ihre Begleiter wieder zurück in ihre weißrussische Heimat. Vorher feierte das Kinderhilfswerk Gomel mit den Gastfamilien im DRK-Heim Menzelen ein bewegendes Abschiedsfest. Von Erwin Kohl

Heute kommt für das Alpener Kinderhilfswerk Gomel, 40 Gastfamilien und 60 Kinder der Moment des Abschieds. "Da werden Tränen fließen. Einige Kinder und auch einige Betreuer würden am liebsten hierbleiben", sagt Elisabeth Heußen, Schriftführerin des Hilfswerks. Bevor es nun so weit ist, fand am im Menzelener DRK-Heim eine große Abschiedsfeier statt.

Zu Kaffee und Kuchen, gespendet von den kfd-Frauen aus Vynen und Menzelen, präsentierten die Kinder ihren Gasteltern ein abwechslungsreiches Programm. "Das haben sie schon in Weißrussland und bei der weiten Anreise im Bus einstudiert, haben sie mir erzählt. Mehr haben sie nicht verraten", so Elisabeth Heußen. Nur der Vorsitzende Manfred Hainke wusste etwas mehr: "Xenia wird zwei Lieder für uns singen. Sie gehört in ihrer Heimat schon zu den Stars und hatte schon Auftritte in Fernsehen und Rundfunk."

Eins sei der zehnjährigen Sängerin besonders wichtig, sagt Hainke: "Das eine Lied ist für alle, das andere für Oma Gerda." Als dann ihr Lied erklang, zeigte sich Gerda Hermsen sichtlich gerührt. "Xenia ist zum dritten Mal bei uns, ich bin ihre deutsche Oma. Wir haben das ganze Jahr über täglich Kontakt." Weil auch Sängerin Pauline zu Gast bei den Hermsens war, war Unterhaltung garantiert. "Gerade Xenia trällert den ganzen Tag. Ich hatte drei Wochen lang Musik in der Bude", erzählt Gerda Hermsen und lacht.

Die Gasteltern kommen aus den gesamten Kreisen Kleve und Geldern. Doch werden es immer weniger, klagt Manfred Hainke: "Früher hatten wir regelmäßig 100 Kinder zu Gast. Die hätten wir jetzt auch gerne aufgenommen. Aber es gibt immer weniger Gastfamilien, weil meist beide Elternteile berufstätig sind."

Erst im Rentenalter besteht oft wieder die Möglichkeit zur völkerverbindenden Gastlichkeit, wie das Beispiel der Familie Hesdahl aus Goch zeigt. "Ich liebe Kinder. Aber unsere Enkel sind längst erwachsen. Da habe ich diese Gelegenheit genutzt", erzählt Monika Hesdahl, die mit dem zehnjährigen Maxim bei jeder Gelegenheit Deutsch übt.

Um auch anderen Kindern eine Chance auf den Aufenthalt in Deutschland zu bieten, war ursprünglich ausgemacht, dass jedes Kind nur ein bis Mal kommen darf. Aber: "Dann bekommen wir noch weniger Gasteltern. Man muss das verstehen: Denn die Sprache ist gerade am Anfang ein Problem. Außerdem gewöhnt man sich aneinander", erklärt Manfred Hainke.

Wie wichtig der Austausch auch 31 Jahre nach dem Supergau weiterhin ist, unterstrich Dolmetscherin Ljubow Trubkina: "Die Katastrophe von Tschernobyl wirkt immer noch nach. Wir gehen mit einem unsichtbaren Feind ins Bett, unsere Kinder leiden an Leukämie, Schilddrüsenkrebs und vielen anderen Krankheiten. Ihre Gastfreundschaft hilft, den Feind zu besiegen. Sie verlängern das Leben der Kinder."

Quelle: RP
 
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