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Rheinberg
Magie der Worte federleicht vorgetragen

Rheinberg. 20 Jahre niederrheinische Frauenschreibwerkstatt "Leichte Feder": Geburtstags-Lesung am 20. Februar in Ossenberg. Von Erwin Kohl

"Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen", hat Mark Twain einmal über die Kunst des literarischen Ausdrucks gesagt. Welche Worte falsch sind und welche sich wie ein Seidentuch über die Gedanken des Verfassers legen, hat der amerikanische Erzähler und Satiriker allerdings nicht erwähnt. Das herauszufinden ist der Anreiz, den die niederrheinische Frauenschreibwerkstatt "Leichte Feder" seit nunmehr 20 Jahren antreibt.

Zweimal im Monat treffen sich die zehn Mitglieder im Evangelischen Pfarrheim an der Rheinberger Rheinstraße zum konspirativen Austausch und vor allem, um sich gegenseitig zu inspirieren.

Wortspielereien, Lyrik und Kurzprosa haben immer ein Thema als Vorgabe. Ein Wort wird in den Raum geworfen und dient als künstlerische Grundlage. "Ich schreibe beispielsweise das Wort Holunder in einen Kreis, dann beginnt ein gemeinsames Brainstorming und am Ende befinden sich lauter Begriffe drum herum, die wir damit assoziieren", erklärt Franziska Röhl. Daraus entwickeln die Wortakrobatinnen ihre Texte, manchmal direkt im Anschluss, meistens aber in der Abgeschiedenheit der eigenen vier Wände.

Beim nächsten Treffen, zwei Wochen darauf, werden die literarischen Ergüsse der Teilnehmer vorgelesen und besprochen. "Wir verbessern uns gegenseitig. Das hilft uns, die Texte zu optimieren", berichtet Claudia Nottebohm.

Die Schreibwerkstatt wird auf diese Weise zur Ideenschmiede und zu einem guten Mittel gegen die Angst des Autors vor dem weißen Blatt. "Alleine fällt uns manchmal nichts ein, in der Gemeinschaft aber immer", bestätigt Franziska Röhl.

Außergewöhnlich viel eingefallen ist den Mitgliedern der leichten Feder im Lauf der Jahre zum Thema "Zeit". Aus den Ideen und Anregungen sind derart viele Texte entstanden, dass die Mitglieder der Frauenschreibwerkstatt "Leichte Feder" damit am 20. Februar um 19.30 Uhr im Saal des SV Concordia Ossenberg anlässlich ihres Jubiläums ein abendfüllendes Programm unter dem Titel "Zeitgeschichten - Alles hat seine Zeit" gestalten werden. "Die Texte sind kritisch und besinnlich, aber auch komisch und bissig. Vor allem aber sind sie kreativ", so Ulrike Kretschmer.

In acht Blöcken von der "Zeit des Suchens" bis zur "Zeit des Lachens" unterteilt, versprechen Werke wie "Des Seelchens freier Fall" oder "Graue Mädchenträume" beste Unterhaltung für Freunde magischer Worte. Die Flötistin Maria-Elisabeth Booms sorgt dafür, dass Zeitgeschichten und Zeitgedichte im Takt lauter und leiser Töne lebendig werden. Einzig auf amouröse Zeilen muss das Publikum verzichten, obwohl die sich durchaus im Repertoire der Damen befinden. "Wir schreiben ganz tolle Liebesgedichte. Aber die veröffentlichen wir nicht", gesteht Ulrike Kretschmer.

Quelle: RP
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