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Rheinberg
MAP-Auftakt mit den Super-Slammern

Rheinberg: MAP-Auftakt mit den Super-Slammern
Lange Haare, Kladde und komplett verrückt: Andy Strauß (am Mikro) begeisterte im Kultpool, ebenso wie Sebastian 23 (li.) und Julian Heun. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Sebastian 23, Andy Strauß und Julian Heun hatten beim vierten MAP-Poetry-Slam-Abend die Lacher auf ihrer Seite. Der Rheinberger "Kultpool" war komplett ausverkauft. Von Uwe Plien

Was wäre in Rheinberg los, wenn es nicht die Vielfalt der freien Kulturträger gäbe? Nicht viel. Musikalische Gesellschaft, MI-Jazz, Rheinberger Abendmusik, Schwarzer Adler, Bürgerhaus Budberg, Zusammenkunst, Laientheatergruppen und das MAP-Festival setzen kulturelle Akzente in der Stadt. Endogene Kräfte, die man hegen und pflegen muss, weil sie das Leben in der Stadt lebenswert machen.

Mit einem ausverkauften Poetry-Slam-Abend, erstmals im amplonianischen Kultpool, startete jetzt das 17. MAP-Festival. Zur Begrüßung dankte MAP-Vorsitzender Philipp Rott dem Gymnasium für den Raum, ganz besonders aber der Sparkasse: "Sie hat uns aus der Patsche geholfen. Solche Partner, auf die man sich immer verlassen kann, brauchen wir." Wer zwischen den Zeilen lesen konnte, vernahm einen Seitenhieb auf die Stadt: Es knirscht derzeit kräftig im Gebälk.

Doch nicht der Ärger über fehlender Planungssicherheit, sondern die Freude über drei Weltmeister der abgedrehten Wortkunst stand im Mittelpunkt des Abends. Sogar vier Slammer begeisterten das Publikum. Denn Sebastian 23, Andy Strauß und Julian Heun ließen zunächst einer 18-jährigen Wallacherin den Vortritt: Lara Jackowiak, die in diesem Jahr ihr Abi am Amplonius-Gymnasium geschafft hat, legte ein beeindruckendes Vorprogramm hin. "Schräg" hieß ihr Text, der mit der Erkenntnis schloss: "Normal ist nur eine Einstellung am Wäschetrockner." Für Laras erst dritten Auftritt gab es richtig viel Applaus.

Dass Poetry-Slammer auch den Sprung in die Profi-Szene schaffen können, wenn sie vom Niederrhein kommen, beweist Sebastian 23. Er lebt zwar in Bochum, stammt aber aus Sonsbeck-Hamb. Und übernahm im Kultpool die Rolle des Moderators. Er trug ebenso originelle wie sinnfreie Gedichte mit nur einem Vokal vor, ließ das Publikum zur Probe klatschen und erzählte die Geschichte "Ein Herz für ältere Herren", in der die Herztransplantation seines "Oppas" seltsame Folgen mit sich brachte.

Was das schon schräg und abgedreht genug, so wirkte es im Vergleich zu Andy Strauß nahezu spießig. Wer dem 34-jährigen gebürtigen Ostfriesen zuhörte, fragte sich. Wie kann sich ein einzelner Mensch solche Massen an genialem Schwachsinn ausdenken? Aus Lana del Rays "Summertime Sadness" erdichtete er eine Menschenbrücke von Portugal bis Amerika, klöppelte eine vollkommen groteske Story aus dem Polizei-Alltag zusammen und bat "Kein Applaus für Körperfunktionen", wenn er beim Vorlesen aus seiner Kladde versehentlich rülpsen musste. Das alles stets eingeleitet mit der kultigen Begrüßung: "Hiii!".

Julian Heun ging es auch mal ernsthaft an. Einer seiner sehr angenehmen Texte erzählte auf liebenswürdige, fast anrührende Art von seiner Oma. "Ein Raum ist erst dann voll, wenn auf jedem Gegenstand ein Deckchen liegt", berichtete er.

Ein tolles Trio, ein wunderbarer Abend. Das fanden auch die Akteure selbst: "Ich komme nächstes Jahr wieder!", beschloss Andy Strauß - und alle klatschten.

Quelle: RP
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