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Rheinberg
Markantes Haus im Wall wird abgerissen

Rheinberg: Markantes Haus im Wall wird abgerissen
Die Abrissarbeiten sind in vollem Gange. Gestern war bereits der Anbau eingerissen. Danach begaben sich die Arbeiter an das Dach. Anfang Februar wird von dem prägnanten Gebäude nichts mehr übrig sein. FOTO: Christoph reichwein
Rheinberg. Es war Geschäft, Tankstelle, Autohaus, Altentagesstätte, Büro der Arbeiterwohlfahrt und Flüchtlingsunterkunft: Nach rund 100 Jahren verschwindet das Gebäude an der Bahnhofstraße. Ein Kreisverkehr wird dort vorerst nicht gebaut. Von Uwe Plien

Die ehemalige Seniorenbegegnungsstätte in den Wallanlagen an der Bahnhofstraße/Gelderstraße wird abgerissen. Damit verschwindet ein prägnantes Gebäude in der Innenstadt. Die Firma Laarakkers hat mit dem Rückbau des Gebäudes begonnen, die Arbeiten sollen sich bis Anfang Februar hinziehen. Das ab ca. 1910 errichtete Gebäude war Geschäft, Tankstelle, Autohaus, Begegnungsstätte, Nebenstelle des Awo-Kreisverbands Wesel und zeitweilig auch Unterkunft für Flüchtlinge, bevor das Haus zuletzt ganz leer stand. Dieter Paus, Technischer Beigeordneter der Stadt, sagte, der Abriss des Hauses - es gehört der Stadt - sei lange geplant gewesen; das Haus sei längst "abgängig" gewesen.

Die Lage in den Wallanlagen machte das Haus zu etwas Besonderem. Und die Lage erschwert auch den Abriss. Dieter Paus: "Das Gebäude ist von drei Seiten von Verkehrsflächen umgeben. Damit wir die Straßen während der Abrissarbeiten freihalten können und wir nur die Bürgersteige sperren müssen, muss der Großteil der Arbeiten von der Rückseite, vom Parkplatz, aus vorgenommen werden."

Dort waren zu diesem Zweck Büsche zurück geschnitten und Bäume gefällt worden. Den Vorwurf von Bürgern, die Stadt habe unverhältnismäßig gehandelt und zu viele Bäume gefällt, ließ Paus nicht gelten: "Es sind einige Bäume weggenommen worden, die dicht neben dem Gebäude standen, kombiniert mit Pflegemaßnahmen. Die Büsche sind stark zurückgeschnitten worden, die wachsen aber nach."

Das Grundstück bleibt erst einmal frei, wenn das Haus weg ist. Es gibt zwar einen Ratsbeschluss, dass an der Stelle ein Kreisverkehr gebaut werden soll - ob der allerdings jemals umgesetzt werde, sei fraglich, so Paus. Denn inzwischen hat der Rat auch das Integrierte Handlungskonzept beschlossen. Paus: "Und darin steht auch die Freilegung der Wälle." Mit dem Abriss des Café Püttmann an der Orsoyer Straße sei man diesem Ziel erstmals einen Schritt näher gekommen. Wenn nun die Seniorenbegegnungsstätte abgerissen sei, ergebe sich eine neue Situation, so Paus - auch in Sachen Verkehrssicherheit. Denn möglicherweise brauche man dann keinen Kreisverkehr mehr, weil die Kreuzung an der Bahnhofstraße deutlich besser einzusehen sei. Dieter Paus: "Das muss alles noch einmal geprüft werden."

Die Kosten für den Abriss bezifferte der Beigeordnete auf rund 50.000 Euro. 60 Prozent dieser Summe übernimmt allerdings das Land, weil die Maßnahme über das Integrierte Handlungskonzept abgewickelt werde.

Bereits im März des vergangenen Jahres war der Abriss Thema im Bau- und Planungsausschuss. Dieter Paus und Stadtplanerin Sonja Helmich legten damals eine Urkarte von 1821 auf. Anhand dieser Karte habe man feststellen können, dass das alte, zum längst verschwundenen Geldertor gehörende Torwärterhäuschen nicht in der Altentagesstätte verbaut war. Der Wall sei damals etwas anders verlaufen. Das Torwärterhäuschen habe auf der Fahrbahn des heutigen Innenwalls, also genau zwischen dem Café Sahnehäubchen und dem Saal der Begegnungsstätte, gestanden. Paus damals: "Es ist auszuschließen, dass es sich bei der Altentagesstätte um das Torwärterhäuschen handelt."

Ein kleiner Teil des Gebäudes stammt aus der Zeit um 1910, der überwiegende Teil sei um 1930 errichtet worden. Das gesamte Objekt steht nicht unter Denkmalschutz. Trotzdem sei eine Abrissgenehmigung beantragt worden. Die Stadt bekam die Auflage, nach den Fundamenten zu schauen. So existieren dort offenbar noch die Reste der alten Brücke über den Wall.

Quelle: RP
 
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