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Rheinberg
Mehr Bäume für Rheinberg

Rheinberg. Die Stadt ist eine der waldärmsten Kommunen in NRW. Jetzt soll für 40.000 Euro aufgeforstet werden. Von Nicole Maibusch

Die Fällung eines einzelnen Baumes - einer alten Eiche im Neubaugebiet an der Rheinberger Straße in Budberg - löste bei vielen Bürgern einen Sturm der Entrüstung aus. Nicht ganz ohne Grund, denn Rheinberg gilt als eine der waldärmsten Kommunen in NRW. Nun haben die Grünen beantragt, 40.000 Euro statt der veranschlagten 22.000 Euro für neue Bäume in den städtischen Haushalt 2017 einzubringen. Der Antrag wurde mit Unterstützung von Teilen der CDU und Bürgermeister Frank Tatzel durchgebracht.

Wald sucht man in Rheinberg vergeblich. Die Stadt kann lediglich mit einem "Wäldchen" aufwarten - zwischen Autobahn und Alpsray. Wie aber kommt Rheinberg zu einer "grünen Lunge"? "Grundsätzlich kann die Stadt nur bedingt aufforsten, und zwar auf eigenen Flächen", sagt Marie-Luise Fasse aus Budberg, Vorsitzende des Landesverbandes NRW in der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und stellvertretende Vorsitzende des SDW-Bundesverbandes. Das werde aber sicher kein großes zusammenhängendes Areal von mehreren Hektar sein, sondern einzelne brachliegende Bereiche.

Alfred Nimphius, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Wesel, sieht hier - neben dem Mangel an großen Flächen - ein weiteres Problem. Das lautet: Einmal Wald, immer Wald. "Eine entsprechende Anpflanzung genießt Bestandsschutz und kann nicht zugunsten eines Bebauungsplanes wieder abgeholzt werden", betont Nimphius.

Andere Kommunen haben mit Patenschaftsprojekten mehr Bäume auf ihre Flächen gebracht. In Form von sogenannten "Geburts- oder Hochzeitswäldern". Auch in Rheinberg gibt es Überlegungen, einen "Bürgerwald" anzupflanzen. Als geeignetes Gebiet wurden die Moersbachauen ins Auge gefasst. Konkrete Planungen oder ein Zeitfenster für die Umsetzung gebe es jedoch noch nicht, betonte Bürgermeister Frank Tatzel. "Aber insgesamt ist der Baumbestand auf städtischem Gebiet deutlich gewachsen", verweist Tatzel auf die erfreuliche Entwicklung zu "mehr Grün".

Fasse betrachtet auch privates Engagement als einen möglichen Weg, den Baumbestand in der Stadt weiter zu vergrößern. "Es gibt einige Streuobstwiesen", sagt die scheidende CDU-Landtagsabgeordnete. Da biete sich in Zusammenarbeit mit den zuständigen Naturschutzverbänden an, ein Programm zur Aufforstung zu starten.

Um neue, kreative Wege zu gehen, das Stadtklima zu verbessern, lohne sich zudem ein Blick in Richtung Niederlande. Dort werde bei Neubauten verstärkt auf die Begrünung der umliegenden Flächen gesetzt, erläutert Fasse. Auch setzen die Nachbarn viel öfter auf Dachbegrünung als hierzulande.

Gründe, dass Rheinberg auf der Liste der waldarmen Kommunen weit oben rangiert, so die CDU-Politikerin, seien die Lage am Rhein, der Siedlungszuschnitt durch die Ausweisung der Baugebiete und nicht zuletzt die Auskiesungsflächen. Hinzu komme, dass in der Nachkriegszeit noch bestehende Waldflächen abgeholzt worden seien.

Immerhin: Nur kurz hinter der Stadtgrenze finden sich mit der Leucht und dem "Baerler Busch" zwei größere Waldgebiete. Beide sind als Naherholungsgebiete auch bei Rheinbergern beliebt. Ob diese aber ausreichen, das Stadtklima positiv zu beeinflussen, ist für Alfred Nimphius reine Spekulation. "Das zu behaupten, wäre zu einfach", so der Kreisjägerschaftsvorsitzende. Dennoch ist er der Meinung: "Jeder einzelne Baum, der gepflanzt wird, hilft."

Quelle: RP
 
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