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Rheinberg
Menschenkette bei Amazon im Regen

Rheinberg: Menschenkette bei Amazon im Regen
Amazon-Mitarbeiter und Sympathisanten reihten sich gestern in die Menschenkette am Rheinberger Amazon-Standort ein. FOTO: Olaf ostermann
Rheinberg. Trotz des miesen Wetters beteiligten sich gestern an der Rheinberger Niederlassung rund 250 Frauen und Männer an einer Protest-Aktion, die die 13 Vertrauensleute organisiert hatten. Wahrscheinlich wird auch am Karsamstag gestreikt. Von Uwe Plien

Raphael Landauer trommelt, was das Zeug hält. Die Snare-Drum hat sich der Düsseldorfer Musiker um den Bauch gebunden, nach jedem Wirbel lässt er eine Pause folgen und ruft: "Ur-laub!" oder "Si-cher-heit!" Den Frauen und Männern in der Menschenkette gefällt das, was der Musiker trommelt. "Ich arbeite gar nicht bei Amazon", erzählt Raphael Landauer. "Aber ich unterstütze die Streikaktionen der Mitarbeiter gerne."

250, vielleicht 300 Menschen ließen sich gestern von dem hundsmiserablen April-Wetter nicht abhalten und reihten sich um 13 Uhr ein in die Menschenkette vorm Rheinberger Amazon-Gebäude. Die meisten mit gelben Streikwesten, viele zusätzlich ausgestattet mit roten Schirmen. Trillerpfeifen und Tröten erschallen. Die Stimmung ist gelöst und friedlich. Die Polizisten, darunter die Rheinberger Bezirksdienstbeamten Uwe Hribsek und Werner Speckamp, verfolgen die Aktion ganz entspannt.

Nicht der Betriebsrat und auch nicht die Gewerkschaft Verdi hat diese Aktion organisiert. "Das haben wir uns als Vertrauensleute ausgedacht", berichtet Holger Steil, einer dieser 13 Bindeglieder zwischen der Belegschaft und Gewerkschaft. Steil ist froh, dass sich trotz des schlechten Wetters noch so viele Unterstützer eingefunden haben.

Amazon: Mitarbeiter streiken in Rheinberg FOTO: dpa, rwe

Nicht alle, die gegen Amazon protestieren, sind Mitarbeiter. Zu einer Gruppe Arbeiter aus der Türkei etwa gehören auch einige, die keine Amazoner sind. "Wir solidarisieren uns mit den Streikenden bei Amazon", haben sie auf ein großes Transparent geschrieben.

Der Streik bei Amazon ist zunächst bis heute Abend, 22 Uhr, angesetzt - dann endet die Spätschicht und dann wird weiter entschieden. "Wir behalten es uns allerdings vor, auch am Karsamstag zu streiken", sagt Verdi-Gewerkschaftssekretärin Sabine Busch. Ihre Einschätzung: "Der Streik läuft bisher gut."

Das bestätigt auch Betriebsratsvorsitzender Tim Schmidt. "Wir haben pro Tag rund 500 Kollegen, die sich am Streik beteiligen", sagt er und verweist auf die unverändert im Raum stehenden Forderungen. Das Online-Versandhaus solle sich endlich bewegen und einem einheitlichen Tarifvertrag zustimmen.

Rheinberg: Einblick in das Innere von Amazon FOTO: Fischer, Armin

Weil es einen solchen Tarifvertrag bisher nicht gibt, bekämen die Beschäftigten zum Teil mehrere hundert Euro weniger pro Monat als ihnen nach den Tarifverträgen des Einzel- und Versandhandels zustehen würde, sagt Verdi. Betriebsratsvorsitzender Tim Schmidt: "Es geht ja auch um Urlaub. Gilt der Einzelhandelstarif, stehen den Leuten zwei Urlaubstage mehr zu." Bis jetzt habe Amazon jedoch auf keine der Forderungen reagiert. "Man spricht nach wie vor nicht mit uns", betont Tim Schmidt.

Bereits am Dienstag waren etwa 450 Rheinberger Amazon-Mitarbeiter mit sieben Bussen und Privatautos zur Amazon-Niederlassung nach Werne gefahren, wo ebenfalls gestreikt wurde. Eine so originelle Trommel-Unterstützung wie sie gestern Raphael Landauer lieferte, gab es dort allerdings nicht.

Quelle: RP
 
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