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Alpen
Menzelen kämpft um das DRK-Mobil

Alpen. Damit auch ältere Menschen in Menzelen mobil sind, fährt Siegfried Remy seit März immer donnerstags seine Tour nach Alpen. Doch noch steigen nur recht wenige ein. Von Bernfried Paus

In einer konzertierten Aktion möchten Parteien und Vereine, die sich in der Senioren-Arbeit engagieren, den DRK-Bus anschieben und das Gefährt in die Erfolgsspur manövrieren. Denn der Wagen, der vornehmlich ältere Menschen und solche mit einem körperlichen Handicap mobiler machen möchte, droht aufs Abstellgleis zu steuern. Nach einem Jahr sind die Fahrgastzahlen noch weit davon entfernt, rein wirtschaftlichen Ansprüchen gerecht zu werden. 20 Fahrgäste hat Siegfried Remy seit dem Startschuss Anfang März von Menzelen aus zum Einkaufen oder zum Arzt nach Alpen und hinterher wieder nach Hause gefahren.

Für jeden einzelnen von seinen Kunden unbestritten ein wichtiger Service. Doch um die Finanzierung langfristig zu sichern, müsste die Akzeptanz spürbar gesteigert werden. Das weiß auch die Dorfgemeinschaft. Daher hat Ortsvorsteher Edgar Giesen den Runden Tisch im DRK-Heim an der Neustraße gebeten, zu überlegen, wie man die Fahrgastzahlen spürbar nach oben bringen kann.

Das wird sicher notwendig sein, um die Verantwortlichen im Rathaus zweifelsfrei davon zu überzeugen, dass die 2100 Euro, mit dem die de-Lattré-Stiftung den Probelauf des DRK-Mobils im ersten Jahr unterstützt hat, gut angelegt sind.

Das Projekt ist für DRK-Löschzugführer Siegfried Remy (66) eine Herzensangelegenheit, in die er eigenes Geld und noch mehr Zeit investiert hat. Er hat das mit einer Rampe ausgestattete Fahrzeug angeschafft, und setzt sich selbst am Wochenende ans Steuer, wenn sich jemand meldet, der nicht weiß, wie er sonst von A nach B kommen soll. Und: Jeden Donnerstag startet er um 14 Uhr seine Tour von Menzelen-Ost nach Alpen. Auf dem Weg sammelt er jeden ein, der sich an der Strecke postiert, holt Leute auch von zu Hause ab. "Die, die mitfahren, sind froh und dankbar, dass sie ihr Herz ausschütten können", sagt Remy. Er ist mehr als ein Fahrer. Der kräfte Mann schiebt Rollstuhlfahrer über die Rampe in den Bus, hört zu und bringt am Ende die vollen Einkaufstaschen bis die Küche.

Nicht nur Behinderten-Beauftragter Karl-Heinz Kohl plädiert vehement dafür, "nicht nur auf die nackten Zahlen zu schauen", sondern die Teilhabe von Menschen im Fokus zu haben, die sonst im Abseits bleiben würden. Auch Ulrich Petroff von der Dorfwerkstatt, als Gerontologe ausgewiesener Fachmann, stieß ins gleiche Horn: "Wir haben in Menzelen eine echte Perle, die wir nicht leichtfertig aus der Hand geben sollten." Die Gesellschaft werde auch in Menzelen älter. Damit wachse der Bedarf an verlässlichen Mobilitätsangeboten.

Noch würden dörflich-familiäre Strukturen hier vieles auffangen. Doch man könne keineswegs davon ausgehen, dass das Netzwerk auf Dauer trägt. "Wenn ein Angebot einmal weg ist", so Petroff, "kann man den Schalter nicht mal eben wieder umlegen. Nur mit dem Finger zu schnipsen, reicht dann nicht." Der Experte appelliert darüber hinaus an Rat und Verwaltung, das Zukunftsthema Alter stärker und gezielt in den Blick zu nehmen.

Ortsvorsteher Giesen will die nachhaltige Flankierung des DRK-Mobils für Menzelen, das nicht an der Bürgerbuslinie liegt, nun in die Fraktionen tragen. Gleichzeitig soll eine "AG mobil in Menzelen" Vorschläge erarbeiten, das Angebot bekannter zu machen, und so für eine höhere Auslastung sorgen.

Eine Idee ist ein Flyer, auf dem vertraute Vertreter örtlicher Initiativen der Seniorenarbeit einladen, das Angebot wahrzunehmen und so helfen, mögliche Hemmnisse abzubauen. Auch der Alpener Werbering soll um Unterstützung gebeten werden. Bei örtlichen Vereinen möchte man um Spenden bitten. Denn es gebe zwei Leute, die bereit seien, so Remy, sich ebenfalls mal ans Steuer zu setzen. Sie mit dem Personenförderungsschein auszustatten, koste um die 600 Euro.

Quelle: RP
 
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