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Alpen
Milch macht die Bauern nicht glücklich

Alpen: Milch macht die Bauern nicht glücklich
Ferien auf dem Bauernhof: Politiker René Schneider nahm dem Gespräch mit Ortslandwirt Johannes Paaßen (Mitte) und Gregor Keisers von der Veener Landjugend die Gabel in die Hand, um das Jungvieh zu füttern. FOTO: Armin Fischer
Alpen. Auf ein Glas Milch: SPD-Landtagsangeordneter René Schneider machte bei seiner Sommertour gestern Station auf dem Hof des Veener Landwirtes Johannes Paaßen. Der Gast will seine Genossen für die Nöte der Landwirte sensibilisieren. Von Bernfried Paus

11000 Liter Milch verlassen alle zwei Tage den Hof von Johannes Paaßen (44) und den Hof des Partnerbetriebes von Norbert Ingenerf an der Dickstraße in Veen. Was liegt da näher, als seinem Gast ein Glas davon zu servieren - frisch von der Kuh. So schmeckte SPD-Landtagsabgeordneter René Schneider auf seiner Sommertour das auf der Zunge, wovon im Bauerngarten mehr als eine Stunde die Rede sein sollte.

Unterm Strich erfuhr der Politiker, dass Milch eine Ware ist, die derzeit ihre Produzenten nicht glücklich macht. Und er nahm mit nach Hause, dass die Bauern sich bei den Genossen im Land nicht sonderlich gut aufgehoben fühlen.

Johannes Paaßen, Vorsitzender der Ortsbauernschaft in Veen, der mit 80 Mitgliedern noch 27 Vollerwerbslandwirte angehören, erläuterte René Schneider die komplizierten, aber unter dem Strich gnadenlosen Regeln des liberalisierten Milchmarktes.

Der funktioniere zunehmend nach den Gesetzen der Stärkeren. Der traditionelle bäuerliche Familienbetrieb komme zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. "Wachsen oder Weichen?" - diese existenzielle Frage stelle sich immer drängender. Ein Milchpreis von derzeit gerade mal 23,5 Cent pro Liter sei bei weitem nicht auskömmlich, raube auch dem Landwirt den Spaß an seiner Arbeit, die er "aus Leidenschaft" 365 Tage im Jahr verrichte. Viele lebten nicht nur von der Hoffnung auf ein Anziehen der Preise, nicht wenige von der Substanz. Andere gingen zur Bank, um die Durststrecke zu überbrücken. "Aber irgendwann stellt sich die Frage, was noch geht?"

Die Rahmenbedingungen des Marktes produzierten immer größere Einheiten mit industriellen Tendenzen. Das führe dazu, dass die flächendeckende Milchviehhaltung zunehmend gefährdet sei. "Es wird Landstriche geben, in denen keine Kuh mehr vor der Tür steht", so Paaßen. Von der Politik erwarte er nur, dass sie mit offenen Karten spielt. "Wenn sie das so will, soll sie das klar sagen", so der Milchbauer.

Er halte nach dem Wegfall der Quote "Mengenregulierungen, an die sich alle auf dem Milchmarkt halten müssen", für den besseren Weg, krisenfest zu werden. Momentan sei es so, dass mehr produziert werde und gleichzeitig große Märkte wie Russland und China wegbrächen. "Kurzfristige Ausgleichszahlungen lehne zwar kein Bauer ab", so der Ortslandwirt, "aber sie ändern nichts an der Misere". Gelinge es nicht, Angebot und Nachfrage in ein verträgliches Verhältnis zu bringen, regele der Markt das auf höchst unromantische Weise: Höfesterben drosselt die Milchmenge.

Aktuell, so Paaßen, werde die Lage dadurch erschwert, dass die Unwetter im Frühsommer spürbar auf die Erträge drücken. Er bewirtschaftet knapp 150 Hektar. "Das Wetter kommt, wie es kommt", so der Landwirt. Aber die Belastungen durch eine überbordende Bürokratie, die ihren unfreundlichen Kontroll-Apparat auf die Höfe schicke, verleide manchen Landwirten die Lust am Job, den sie eigentlich lieben. Und wenn dann die Bauern wie in den letzten Tagen immer wieder wegen Nitratbelastung der Böden pauschal an den Pranger gestellt würden, gehe der Spaß gegen Null.

Der Abgeordnete hörte aufmerksam zu und versprach beim Glas Milch, das Seine zu tun, die beklagte "Sprachlosigkeit" der Genossen im Umgang mit den Landwirten aufzubrechen, um das Feld nicht allein den Grünen zu überlassen.

Quelle: RP
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