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Rheinberg
Mit Herzblut für die Diabetiker-Hilfe

Rheinberg: Mit Herzblut für die Diabetiker-Hilfe
Friedhelm Woch (im Sessel) ist "Mister Diabetiker-Treff". Er freut sich über das 20-jährige Bestehen der Gruppe und fragte: "Kinder, wo ist die Zeit geblieben?" Seine Mitstreiter (v.l.) Rosi Diepmann, Norbert Reimann, Hans Dröttboom und Christa Evers freuten sich ebenso wie viele andere Gäste mit dem Motor der Bewegung. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Im Haus der Generationen wurde 20 Jahre Diabetiker-Treff für Rheinberg und Umgebung gefeiert. Die Selbsthilfegruppe ist eng mit Friedhelm Woch verbunden. Der 75-jährige Mitbegründer will sich in die zweite Reihe zurückziehen. Von Uwe Plien

Irgendwann marschierte Rosemarie Diepmann nach vorne und schob Friedhelm Woch einen kleinen Zettel unter. "Essen nicht vergessen" stand darauf. Zu diesem Zeitpunkt hatte Woch schon eine knappe halbe Stunde referiert und Rückschau gehalten auf "20 Jahre Diabetiker-Treff für Rheinberg und Umgebung". Kurzum: Der 75-Jährige war voll in seinem Element, war kaum zu bremsen. So kennt man Friedhelm Woch: immer engagiert, von ansteckendem Optimismus, dabei aber niemals mit missionarischem Eifer unterwegs. Ein Mann der Tat, der ein dichtes Netzwerk geflochten und viel für die Diabetiker-Hilfe getan hat.

"Dann mache ich jetzt wohl mal Schluss", sagte der Sprecher des Diabetiker-Treffs nach dem dezenten Hinweis seiner Kollegin mit einem Schmunzeln und wünschte allen Gästen im gut gefüllten Saal des Hauses der Generationen am Annaberg einen guten Appetit.

20 Jahre Diabetiker-Treff in Rheinberg und zuvor schon zehn Jahre ehrenamtliche Arbeit in dieser Sache von Moers aus - das rechtfertigte allemal eine Feierstunde mit zahlreichen Weggefährten, Freunden und Unterstützer. Auslöser für diesen Einsatz sei der eigene Sohn gewesen, sagte Friedhelm Woch. Bei ihm wurde im Alter von sechs Jahren Diabetes diagnostiziert. "Da sind wir erst einmal in ein tiefes Loch gefallen", so der Rheinberger. Das seien noch andere Zeiten gewesen, seither habe sich viel verändert. Damals habe es noch sehr strenge Zeitpläne für Diabetiker gegeben. Woch: "Da musste um Punkt 19 Uhr gespritzt werden, und danach war es Pflicht, erst einmal zu essen." Damals habe man sich gefreut, als es plötzlich hieß: Diabetiker dürfen jetzt auch Linsensuppe essen.

Woch hat sich in die Materie reingekniet, hat sich Fachwissen angelesen und Kontakte geknüpft - und er hat sich auch getraut, Ärzten mal die Meinung zu geigen. Seine Devise: "Der Patient muss schlauer sein als der Arzt." Mehr als 1500 Menschen seien bisher in der Schulungsgemeinschaft Rheinberg ausgebildet worden. Viel ist erreicht - aber auch noch viel zu tun. Friedhelm Woch: "Die Sterblichkeitsrate bei Diabetes-Erkrankten ist immer noch höher als erwartet. Es ist also nicht alles besser geworden."

Friedhelm Woch will dennoch bald kürzer treten. Im Januar will er nicht mehr für das Amt des Vorstandssprechers des Diabetiker-Treffs kandidieren. Als Schatzmeister würde er allerdings gerne weiterhin im Vorstand tätig bleiben.

Friedhelm Woch als Mann in der zweiten Reihe? Das kann sich auch Bürgermeister Frank Tatzel nicht so recht vorstellen. Er dankte dem "Organisationstalent" im Namen von Rat und Verwaltung. Wochs Sohn Marcus, inzwischen 38 Jahre alt, sprach sogar von einer familieninternen Wette: Niemand im Hause Woch könne sich vorstellen, dass der 75-Jährige wirklich kürzer treten werde. Marcus Woch berichtete sehr persönlich von seinen Erinnerungen als Kind mit Diabetes, an die Auswirkungen dieser Krankheit und das Engagement des Vaters. "Ich erinnere mich an jede Menge Studien von Professoren und einen Keller, der bis unter die Decke voll war mit Info-Material." Woch junior hob den Stellenwert seiner Mutter Gisela im Geflecht "Diabetiker-Treff" hervor: "Ohne meine Mutter hätte nicht ein Brief unser Haus fehlerfrei verlassen. Und wenn doch, dann hundertprozentig unfrankiert."

Quelle: RP
 
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