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Alpen
Mut zur Lücke bringt später reiche Obsternte

Alpen: Mut zur Lücke bringt später reiche Obsternte
Franz-Wilhelm Ingenhorst, Nabu-Obstbaumfachmann zeigte auf dem Ratsbongert in Alpen die wichtigen Gabelungen des Baumes. FOTO: Armin Fischer
Alpen. Fachmann Franz-Wilhelm Ingenhorst hat auf Einladung der Nabu-Ortsgruppe auf dem Ratsbongert in Alpen erklärt, was beim Obstbaumschnitt wichtig ist. Auch "autoritäre Erziehung" ist hilfreich. Von Erwin Kohl

Der direkte Weg nach oben mag für Größe und Ansehen sorgen, die erhofften Früchte bringt er aber nicht. Das zumindest gilt für Obstbäume, erfuhren jetzt die Teilnehmer eines zweistündigen Crash-Kurses auf dem Alpener Ratsbongert von einem ausgewiesenen Obstbaumfachmann. Auf Einladung der Nabu-Ortsgruppe Alpen erklärte Franz-Wilhelm Ingenhorst, der für den Rückschnitt der 150 Obstbäume auf der noch jungen Streuobstwiese verantwortlich ist, was es dabei zu beachten gilt.

Wie hoch ein Baum wird, hängt davon ab, wo man das Ende des Stammes festlegt. Diese Entscheidung lässt sich allerdings nie mehr rückgängig machen. "Bäume wachsen nur in der Krone, der Stamm bleibt in der Höhe, in der er einmal festgelegt wurde", erläutert Experte Ingenhorst. Drei bis vier so genannte "Leitäste" sollten die spätere Krone bilden, von ihnen zweigen flach verlaufende Äste ab, auf denen die Früchte reifen.

Es gilt die Faustformel: Steiler Wuchs geht ins Holz, flacher Wuchs in die Blüte. Wer eine reiche Obsternte haben möchte, sollte unbedingt Mut zur Lücke aufbringen. Denn nur wo viel Licht hinkommt, wachsen viele Früchte.

"Eine gewisse Form autoritärer Erziehung ist beim Baumschnitt notwendig", so Ingenhorst. So kommt es nicht selten vor, dass nach dem "Schnitt mit Verstand" Früchte an Ästen wachsen, die zuvor nie getragen haben. "Dort sitzen schlafende Knospen, die erst dann zum Leben erwachen, wenn sie die Sonne sehen. Die alte Weisheit, dass ein Rückschnitt dann gut ist, wenn man hinterher seinen Hut durch die Krone werfen kann, gilt auch heute noch", berichtet Ingenhorst.

Der richtige Zeitpunkt dafür ist der Winter, weil der Austrieb des Baumes dann kräftiger ist. Das gilt aber nur für die ersten zehn Lebensjahre eines Obstbaumes. "Danach schneide ich den Baum im Sommer, um ihn zu beruhigen. Jeder Rückschnitt bedeutet für ihn Stress."

Erhard Sens aus Menzelen Ost hat den regelmäßigen Schnitt versäumt. Er wollte wissen, ob er die mittlerweile dicken Äste nachträglich abschneiden und die Wundstelle mit einer speziellen Paste abdichten kann. "Je größer die Wunde, desto höher ist die Gefahr, dass der Baum ausblutet. Von diesen Pasten rate ich ab, weil sie nie hundertprozentig abdichten. Durch kleine Ritzen dringt Feuchtigkeit ein, und es kommt zur Schimmelbildung."

Nach der Theorie folgte der praktische Teil. Dabei machte Ingenhorst deutlich, dass es auf die gleichmäßige Höhe der Leitäste ankommt, um den Saftstrom aus der Wurzel in die flachen, Früchte tragenden Äste zu gewährleisten. "Um dieses Gleichgewicht herzustellen, schneidet man von den stärkeren Ästen Zweige mit vielen Blattknospen ab. Die Energie fließt dann in die Früchte, was zu vermindertem Astwachstum an dieser Stelle führt", empfiehlt der Obstbaumexperte. Außerdem muss alles abgeschnitten werden, was nach innen wächst. In der Sonne gedeihen nun mal die süßesten Früchte.

Quelle: RP
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