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Alpen
Neu: Blumenverkauf rund um die Uhr

Alpen: Neu: Blumenverkauf rund um die Uhr
Floristin Claudia Trösch platziert Gestecke und Gebinde in die 37 gläsernen Fächer - Hund Bruno schaut zu. Der Kunde hat die freie Auswahl. FOTO: Armin Fischer
Alpen. Claudia Trösch hat den Selbstbedienungsstand an der Gärtnerei Hortensia in Alpen durch einen Blumenautomaten ersetzt. Von Bernfried Paus

Wenn einen nachts, am Wochenende oder gar an Weihnachten das Gefühl beschleicht, ein Zeichen setzen zu müssen, und man auf den zündenden Gedanken kommt, es durch die Blume zu sagen, ist guter Rat teuer. Doch dem Mann kann geholfen werden. Er muss nur die Gärtnerei Hortensia an der Rathausstraße 89 in Alpen ansteuern. Dort an der Ecke zur B 58 wirbt, geschrieben mit Kreide, eine Tafel mit dem Angebot "Blumen rund um die Uhr - 365 Tage im Jahr". Seit gut einer Woche steht an der Einfahrt der erste, weit und breit einzige Blumenautomat und öffnet, wenn bezahlt ist, eines seiner 37 Türchen.

Floristin Claudia Trösch hat den Automaten, eine Anschaffung im unteren fünfstelligen Bereich, bestellt, weil sie es leid war, immer draufzuzahlen an ihrem Markstand mit Selbstbedienung, den sie fünf Jahre lang betrieben hat. Immer wieder war der Stand leer gefegt. Aber im Tresor unter der Gießkanne, in die Kunden das Geld werfen sollten, herrschte oft Ebbe. Der uneingelöste Vertrauensvorschuss hat sie maßlos geärgert.

"Als Anfang des Jahres der Stand wieder mal geräumt und nur knapp 20 Euro in der Kasse waren, stand der Entschluss, den Selbstbedienungsstand durch einen Automaten zu ersetzen", erzählt Claudia Trösch. Sie habe im Internet recherchiert und sich Prototypen im Emsland und in Amsterdam angeschaut. "Was ich gesehen habe, hat mich überzeugt", sagt die Geschäftsfrau. Sie hat bestellt. Der Auftrag für die "Sonderanfertigung" ging im Frühjahr an eine Firma in Wilhelmshaven. Die hat jetzt geliefert.

Ende voriger Woche war es so weit. Ein Lkw mit dem zwei Meter hohen Edelstahlkoloss an Bord rollte vor. Die Mannschaft musste beim Abladen unter den Bäumen harte Arbeit leisten. Nun steht er da: 37 nummerierte Glastürchen - 0 bis 9 kommen nicht vor - geben den Blick frei auf ganz kleine und etwas größere Adventsgestecke und weihnachtliche Gebinde, allesamt hübsch. Welche mit Amaryllis sind auch dabei. Dabei ist es eine Herausforderung, die Diva unter den Winterblühern dekorativ ins begrenzte Schaufenster zu stellen.

Die Türchen öffnen sich durch Eingabe der zugehörigen Nummer - nach dem Bezahlen, versteht sich. Die Preise schwanken zwischen 2,50 und 20 Euro. Der Automat akzeptiert auch Scheine. Nur keinen Fuffziger. Nicht weil die falsch sein könnten, sondern weil Wechselgeld nur in harter Münze rausgegeben wird. Zahlen mit EC-Karte sei nicht möglich. "Das hätte nur mit Kreditkarte funktioniert. Das wollte ich aber nicht", so die Alpenerin.

Kunden könnten sich darauf verlassen, dass die Ware jederzeit frisch sei, sagt Claudia Trösch: "Für den Winter gibt es eine Heizung, die wird im Sommer zur Kühlung." Sie stelle die Sträußchen zudem in eine kleine Vase oder binde um den Fuß einen feuchten Umschlag.

Nur hübsch einpacken muss jeder seine Blumen selbst. Dazu steht auf dem Holztisch vor den Vitrinen eine Rolle mit buntem Papier und passendem Band. Nach der ersten Woche, so die Gärtnerin, habe sie den Eindruck, dass die Leute ihren stummen Verkäufer an der Hofeinfahrt annehmen. "In der Woche meist weniger, aber allein am Wochenende waren gut 30 Fächer leer und das Geld in der Kasse", berichtet sie. Nicht ausgeschlossen, dass auch jemand dabei war, der zur Nachtzeit ein Fenster geöffnet hat, um durch die Blume sagen zu können, was ihm auf dem Herzen liegt.

Quelle: RP
 
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