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Alpen
Neue Asylunterkünfte mit Modellcharakter

Alpen. Alpen geht neue Wege bei der Unterbringung der Flüchtlinge. Das neue Haus am Passweg ist fertig. Nächste Woche kommen die Möbel. Einzug soll Anfang 2017 sein. Das Wohngruppen-Modell findet auch bei Nachbarn Interesse. Von Bernfried Paus

Die Zeiten waren turbulent, als vor gut einem Jahr der Strom der Flüchtlinge kein Ende nehmen wollte. Auch im beschaulichen Alpen gerieten die Verantwortlichen an ihre Grenze, alle Ankömmlinge ordentlich unterzubringen. In der Not wurde der Spielbetrieb in der Tennishalle eingestellt, um dort Menschen ein vorläufiges Dach über dem Kopf anbieten zu können. In der Zeit reifte im Rathaus der Plan, neue Unterkünfte zu bauen.

Die "Soko Asyl", in der Mitarbeiter des Sozialamtes und die Technische Abteilung des Rathauses am Tisch saßen, entwickelte ein Konzept, dass mehr will als notdürftige Container-Lösungen früherer Jahre.

Nun ist das die Idee in Stein gemauert. Das erste Haus am Passweg ist fertig und soll möglichst noch in diesem Jahr bezogen werden, spätestens zu Beginn des neuen. Konventionelle Bauweise war das Maß. Mit wohnumfeldverträglichem rötlichen Klinker steht das schlanke Gebäude zwischen Turnhalle und der Verlängerung der von-Dornik-Straße. Auf der anderen Straßenseite liegt der Acker, auf dem in den nächsten Jahren das Baugebiet Alpen-Ost wachsen soll. Handwerker legen innen letzte Hand an, bevor in der nächsten Woche die Möbel kommen. Das Außengelände wird im Frühjahr hergerichtet.

Stefan Buchmann, Architekt im Rathaus, und sein Chef in der Bauabteilung, Walter Adams, sind zufrieden, mit dem, was aus der Absicht geworden ist, bei der Unterbringung "Neuland zu betreten" und sich von dabei von menschenfreundliche Grundsätzen leiten zu lassen. Wer das Haus durch einen der beiden Eingänge betritt, stößt hier nicht auf lange Flure, an denen sich rechts und links einfach Räume wie Zellen aneinanderreihen.

Sieben Wohngruppen, alle ausgestattet mit Essküche und zwei WC, eines davon mit Dusche, bieten auf 85 m2 grau gefliester Fläche je Wohnung in der Summe zwischen 42 und 56 Personen Raum, in denen soziales Miteinander eingeübt werden kann. Allein quantitativ steht jedem Bewohner mehr Fläche zur Verfügung als gesetzlich vorgeschrieben. Internet- und TV-Anschlüsse sichern den Draht zur Welt da draußen - auch und gerade in die Heimat. Großzügige, bodennahe Fenster bieten freien Blick in die Landschaft vor der Haustür und lassen gleichzeitig viel Licht ins Haus.

Im Untergeschoss gibt einen großzügigen Gemeinschaftsraum, "wo man auch mal zusammen ein Fußballspiel im Fernsehen gucken kann", so Planer Stefan Buchmann. Und es gibt neben dem Hausmeister- und Teamzimmer für Betreuer auch einen größeren Raum, der mit Netzanschlüssen für PC bestückt ist, in dem beispielsweise, unterstützt von modernen Medien, Sprachunterricht erteilt werden kann.

"Ich denke, die Räumlichkeiten genügen den Bedürfnissen auch derjenigen, die länger bleiben dürfen und in Integrationsmaßnahmen stecken", so Adams. "Die Wohngruppen sollen auch ein Beitrag sein, die Integration zu fördern."

Das massiv gebaute Haus biete eine langfristige Option - ganz anders als die rund 25 Jahre alten Wohncontainer in Wurfweite. Feuchtigkeit würden die Unterbringung hier bisweilen grenzwertig machen. Noch werden sie gebraucht. Am Ende aber bleibe nur der Abriss. Das neue Haus biete Möglichkeiten - auch wenn irgendwann keine Flüchtlinge mehr hier wohnen. Die nahe Hochschule in Kamp-Lintfort mache eine Nutzung als Studentenwohnheim denkbar.

Überhaupt, so Walter Adams, sei das Haus mit Gesamtkosten von rund 940 000 Euro "eine wirtschaftliche Lösung". Bei den Ausgaben habe man sich im gesteckten Rahmen bewegt. Etwas teurer sei's dadurch geworden, dass sich die Versorgung mit Abwärme aus einer Biogas-Anlage nicht realisieren ließ. Deshalb sei man umgeschwenkt auf eine umweltfreundliche Luftwärmepumpe. Die funktioniert prima. Die Temperatur im Haus ist angesichts Schmuddelwetters draußen vor der Tür höchst angenehm.

Das Buchmann-Haus macht Schule, schon bevor es bewohnt ist. In der Gemeinde. An der Ulrichstraße entsteht eine baugleiche Variante - übrigens wieder durch einen ortsansässigen Generalunternehmer.

Und in der Nachbarschaft hat im Rathaus in Neukirchen-Vluyn der Technische Dezernent Ulrich Geilmann, einst Planer in Alpen, Gefallen am Konzept gefunden und eine Kopie vom Bauplan seines ehemaligen Mitarbeiters eingekauft.

Die neue Unterkunft wird dringend gebraucht. Die Atempause ist vorbei. Bis Weihnachten sind 40 neue Asylbewerber angekündigt.

Quelle: RP
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