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Rheinberg
Neuer Jugendkreuzweg: Jesus aus der Sprühdose

Rheinberg. "Wir übertragen den Kreuzweg in die heutige Zeit, fragen uns, was die heutigen Leidensstationen sind. Das Kreuz steht dabei als Zeichen von Leid, aber auch von Hoffnung", erklärt Pastoralreferent Georg Welp von St. Peter. Der ökumenische Kreuzweg der Jugend gibt sich in diesem Jahr so interaktiv wie selten zuvor. Da kommen die Gebete von der Smartphone-App, passende Videosequenzen werden per Beamer an die Wand projiziert und zu guter Letzt durften die rund 25 Firmlinge in der St.-Anna-Kirche zur Spraydose greifen und Jesus als Graffiti auf ein Holzkreuz sprühen.

Die Bilder zu den Stationen in Stencil Art zeigen eine moderne Umsetzung des Kreuzweges und stammen vom Osnabrücker Künstler und Sozialarbeiter Mika Springwald. Station drei etwa - Jesus bricht unter dem Kreuz zusammen - wird durch einen Obdachlosen dargestellt. Einem Menschen helfen, der sich nicht selber helfen kann lautet die Botschaft. "Gibt es arme Menschen in Rheinberg? Weiß jemand von euch, wo die Flüchtlinge in Rheinberg leben? In welche Schule gehen die Kinder, die sich keine teuren Klamotten leisten können?", will Georg Welp wissen.

Die Botschaft ist eindeutig: "Vielleicht nehmt ihr euch mal vor, genauer hinzusehen", so Welp. Der Kreuzweg als Anreiz zu einer kritischeren Betrachtung, als Mahnung, christliche Nächstenliebe nicht zum Deckmantel werden zu lassen. "Wir haben in Rheinberg beispielsweise die Tafel, bei der ihr euch engagieren könnt", empfiehlt Welp. Die Kreuzwegstation "Jesus begegnet den weinenden Frauen" wird verknüpft mit sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen. "In der Schule kam ein Mädchen zu mir und hat sich bitterlich darüber beklagt, von einem Jungen begrapscht worden zu sein", berichtet Welp und erklärt den Firmlingen anhand einer Übung, wie viel Nähe erwünscht und wie viel Distanz nötig ist. "Jeder von uns ist mehr als nur seine körperliche Hülle. Einen Meter davon entfernt ist die Grenze, ab der es unangenehm wird", so Welp. Spielerisch gehen die Teenager aufeinander zu und rufen "Stop", sobald diese Grenze erreicht wird. Zur Verwunderung der meisten liegt dieses Limit tatsächlich in Schrittentfernung. Analog zu der Station "Jesus wird seiner Kleider beraubt" erscheint ein Mann auf der Leinwand, der sich eine Maske vom Gesicht zieht. "Welche Maske tragt ihr? Seid ihr Klassenclown oder Streber?", will Welp wissen und erntet betretene Blicke. "Jeder möchte gerne Ich selbst sein und das dürft ihr auch. Vor Gott brauchen wir keine Maske, er liebt uns, wie wir sind", lautet der abschließende Trost des Religionslehrers.

(erko)
 
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