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Rheinberg
Nicht alles sofort wegschmeißen

Rheinberg: Nicht alles sofort wegschmeißen
Gerd Gersch (li.) repariert einen DVD-Player von Heinz Janke. FOTO: Arfi
Rheinberg. "Wegschmeißen und neu kaufen", sagt der Volksmund, wenn der Toast rabenschwarz aus dem Schacht springt oder der Kaffeeautomat nur noch heißes Wasser offeriert. Eine Einstellung, die dem Geldbeutel und vor allem der Umwelt enorm schadet. Von Erwin Kohl

Was aber tun, wenn sich eine Reparatur nicht mehr lohnt und Eigeninitiative am nötigen Knowhow scheitert? Im Pfarrheim St. Anna bieten ehrenamtliche Tüftler mit dem Repair-Café an jedem dritten Donnerstag im Monat Hilfe an. "Der Gedanke dahinter ist ein ähnlicher wie bei der Tafel oder der Kleiderstube. Auch da kümmern wir uns darum, dass Sachen nicht einfach weggeschmissen werden", sagt Pastoralreferent Werner Koschinski.

Rund ein Dutzend Helfer bemühen sich darum, zu retten, was noch zu retten ist - von Kleidung über Elektrogeräte bis hin zu Kleinmöbeln. Ursula Juckowiak hat eine Kabeltrommel mitgebracht. "Da kommt kein Strom mehr an", erklärt sie Gerd Gersch. Der Elektro-Ingenieur im Vorruhestand braucht nur wenige Minuten, um festzustellen, dass eine defekte Sicherung den Energiefluss verhindert. "Es sind oft nur solche Kleinigkeiten - mal ein Kabelbruch, mal ein abgerissener Draht. Wenn wir ein Gerät aufkriegen, haben wir es schon so gut wie repariert", sagt Gersch. Ursula Juckowiak ist glücklich: "Ich hätte mir sonst eine Neue kaufen müssen."

Bezahlen muss die Rheinbergerin dafür nichts, eine kleine Spende ins Sparschwein wird aber geschätzt. Dafür gibt es während der Reparatur auch Kaffee und Plätzchen. Alles lässt sich nicht so einfach reparieren, wie sich am ebenfalls stromlosen Blue-Ray-Player von Heinz Janke zeigt. "Dafür bräuchte ich einen Schaltplan. Ohne den kann ich nur raten", so Gersch.

Längst nicht alles, was die ehrenamtlichen Fachleute reparieren könnten, reparieren sie auch. Das musste Sibylle Kisters anhand ihrer defekten Induktionsplatte erfahren. "Die Sicherung ist vom Hersteller eingeschweißt, die lässt sich nicht wechseln. Wenn ich sie überbrücke, kann das zu einer gefährlichen Überhitzung führen. Das mache ich nicht", erklärt Rainer Frericks.

Methoden wie diese, mit denen Hersteller eine Reparatur bewusst verhindern, sind für die Mitarbeiter des Repair-Cafés besonders ärgerlich. Ein Beispiel dafür ist die Kinderorgel, die Adele Pepsching für ihre Enkeltochter gekauft hatte. "Ich müsste sie öffnen. Aber das Gehäuse ist vollflächig verklebt, es würde dabei komplett zerbrechen. Man kann sie nur wegschmeißen", konstatiert Susanne Grimm.

Bevor Café-Besucher den Service in Anspruch nehmen, müssen sie die "Hausordnung" akzeptieren. Darin ist ausdrücklich vermerkt, dass die Reparaturfachleute weder Garantien übernehmen noch für eventuelle Schäden haften. Aber was soll schon mit einem Toaster Schlimmeres passieren, als dass er nicht mehr toastet?

Quelle: RP
 
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