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Alpen
Norgren zeigt vermeintlich typische Männerberufe

Alpen. Vor 14 Jahren wurde auf Initiative der Bundesregierung, der Bundesagentur für Arbeit sowie zahlreicher Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretungen der "Girls' Day" ins Leben gerufen. Die Aktion soll dazu beitragen, den Anteil der weiblichen Beschäftigten in sogenannten "Männerberufen" zu erhöhen und auf diese Weise einem prognostizierten Fachkräftemangel entgegenwirken. Gestern schnupperten elf Mädchen aus Xantener und Alpener Schulen bei der Firma IMI Norgren in den Arbeitsalltag vermeintlich typischer Männerjobs. Vermeintlich deshalb, weil es sie eigentlich, zumindest in dem Alpener Unternehmen, nicht mehr gibt. "Männerberufe sind bei uns grundsätzlich auch Frauenberufe. Es gibt hier zum Beispiel Zerspanungs- und Industriemechanikerinnen. Bei den Einstellungsgesprächen werden keine Unterschiede gemacht und auch der Lohn ist exakt gleich", erklärt Ausbildungsleiter Norbert Finmans. Damit die Mädchen einen möglichst realen Einblick in die Arbeitswelt erlangen, beließ es der Betrieb nicht bei einer Werksbesichtigung. Nach einer Sicherheitseinweisung ging es mit Schutzbrille versehen an die Werkbank. Von Erwin Kohl

Aus einem Kupferdraht galt es ein Geduldsspiel zu erstellen, bei dem am Ende ein Herz von einer Schaukel gefädelt werden soll. "Das ist ein gutes Gefühl bis jetzt. Beruflich wäre das aber nicht so mein Ding", gesteht Johanna van den Heuvel, Schülerin der Xantener Marienschule. Anders sieht das ihre Klassenkameradin Lara Frerix, sie möchte gerne einen metallverarbeitenden Beruf ergreifen und ist auch von der Realität wenig überrascht: "Ich habe mir das genauso vorgestellt." Angeleitet werden die elf Mädchen von Auszubildenden im ersten Lehrjahr. Die berichteten über den Alltag in der Ausbildungswerkstatt. "Es beginnt mit dem Grundlehrgang, da feilt man auch mal den ganzen Tag und abends tut die Hand weh. Aber das geht schnell vorbei und dann steht man zum ersten Mal an der Fräse", erzählt Leo Möllmann. Die Werkstatt fegen ist allerdings Schnee von vorgestern. "Nur der Arbeitsplatz muss sauber und aufgeräumt verlassen werden, da achten wir sehr drauf", berichtet Norbert Finmans.

Lara Frerix stört das nicht, sie sägt am Schraubstock ein Stück aus einem Aluminiumring. Wenig später stanzt sie ihren Namen in den ersten selbst gemachten Armreif. "Es ist uns wichtig, die Basics zu vermitteln. Die Mädchen sollen das Material schmecken", sagt Finmans. Dass die Arbeit für Frauen zu schwer sein könnte, ist längst nicht mehr der Fall. Die meisten der zu fertigenden Werkstücke sind kaum größer als eine Getränkeflasche und die Gesundheit der Mitarbeiter steht in dem Alpener Betrieb an oberster Stelle. "Wir arbeiten grundsätzlich rückenschonend, hier werden keine Lasten getragen, die schwerer als 25 Kilogramm sind", versichert der Ausbildungsleiter.

Nach einem Betriebsrundgang und dem verdienten Mittagessen erhielten die Teilnehmerinnen des "Girls' Day" noch eine Urkunde. "Die können sie ihren Bewerbungsunterlagen beifügen, vielleicht sehen wir uns ja dann wieder", sagt Norbert Finmans zum Abschied.

Quelle: RP
 
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