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Rheinberg
Ornithologe: Der Eisvogel bleibt Rheinberg erhalten

Rheinberg: Ornithologe: Der Eisvogel bleibt Rheinberg erhalten
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Rheinberg. Viele Rheinberger sorgen sich um die Eisvögel, die regelmäßig an der Fossa brüten. Die Lineg hat das Steilufer an der Altrheinschleuse mit schwarzen Planen abgehängt. Alles sei gut, sagt Vogel-Experte Karl-Heinz Gaßling. Von Nicole Maibusch und Uwe Plien

Der bevorstehende Umbau der Schleusenanlage am Übergang des Moersbaches in den Altrhein sorgt für Diskussionsstoff. Vor wenigen Wochen war dort - in Vorbereitung auf die Bauarbeiten - die Steilböschung mit einer Plane abgehängt worden, um so eine weitere, dritte Brut des ansässigen Eisvogels in diesem Jahr in der bereits angelegten Bruthöhle zu verhindern. Seitdem sorgen sich Naturfreunde, dass das äußerst scheue Tier damit auf immer vertrieben wird.

Karl-Heinz Gaßling, Vorsitzender der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Rheinberg, hält diese Sorgen allerdings für unbegründet. "In diesem Jahr wird an dieser Stelle in der Tat keine Brut des Eisvogels mehr zu erwarten sein, aber nach Fertigstellung wird der Vogel dorthin zurückkehren", sagt Gaßling. Bei dem Eingriff handele es sich um eine "vorübergehende Störung", nicht aber um eine endgültige Vertreibung. "Der Eisvogel baut üblicherweise immer mal wieder eine neue Röhre, um Parasitenbefall der Jungvögel zu verhindern", erläutert der Experte im Gespräch mit der Rheinischen Post.

Überdies sei der Zeitpunkt, zu dem man die Böschung abgehängt habe, mit Bedacht gewählt worden: Bis zu vier Mal brütet der Eisvogel im Jahr. Nach genauer Abwägung habe man entschieden, die zweite Brut abzuwarten, um die Planen auszulegen, informiert der Rheinberger Vogelkundler.

Wie viele Eisvögel in dem betreffenden Areal beheimatet sind, vermag Gaßling nicht genau zu sagen, vermutet aber zwei Brutpaare, die maximal bis zu vier Junge aufziehen. Allerdings nicht allein im Bereich der Schleuse. "Eisvögel sind Einzelgänger, die auch ihren Artgenossen gerne aus dem Weg gehen", erläutert Karl-Heinz Gaßling. Daher könne man davon ausgehen, dass auch am Anschluss zum Jennekes Gatt ein Paar brütet.

Als Ornithologe ist der 82-Jährige grundsätzlich nicht erfreut, wenn in die Natur eingegriffen wird. Doch in diesem Fall sei es eine Notwendigkeit. Und: "Der Eisvogel ist gebunden an saubere Wasserläufe, die ihm Nahrung bieten", so Gaßling. Das werde nach dem Bau der Fischtreppe der Fall sein.

Nur eines kann das Brüten des gefiederten Freundes im nächsten Jahr verhindern: ein strenger Winter. Dann zieht der Vogel in Regionen, wo er eisfreie Wasserläufe vorfindet.

Mit dem Umbau der denkmalgeschützten Altrheinschleuse sollte bereits am 1. August begonnen werden. Bisher sind im Auftrag der Lineg allerdings nur die schwarzen Kunststoffplanen an der Uferböschung aufgehängt worden. Dazu wurde an einigen Stellen auch der Bewuchs zurückgeschnitten. Die Schleuse liegt zwischen den Straßen Am Kanal und Am Wiesenhof.

Zu Beginn des Schleusenbauwerks befinden sich die Kaskaden, ein Absturz des Wasserspiegels des Moersbachs von mehr als einem Meter. "Dort ist die ökologische Durchgängigkeit gemäß der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie nicht gewährleistet und der Aufstieg der Organismen aus dem Hauptgewässer Rhein wird dadurch bis in fast alle Gewässer des Lineg-Gebietes unterbunden", teilte die Lineg mit. Um die Durchgängigkeit herstellen und so eine enorme Verbesserung des Gewässerzustandes erreichen zu können, werden die Rheinberger Kaskaden nun umgebaut.

Am Schleusenbauwerk wird die Sohle aufgefüllt. Hinter der ehemaligen Kanalschleuse wird mit einem Raugerinne mit Beckenstruktur (Sohlgleite) der Höhenunterschied des Wasserspiegels abgebaut. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich bis Anfang November andauern. Der Beginn hat sich um einen Monat verzögert. Erst Anfang September soll es losgehen, sagte die Lineg gestern.

Quelle: RP
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