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Rheinberg
Orsoyer Kirche mit Festgottesdienst wiedereröffnet

Rheinberg. Die Besucher empfinden das renovierte Gotteshaus als "wunderschön". Es sei hell und warm, ein "Zuhause für die Seele". Von Peter Gottschlich

Von der Schönheit der renovierten evangelischen Kirche Orsoy zeigten sich die Besucher beim Festgottesdienst zur Wiedereröffnung am Sonntag beeindruckt. "Die Proportionen stimmen", meinte Organistin Simone Döring beim gemeinsamen Zusammensein im Gotteshaus, das sich dem Gottesdienst und den Grußworten anschloss. "Die Kirche ist hell, wirkt aber nicht kalt, sondern warm."

Uwe Klein konnte die warme Atmosphäre erklären. "Sie hängt mit der Farbgebung zusammen", betonte der Pfarrer. "Hellblau, Rotbraun und Goldgelb tauchen immer wieder auf, zum Beispiel an der Kanzel, im Gewölbe und an der Orgel." Im Gottesdienst hatte er das Wort von Bürgerrechtler Martin Luther King zitiert, er habe einen Traum. Dieser Traum habe gelautet, den Turm des Gotteshauses wieder zum Mittelpunkt des Stadtteils zu machen, in dem gelacht und geweint, musiziert und das Wort Gottes verkündet werde.

Dabei hatte der Orsoyer Pfarrer auch die Flüchtlinge im Blick, wie 1963 der amerikanische Bürgerrechtler und Prediger die Unterdrückten. 40 Geflohene waren gekommen, für die "Fadda" Klein, wie er von ihnen mit Spitznamen genannt wird, das Eingangsgebet auf Englisch sprach, wie für alle 280 Gläubigen auf Deutsch. "Das ist die größte Zierde für ein Gebäude, ein Gebet zur Eröffnung in zwei Sprache zu halten", freute sich Dechant Wolfgang Schmitz von St. Peter über diese Geste.

Schmitz' Besuch unterstrich die gute Zusammenarbeit, die zwischen den Protestanten und den Katholiken in Orsoy besteht. So feierten die evangelischen Christen ihre Gottesdienste in der Kirche St. Nikolaus, als ihr Gotteshaus in der Hochphase der Sanierung geschlossen war. Demnächst könnten die katholischen Christen ihre Gottesdienste in der evangelischen Kirche zelebrieren, weil bei ihrem Gotteshaus die schwere Betondecke, die ohne Säulen auf die Wände drückt, zu ersetzen ist, um es zu erhalten. Der spätgotische Hochaltar von Colin de Coter soll bereits in der evangelischen Kirche aufgestellt werden, wenn er vom Restaurator aus Bonn zurückkehrt.

"Alle Christen haben zusammengehalten, um die Sanierung zu finanzieren", unterstrich die Landtagsabgeordnete Marie-Luise Fasse in ihrem Grußwort, das sie als Schirmherrin der Kirchensanierung hielt. 2,5 Millionen Euro kostete diese Sanierung, von denen 700.000 Euro über Spenden hereinkamen.

Beim Festgottesdienst hielten die Gläubigen dieses Geld für gut angelegt. "Die Mühe hat sich gelohnt", sagte der Orsoyer Harry Schuh. "Ich bin gerne in dieser Kirche. Ich fühle mich hier geborgen. Sie ist ein Zuhause für die Seele. Die Menschen sollen nach Orsoy kommen und sie sich anschauen." Das sah Rheinbergs Bürgermeister Frank Tatzel ähnlich: "Für das gesamte Stadtgebiet ist diese Kirche von besonderer Bedeutung. Sie ist ein Glanzlicht."

Dieses Licht wird Jahrzehnte ohne Flackern leuchten. "Jetzt ist erst einmal Ruhe", blickte der Architekt und Weseler Dombaumeister Professor Dr. Wolfgang Deurer in die Zukunft. "Erfahrungsgemäß geht es nach 20 bis 25 Jahren wieder mit den Arbeiten los."

Quelle: RP
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