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Alpen
Ortsgestaltung: Alpens neues Wohnzimmer

Alpen: Ortsgestaltung: Alpens neues Wohnzimmer
Für Walter Adams ist der Stadtumbau ein spannendes Projekt. FOTO: bp
Alpen. Die Gestaltungspläne für den Alpener Ortskern kommen jetzt auf den Tisch. Im Bauausschuss wurden gestern Modelle abseits von Lösungen von der Stange präsentiert. Von Bernfried Paus

Für Walter Adams, Chef der Abteilung Planen und Bauen, ist's eine höchst spannende Zeit. Nach dem aufsehenerregenden Architektenwettstreit um das künftige Aussehen des kleinen Ortes Alpen wird's jetzt ernst. Die Details des künftigen Gesichts kommen jetzt konkret auf den Tisch. Gestern haben die Siegerbüros Felixx/De Zwarte Hond ihre Ideen erstmals öffentlich präsentiert. Im Bau- und Planungsausschuss stießen ihre Vorstellungen abseits von Lösungen von der Stange allerdings auf erhebliche Vorbehalte. Insbesondere in den Reihen von SPD und Grünen - ausgerechnet die Fraktionen, die seinerzeit vehement die Abkehr von Zufälligkeiten und Opportunitäten bei der Dorfkernentwicklung gefordert hatten. Da sich aber über Geschmack trefflich streiten lässt, appellierte Bürgermeister Thomas Ahls dafür, sich zunächst mal auf die Vorschläge ein- und sie auf sich wirken zu lassen.

Walter Adams jedenfalls, der im heimischen Keller zur Entspannung gern mal Möbel schreinert, gefällt der Vergleich des "Stadtumbaus" mit einer Radikalkur fürs heimische Wohnzimmer. "Da schmeißt man das alte Mobiliar raus, macht Zeichnungen, verwirft sie wieder und kommt dann seinen Vorstellungen immer näher", sagt er und fügt scherzhaft an: "Und am Ende entscheidet meine Frau."

Nur bei der Möblierung des "Wohnzimmers Alpen" sprechen deutlich mehr Leute mit. Das soll so sein. "Wir stellen die Vorschläge der Öffentlichkeit vor, so dass viele mitgenommen werden und am Ende möglichst eine Lösung steht, die ein hohes Maß an Akzeptanz findet." Der Weg scheint, weil voller Emotion, steinig. Klar ist aber, dass über Geschmack und Stil nicht per Mehrheitsbeschluss befunden werden kann. Bedienung im Gemischtwarenladen hat wenig mit professionell konzeptionellem Stadtumbau zu tun.

Der Beteiligungsprozess hat schon mehrere Stufen durchlaufen. Die Vordenker haben ihre Präsentation erst vor der Technik-Abteilung im Rathaus gehalten. Es folgte ein zweiter Auftritt vor Interessenten aus der Verwaltung.

Diese neue Art der Beteiligung kam gut an. "Die Reaktion war sehr positiv", so Adams. "Es kam unter den Kollegen ein kreativer Prozess in Gang, der die Ideen aufgriff und schon weiterdachte", sagte der Fachbereichsleiter. Das stärkt seine Zuversicht, dass die ungewöhnlichen Ideen auf fruchtbaren Boden stoßen. Doch die Politik reagierte, gelinde gesagt, zurückhaltend.

Noch herrscht im Rathaus gespannte Skepsis. "Bei Geschmacksfragen weiß man nie", so Adams. Zumal die Einrichtungsgegenstände, die das "Wohnzimmer Alpen" zeitlos wohnlich machen sollen, nicht das sind, was man kennt. Bänke, Blumenkübel, Leuchten, Fahrradständer und Papierkörbe sind allesamt Designerstücke - einmalig. Die Bänke - Rahmen aus Metall, Sitzfläche und Lehne aus Holz - sind einem Sofa nachempfunden. Maßgabe: einfach und schön, einfach schön. Licht kommt von dekorativen Stehleuchten. Nett: Die Radständer als Übersetzung von Stützen in Bücherregalen. Walter Adams hofft, dass der gestalterische Mut der Planer ankommt und der Funke überspringt. "Es wäre nicht viel gewonnen, wenn Alpen hinterher so aussieht wie ein 08/15-Ortskern", so der Chef-Planer. "Wenn Einmaligkeit und Wohnlichkeit zusammenpassen, wäre das ideal."

Die Handschrift der Innenarchitekten ist geprägt von der Ästhetik der Schlichtheit: einfache schnörkellose Formen, dezente Farben. Die Materialien sind Aluminium in Anthrazit und Holz. Auch für die stattlichen Blumenvasen mit der Inschrift "Alpen begeistert". Sechs davon mit einem Durchmesser von 1,80 Meter auf den Freiflächen sollen dem Rathausumfeld - als Einstieg in den Stadtumbau - den wenig charmanten Parkplatzcharakter nehmen. Mit welchen Baumsträuchern die mobilen Elemente, die bei Festveranstaltungen an die Seite gerückt werden können, bepflanzt werden, ist offen.

Im gleichen Zug soll auch der heute wenig einladende Platz gegenüber dem Rathaus auf dem Weg zum Adenauerplatz mit ein paar dekorativen Kniffen zum Schmuckstück werden. Ob sich die hübsche Idee, den recht schmucklosen Brunnen als I-Tüpfelchen durch ein reizvolles Wasserrelief - der Motte nachempfunden - zu ersetzen, umsetzen lässt, werden wohl letztlich die Kostenrechner entscheiden.

Zunächst mal ist man im Rathaus froh, dass das Land mit einer halben Million Euro im Wort steht. Jetzt ist man vor Ort gefragt, sein Wohnzimmer einzurichten - mit dem Prunkstück "Neue Mitte", wo das Herz im Dorf der Zukunft schlagen soll. Dafür müssen die Bürger gewonnen werden. Die haben das Wort.

Quelle: RP
 
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