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Rheinberg
Pass zwischen Klaviermusik und Comedy geschlagen

Rheinberg. Klavierfestival Ruhr in Rheinberg: Andreas Kern spielte in seiner Show "Liszt, HipHop, Fußball" das Leder hin und her. Von Peter Gottschlich

Andreas Kern ist ein Botschafter der klassischen Klaviermusik. Gerne würde der 41-jährige Pianist, der in Berlin und Köln Musik studierte, das Spiel am Pianos genauso bekannt machen wie mit dem runden Leder. Deshalb hat er seine neue Show "Liszt, HipHop, Fußball" genannt, selbst wenn bis auf eine zweiminütige Persiflage auf den HipHop diese Musik nicht vorkommt. Darin schlägt er Pässe zwischen Pianisten und Kickern, zwischen Klassikliebhabern und Comedyfans, wie bei seinem Spiel am Mittwochabend in der Rheinberger Stadthalle.

Dabei haben die Klaviermusik und der Fußball einen Grundsatz gemeinsam, den der Alleinunterhalter in seiner Show wunderbar herausarbeitet. In seiner negativen Form beschreibt er ihn so: "Kenn ich nicht, mag ich nicht." In seiner positiven Form, die der Gastgeber der "Arte Lounge" nicht ausspricht, würde dieser lauten: "Kenn ich, mag ich."

Entsprechend wählt der Pianist ausschließlich Klavierstücke aus, die selbst Menschen kennen, die keine Freunde der klassischen Musik sind, zum Beispiel die Kleine Nachtmusik von Wolfgang Amadeus Mozart, das Lied "Für Elise" von Ludwig van Beethoven, die Etüde Tristesse von Frédéric Chopin, den Liebestraum von Franz Liszt oder das Prelude in cis-Moll von Sergi Rachmaninow.

Das ist Musik, die er brillant am Flügel spielt und die selbst Nuri Sahin schon einmal gehört hat. Dabei sagt der 27-jährige BVB-Kicker in einem Videogespräch zunächst, er sei kein Fan der klassischen Musik. Aber als Hintergrundmusik im Aufzug oder in einer Hotellounge sei sie schon einmal in sein Ohr gedrungen, bestätigt der Dortmunder Profi.

Die Passage um dieses Gespräch ist der Höhepunkt der Show "Liszt, HipHop, Fußball". Der Pianist will wissen, wie viel Geld er als Kicker erhalte, wobei Nuri Sahin sagt, darüber wolle er nicht sprechen.

Er stellt eine Transferliste für klassische Musiker auf, auf der Lang Lang und Marha Argerich als Pianisten den ersten und zweiten Platz belegen, gefolgt von Dirigent Daniel Barenboim. Andreas Kern überlegt, ob es nicht eine Castingshow "Germans next Top-Pianisten" geben könne.

Er unternimmt zahlreiche Ausflüge auf andere Plätze, die nichts mit dem Rasen für das runde Leder gemeinsam haben. So fordert er über Leinwand die Zuschauer auf, bei den Sechs Klavierstücken von Johannes Brahms zu husten. Oder er bietet den Cellisten Gabriel Schwabe auf die Bühne, der die Cello Suite Nummer 1 von Gaspar Cassado von 1929 zum Besten gibt, die das einzige Stück bleibt, das nicht jeder kennt. Oder er spielt die Toccato von Robert Schumann, die ohnehin schnell ist, noch schneller, um beweisen zu können, dass er wirklich Pianist ist und so sein Leben zu retten.

Der Applaus der 200 Zuhörer blieb am Ende der neuen Show verhalten, die Teil des Klavier-Festivals Ruhr 2016 ist. Zwischenzeitlich hatten sie nur selten gelacht und kaum Szenenapplaus gegeben. Einige hätten sich gewünscht, wenn Andreas Kern stärker die Pässe zwischen Kickern und Pianisten gespielt hätte.

Quelle: RP
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