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Rheinberg
Philip Simon: Auf jedes Lachen folgt ein Schlucken

Rheinberg. Philip Simon leidet unter Arnarchophobie - der Angst vor Spinnern. So heißt sein Programm, mit dem er in der Stadthalle aufgetreten ist. Der Kabarettist hielt den Besuchern einen Spiegel vor, der nicht immer Schönes zeigte. Der Mann auf der Bühne brachte zwar jeden zum Lachen. Doch auf jeden Lacher folgte ein Schlucken. Denn er skizzierte kritisch die Missstände auf dem politischen und gesellschaftlichen Parkett. Von Sassan Dastkutah

Eines sei klar: Mit Mitleid hätten viele Probleme: "Am besten kennen die Menschen Selbstmitleid. Das Leid anderer ist zu abstrakt." Sarkasmus pur. Aussprechen, was viele denken, sich aber nicht trauen zu sagen - das zog sich durch den ganzen Abend. Leid sei kein rationales Gefühl, dafür brauche es Empathie. Empathie habe aber in Deutschland nur Weihnachten Hochkonjunktur. "Und das nur, weil vor 2016 Jahren der erste Linke geboren wurde", witzelte Simon. Einfach die Satirekeule schwingen, ist nicht Philip Simons Art. Er spricht direkt an, wo es nicht läuft und wie es folglich laufen sollte. Dazu hatte er gleich noch einige Thesen parat. Zum Beispiel, wie es mit der Wahrheit aussieht. "Viele unterschiedliche Wahrheiten sind eine Lüge. Also steckt die Wahrheit im Detail." Denn viele unterschiedliche Wahrheiten werden mittlerweile zu allen möglichen Themen in sozialen Netzwerken verbreitet, die wiederum zu einer Lüge werden. "Viele tippen schneller, als sie denken." Verärgert zeigte sich der Kabarettist darüber, dass wochenlang über ein Gedicht diskutiert wurde, sich jeder über Erdogans Klage gegen Böhmermann aufgeregt habe, aber kaum darüber geredet wurde, dass etwa türkische Journalisten zu vier Jahren Haft verurteilt wurden.

Den Deal mit Erdogan bezeichnete er kritisch als europäisches Pfandflaschensystem mit Flüchtlingen. Es könne doch nicht sein, dass die reiche EU nicht in der Lage sei, eine ordentliche Flüchtlingspolitik zu machen. Simon betonte noch: "Wer glaubt, dass wir in einer Solidaritätsgesellschaft leben, braucht nur mit einem Kleinwagen auf die Autobahn zu fahren - das ist Krieg." Auch wenn er extrem scharfzüngig war und zum Nachdenken anregte. Witzig war es alle Male, denn die Gäste lachten herzhaft.

Quelle: RP
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