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Rheinberg
Politik teilt die Sorgen der Annaberger

Rheinberg: Politik teilt die Sorgen der Annaberger
Gestern gegen 14.30 Uhr, ein ganz normaler Wochentag. Jede Menge Verkehr auf der Römerstraße am Annaberg. Auch ein Ärgernis für die Anwohner. FOTO: A. Fischer
Rheinberg. Claudia von Parzotka-Lipinski (SPD) richtete in der Rheinberger Ratssitzung einen Fragenkatalog an die Verwaltung. Von Uwe Plien

Hans-Jürgen Dion hatte in einem RP-Gespräch über sein getrübtes Lebensgefühl am Rheinberger Annaberg berichtet. Es habe sich viel geändert im Ortsteil, erzählte der 62-jährige Vorruheständler - leider nicht zum Besseren. Mit seinen Ausführungen habe Dion ganz offensichtlich einen Nerv getroffen und vielen anderen Annabergern aus der Seele gesprochen, machte Claudia von Parzotka-Lipinski in der Rheinberger Ratssitzung deutlich. Die SPD-Ratsfrau hatte einen umfangreichen Fragenkatalog zum Thema formuliert und las ihn vor.

"Die Unzufriedenheit ist groß", fasste die Politikerin zusammen. Die Folgen des Bergbaus seien weithin sichtbar, viele Anwohner ächzten unter der Kanalsanierung, eine Straße nach der anderen werde aufgerissen. Der Lkw-Verkehr habe zugenommen und trage nicht zum Wohlfühlen bei. "Vom Lärm am Annaberg ganz zu schweigen", so Claudia von Parzotka-Lipinski. "Laut Lärmkataster ist der Annaberg der lauteste Stadtteil in Rheinberg, insbesondere durch die Autobahn." Auch die Pläne der Messe Niederrhein sorgten nicht gerade für Erheiterung. Es habe sich bereits eine Bürgerinitiative gegründet.

In einem beklagenswerten Zustand sei der Spielplatz an der Straße Zu den Stationen - "er wird seit Jahren von den Baufirmen als Lagerplatz für Material genutzt", so die Ratsfrau, die zu dem Ergebnis kommt: "Den Annabergern wird viel zugemutet - zu viel, das ist jedenfalls meine Meinung. Wann können die Menschen endlich mit Entlastung rechnen?"

Der Technische Beigeordnete der Stadt, Dieter Paus, hatte den Dion-Artikel auch gelesen und hatte durchaus Verständnis für die Einschätzung des Bürgers. "Man muss allerdings in die Geschichte blicken, wenn man die Hintergründe verstehen will", sagte er insbesondere hinsichtlich der Bergbau-Situation: "Als die Annaberger vor Jahrzehnten ihre Häuser gebaut haben, wurde ihnen gesagt, dass unter dem Annaberg keine Kohle abgebaut wird." Inzwischen wisse man, dass es anders gekommen ist. Paus: "Mit den Folgen haben wir seit Jahren zu kämpfen. Und das wird auch noch einige Jahre so weiter gehen. Auch in offener Bauweise." Für eine Wertminderung der Immobilien gebe es allerdings keine Hinweise.

Paus bezog sich auch auf andere Punkte, die in dem Bericht angesprochen wurden, etwa die Versorgungssituation. Dieter Paus: "Es stimmt, dass es keinen Edeka-Markt am Annaberg mehr gibt. Aber dafür ist auf der anderen Seite ein neuer moderner Markt an der Bahnhofstraße entstanden."

Auch auf den Lärm der Autobahn 57 bezog sich der Beigeordnete. "Seit vielen Jahren ist die Stadt nahezu jährlich bei Straßen NRW als zuständige Behörde vorstellig geworden und hat um eine Verbesserung des Lärmschutzes gebeten. Leider ohne Erfolg." Bei der Messe gebe es bislang keinen neuen Sachstand. "Sobald es einen vortragbaren Sachstand gibt, werden wir im Bau- und Planungsausschuss darüber berichten", so der Verwaltungsmann. Den Spielplatz Zu den Stationen will Paus im Auge behalten. "Wir müssen sehen, wie es dort weitergeht, wenn die Bauarbeiten im Januar beendet sind."

Ob ein Ansinnen der Schutzgemeinschaft Bergbaubetroffener (SGB) Aussicht auf Erfolg habe, wollte Paus nicht beurteilen. Denn auch das klang in der Ratssitzung an: Der Bergbau solle künftig die Kosten übernehmen, die der Deichverband Duisburg-Xanten voraussichtlich auch am Annaberg einfordern wird.

Den Einschätzungen wollte niemand im Rat widersprechen. Dass es am Annaberg in vielerlei Hinsicht nicht zum Besten steht, darf als Konsens betrachtet werden.

Quelle: RP
 
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