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Rheinberg
Polizist soll Mädchen nach Belästigung von Anzeige abgeraten haben

Rheinberg-Orsoy . In Rheinberg soll ein Polizist am Sonntag erst auf massives Drängen von Opfer und Zeugen eine Anzeige gegen einen Asylbewerber geschrieben haben. Ein 15-jähriges Mädchen hatte angegeben, von einem 50-jährigen Algerier belästigt worden zu sein. Von Uwe Plien

Ein 15-jähriges Mädchen wird von einem betrunkenen Mann belästigt, ein Passant eilt ihr zu Hilfe, das Mädchen und dessen Vater möchten später den schnell ermittelten Täter anzeigen – aber ein Polizist will keine Anzeige schreiben. Erst als man ihm damit gedroht habe, die Presse einzuschalten, soll der Beamte seine Meinung geändert haben. Inzwischen liegt eine Anzeige wegen Nötigung vor, die Polizei will den Vorgang intern untersuchen, erfuhr unserer Redaktion am Montag.

Sie habe am Freitagabend ihren Hund ausgeführt und habe dabei telefoniert, erzählte die 15-Jährige unserer Redaktion. "Plötzlich tauchte ein Mann auf und belästigte mich. Er packte meine Schulter, ließ mich nicht mehr los, und versuchte, mich in eine dunkle Ecke zu zerren. Da habe ich laut um Hilfe geschrien." Ein 44-jähriger Orsoyer hörte die Schreie und eilte zu Hilfe. Daraufhin sei der offenbar stark alkoholisierte Täter geflüchtet, erzählte der Orsoyer der Redaktion. Das Ganze ereignete sich an der Rheinberger Straße in der Nähe des Orsoyer Edeka-Marktes Daniels.

Bei dem Täter handelte es sich um einen 50-jährigen Algerier, einen Bewohner der Zentralen Unterbringungseichrichtung (ZUE) im ehemaligen Orsoyer Krankenhaus. Der 44-Jährige und das Mädchen liefen zu der Flüchtlingsunterkunft und informierten den Sicherheitsdienst sowie die Mitarbeiter des Roten Kreuzes. Der Täter sei schnell identifiziert und die Polizei hinzugerufen worden. "Ich rief meinen Vater an, der sofort dazu kam", so die 15-Jährige. "Für uns war von Anfang an klar, dass wir den Mann anzeigen wollten. Und das haben wir auch den drei Polizisten gesagt, als sie nach knapp einer Stunde an der ZUE ankamen."

Mit Erstaunen habe man dann die Reaktion des wortführenden Beamten vernommen. Der Vater des Opfers: "Der Beamte riet uns immer wieder davon ab, eine Anzeige zu machen. Das würde nichts bringen." Die 15-Jährige und auch der 44-jährige Zeuge bestätigen das. "Ein Polizist hat gar nichts gesagt, eine Polizistin hat zumindest deutlich gemacht, dass sie mich gut verstehen könne. Aber der 'Hauptpolizist' hat immer wieder auf uns eingeredet und wollte nicht, dass wir den Mann anzeigen", versicherte das Mädchen. "Wer soll einem denn noch helfen, wenn nicht die Polizei?"

Erst als der 44-jährige Retter damit gedroht habe, die Presse zu informieren, habe sich der Polizist nach einer kurzen Beratung umentschieden. Daraufhin wurde eine Anzeige wegen Nötigung gestellt. Das bestätigte die Pressestelle der Kreis Weseler Polizei auf Nachfrage unserer Redaktion.

Die Familie des Mädchens ist inzwischen von der Polizei des Kreises Wesel angerufen und darüber informiert worden, dass man sich mit der 15-Jährigen noch einmal unterhalten wolle. Zudem bekam die Orsoyer Familie Besuch von einem Mitarbeiter der Bezirksregierung Düsseldorf, die für die Zentrale Unterbringungseinrichtung zuständig ist. Der Vater: "Er hat sich bei uns in aller Form für das Verhalten des Mannes entschuldigt und hat uns darüber informiert, dass der 50-Jährige umgehend in eine andere Einrichtung in Euskirchen verlegt worden ist."

Für das Verhalten des Polizeibeamten habe man allerdings kein Verständnis.

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