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Rheinberg
Probleme auch nach der Kohle-Zeit

Rheinberg. Die Schutzgemeinschaft Bergbaubetroffener (SGB) diskutiert Verschmutzungen und Erdbewegungen. Von Rainer Kaussen

Mit dem Kohleabbau unter Rheinberg war Ende 2010 Schluss. Doch auch sechs Jahre nach dem Abzug der Kumpel aus der Tiefe unter dem Annaberg wird die "Schutzgemeinschaft Bergbaubetroffener" (SGB) noch gebraucht. Daran hatten diejenigen keinerlei Zweifel, die sich zur Jahreshauptversammlung der Gemeinschaft im Forum des Amplonius-Gymnasiums trafen.

Die Mitgliederzahl ist mit deutlich über 800 weiterhin konstant. Vorstandsmitglied Ulrich Behrens erklärte den nach wie vor starken Rückhalt in der Rheinberger Bevölkerung so: "Immer wieder kommen neue Besucher zu unserem Stammtisch, zu dem wir jeweils am ersten Dienstag eines Monats ins Lokal Schopsbrück an der Römerstraße einladen". Das sei nicht überraschend angesichts der vielfältigen Probleme, durch die die Menschen auch noch Jahre nach dem Ende der Kohleförderung geplagt werden. Da sei zum Beispiel die drohende Belastung mit giftigem PCB, das früher im Hydrauliköl unter Tage eingesetzt wurde, nun mit dem Grubenwasser an die Erdoberfläche komme und dauerhaft herausgefiltert werden müsse. Außerdem drohten nach dem Abbauende jetzt Erdbewegungen durch steigendes Grundwasser - und damit dort neue Schäden, wo schon die Förderung Bergschäden angerichtet hatte.

Nicht zuletzt am Annaberg. Genau dort fehlten bislang Messpunkte, um das Entstehen neuer Schäden überhaupt nachvollziehen zu können. Hier bietet die SGB nun Hilfestellung an: Wenn sich bei der Gemeinschaft genügend Interessierte melden, will sie Kontakt mit einem Vermessungsbüro vermitteln um - salopp gesagt - mit "Mengenrabatt" günstige Konditionen für eine Einmessung von Gebäuden zu ermöglichen.

Gerade in Rheinberg sei übrigens deutlich geworden, dass neben dem Kohle- auch der Salzabbau für Schäden sorge. Deshalb habe die SGB den Betroffenen geholfen, eine Gemeinschaft zur Vertretung ihrer Interessen zu bilden. Manche Probleme kämen allerdings gar nicht erst in den Blickwinkel der breiten Öffentlichkeit. Beispielsweise in der Landwirtschaft. Genauer: die Sorgen von Pächtern landwirtschaftlicher Flächen. Wenn es Ernteausfälle gab, weil Äcker nach Bergsenkungen vernässten, hätten bislang Bergbau-Gutachter die Schäden taxiert, und die Ruhrkohle habe den Landwirten diesen Betrag überwiesen. Neuerdings vertrete der Bergbau allerdings den Standpunkt, die Vernässung sei ein Schaden an den Grundstücken und wolle den mit einer einmaligen Zahlung an deren Eigentümer regulieren - die Pächter würden also auf den Folgen sitzenbleiben. Und dies in einer Region, in der Pachtflächen absolute Mangelware sind und dadurch meist die Möglichkeiten fehlten, andere Felder zu beackern.

Einen positiven Ausblick nahmen die Besucher der Versammlung mit nach Hause: Bei den laufenden Arbeiten an der Bahnlinie von Moers nach Xanten werden die "Stoßlückengleise" im Bereich Rheinberg verschwinden. Die Lücken zwischen den Schienenstücken hatten Bergbausenkungen abgefedert, zugleich aber für die Geräuschkulisse einer "Wild-West-Bahn" gesorgt.

Quelle: RP
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