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Rheinberg
"Quartier West" steht in den Startlöchern

Rheinberg: "Quartier West" steht in den Startlöchern
Sie haben das Konzept für das neue Quartiersmanagement entwickelt (von links): Bernard Bauguitte, Anke Sczesny und Pfarrer Udo Otten. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Für den Bereich Reichelsiedlung/Underbergsiedlung in Rheinberg soll es bald einen Quartiersmanager geben. Von Uwe Plien

"Quartiersmanagement" - ein sperriges Wortungetüm, das zunächst vielleicht weniger Lust darauf macht zu erfahren, was sich dahinter verbirgt. Dabei geht es im Prinzip um ganz einfache Dinge: um ein vernünftiges Zusammenleben unterschiedlichster Menschen in einem Ortsteil, um Vernetzung, um Angebote, die das Leben lebenswerter machen.

Aus unterschiedlichen Gründen haben sich die sozialen Strukturen in einigen Stadtteilen verändert. Weil Menschen immer älter werden, weil besonders viele Menschen mit Migrationshintergrund dort leben oder weil es viele sozial Benachteiligte gibt. Die Folge: Die sozialen Unterschiede verstärken sich zwischen den Stadtteilen, und es kommt zu Verdrängungseffekten.

Ein Quartiersmanagement soll solchen Entwicklungen entgegenwirken. Am Annaberg gibt es eine entsprechende Anlaufstelle bereits seit 2011 mit dem Haus der Generationen, dem ehemaligen Evangelischen Gemeindehaus Grote Gert. "Mittlerweile gehen bei uns pro Woche 550 bis 600 Menschen durch das Haus", sagte Quartiersmanagerin Anke Sczesny. "Früher waren es nur 250 bis 300."

Durch ein Bürgerbeteiligungsprogramm kommen immer neue Gruppen und Kreise zusammen. Skatrunde, Demenzcafé oder Frauentreff - was gewünscht wird, bekommt auch eine Chance. Rund 50 Ehrenamtliche unterstützen die Quartiersarbeit inzwischen.

Nun soll mit "Rheinberg West" ein zweites Quartier aufgebaut werden. Das ist auch, aber nicht nur die Reichelsiedlung. "Das Gebiet erstreckt sich bis zur Königsberger Straße", erläutert Udo Otten, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Rheinberg. "Die Grundschule, die Underberg-Siedlung, das gehört alles noch dazu."

Ein Konzept für das Quartier haben die Kirchengemeinde und das Diakonische Werk gemeinsam erarbeitet. "Es gibt Unterschiede zu Annaberg", erläutert Bernard Bauguitte, Leiter des Diakonischen Werks Rheinberg. Der Multikulti-Gedanke spiele eine viel größere Rolle. Der Großteil der in dezentralen Wohnungen untergebrachten Flüchtlingen lebe in der Reichelsiedlung. Als ein Angebot sei ein Café mit Fahrradreparaturwerkstatt in dem ehemaligen Geschäft für polnische Lebensmittel denkbar. "Auch in West bauen wir auf die Beteiligung der Bürger", so Anke Sczesny.

Im Prinzip könnten die Quartierspartner sofort loslegen, sagt Udo Otten: "Vieles ist machbar. Die Frage ist nur, ob die Politik das will oder nicht." So geht es um die 19,5-Stunden-Stelle eines Quartiermanagers. Zu 70 Prozent sei die Finanzierung gesichert, es gehe jetzt um die verbleibenden 30 Prozent, so die Initiatoren. Otten: "Zehn Prozent würde die Kirchengemeinde übernehmen, zehn Prozent die Eigentümer der Reichelsiedlung und die restlichen zehn Prozent blieben bei der Stadt."

Sozialausschussvorsitzender Peter Tullius (SPD) sagte, man werde die Stellenausschreibung jetzt angehen. Die Stelle wird zunächst auf drei Jahre befristet sein. Der Antrag soll über die Wohlfahrtsverbände laufen. Für die Stadt verbliebe dann ein jährlicher Zuschuss in Höhe von 3500 Euro. Nicht ausgeschlossen sei, dass man die Stelle später über das gemeinsame Leader-Projekt der Städte Rheinberg und Xanten sowie der Gemeinden Sonsbeck und Alpen fortführt.

Quelle: RP
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