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Rheinberg
Radweg als Krönung auf dem neuen Deich

Rheinberg: Radweg als Krönung auf dem neuen Deich
Das Trio ist zufrieden mit dem Erreichten: Burkhard Drenkpohl von der Bezirksregierung, Deichgräf Viktor Paeßens und Projektleiter Henjörg Hahn (v.l.). FOTO: Fischer
Rheinberg. Zehn-Millionen-Euro-Projekt des Deichverbandes Orsoy geht auf seine Schlussetappe. Ende des Jahres ist alles fertig. Von Bernfried Paus

Eine der größten Baustellen der Stadt nimmt - fast im Verborgenen - allmählich Gestalt an. Die im Mai 2014 gestartete Sanierung des dritten, abschließenden Abschnitts des Rheindeiches geht auf die Zielgerade. Kraftstrotzende Maschinen haben den Großteil von 600 000 Kubikmeter Boden bewegt. Inzwischen geht's auf der Großbaustelle in Orsoy-Land vergleichbar filigran zu. Ein Trupp hat begonnen, die ersten Randsteine für den Deichverteidigungsweg zu setzen. Viktor Paeßens, Deichgräf des Deichverbandes Orsoy, ist zuversichtlich, dass das 10-Millionen-Euro-Projekt bis Jahresende abgeschlossen ist. "Aber schon jetzt muss keiner fürchten, wenn unvorhergesehen ein Sommerhochwasser naht", so Paeßens.

Was für Laien so grob aussieht, braucht Knowhow auf Top-Niveau. Ein Deich, der bei Hochwasser gewaltigen Druck aushalten muss, ist ein hochkomplexes Bauwerk. "Hier wird nicht einfach was aufgeschüttet. Alle eingebauten Materialien werden streng überwacht", so der Deichgräf. Der Deichverband schließt mit dem Bau zwischen Ossenberger Schleuse und Kuickgrind auf 2,5 Kilometer die letzte Sanierungslücke. Zur Vollendung fehlen rund 300 Meter. Mit den Restarbeiten werden dann die Wege gebaut.

Der neue Deich schützt nicht nurdie Menschen in Rheinberg, sondern wird auch ein touristischer Gewinn. Oben auf entsteht ein drei Meter breiter asphaltierter Weg, der es Ausflüglern ermöglicht, den Strom in vollen Zügen zu genießen. Die Krönung. Dafür steuert die Stadt bis zu 400 000 Euro aus der leeren Kasse bei. "Bei uns aber steht der Hochwasserschutz ganz oben", betont Deichgräf Paeßens. Die Grundzüge des Schutzwalls erläuterte Projektleiter Henjörg Hahn vom Ingenieur-Büro Hahn-Bender.

Gebaut wird ein Drei-Zonen-Deich. Der Kern besteht im Wesentlichen aus Material des Altdeiches, der komplett im neuen Deich aufgeht. Er ist zum Fluss hin 1,50 Meter dick mit Lehm abgedichtet, landseitig mit Kies und Sand angeschüttet, so dass eingedrungenes Wasser abfließen kann. Am Deichfuß zur Landseite wird Deichverteidigungsweg gepflastert. Der muss Schwerlaster aushalten, wenn bei Hochwasser Schwachstellen am Deich ausgebessert werden müssen.

Die asphaltierte Krone ist das Zückerchen für Radler und Spaziergänger, die künftig von der Weseler Rheinbrücke bis nach Orsoy freie Sicht auf Vater Rhein haben. Dafür hat der Rat der Stadt Rheinberg gesorgt, als er noch Geld hatte. Die Stadt finanziert zudem den Parkplatz an der Kläranlage in Ossenberg mit 38 Stellplätzen und ist für Sicherheit und Sauberkeit auf der Deichkrone zuständig. Kämmerer Bernd Löscher muss auch die Zufahrt für die Feuerwehr zum Rhein zahlen - eine geschotterte Verlängerung der Straße Orsoy-Land.

In der Brust von Deichgräf Paeßens, CDU-Ratsherr, schlagen zwei Herzen. Er machte auf programmierte Konflikte zwischen uneinsichtigen Deichgängern - vor allem mit Hund - und Schafen, die zur Rasenpflege eingesetzt werden, aufmerksam. Er schlägt die Einzäunung des Weges vor, auch wenn's kostet. Noch größere Gefahr droht von Kaninchen. Nutrias kommen hier nicht vor. Ein eingezogenes Geogitter hält Wühltiere, die den Deich unterhöhlen, effektiv fern.

In der Bauzeit ist deutlich geworden, dass der Rhein im II. Weltkrieg hart umkämpft war. Gefundene Munitionsteile bringen rund 800 Kilogramm auf die Wage.

Wenn das Projekt abgeschlossen ist, rückt der Bau des Polderdeichs in den Blick. Der soll 800 Hektar umschließen, die im 400-jährlichen Hochwasser kontrolliert geflutet werden können. Dann hätte der sanierte Deich seine schützende Funktion vorübergehend verloren.

Quelle: RP
 
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