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Alpen
Rap und Raritäten im Haus der Geschichte

Alpen. Zufriedene Rückschau bei der Jahreshauptversammlung des Fördervereins in Veen. Wilhelm Jansen bleibt Vorsitzender. Von Bernfried Paus

Tätigkeitsberichte bei Jahreshauptversammlungen haben in der Regel den Thrill von Betriebsanleitungen. Das ist beim Förderverein Haus der Geschichte in Veen ganz anders. Wenn Vorsitzender Wilhelm Jansen ans Rednerpult geht, wird das zurückliegende Besucherjahr im Haus, in dem die ländliche Vergangenheit auf anschauliche und liebevolle Weise erhalten wird, lebendig. Es könnte keinen besseren Beleg dafür geben, dass dieses alles andere als ein toter Ort ist als die munter erzählende Rückschau aufs Haus, das der dörflichen Geschichte ein schützendes Dach gibt.

Mehr noch. Die Außenanlagen, wo landwirtschaftliches Gerät aufbewahrt wird, sind inzwischen diebstahlsicher abgeschlossen, überdacht und mit Ausstellungshäuschen bestückt, die gleichzeitig das Dach stützen. Auch wenn noch ein wenig nachgearbeitet werden muss, besteht so Schutz vor Wind und Wetter. Dass dies alles in Eigenarbeit realisiert worden ist, bedarf hier keiner besonderen Erwähnung.

Die Dauerausstellung ist ganz offenkundig so anregend, dass Besucher sich bisweilen an sie erinnern, wenn ihnen Dinge in die Hand fallen, die es zu bewahren lohnt. So habe eine Frau aus Millingen einen alten Karton mit altem Kinderspielzeug vorbeigebracht, das sie ungern auf den Müll geben wollte. Zurecht. Denn es handelt sich um eine komplett ausgestattet Puppenstube - mit zwei Elektro-Öfen der ersten Generation. "Wir haben schon ein Plätzchen dafür gefunden", sagt Jansen. "So haben auch die Kinder bei uns was zu staunen, wenn die Eltern sich im Haus umsehen."

Zu den Schenkungen gehört auch ein Zigarettenetui anno 1930, das der einstige Solvay-Manager Dr. Flacke zur Verfügung gestellt hat. Das gute Stück legt Zeugnis ab dafür, dass Alpen damals schon "Luftkurort" war und über eine "Jugendherberge" verfügte. Skurril ist die spezielle "Schnurbarttasse", die die dafür gesorgt hat, dass der Schnäuzer beim Nippen nicht nass wurde. Eine Frau aus Obrighoven hatte das spezielle Tässchen zwischenzeitlich als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Dagegen ist der Türklopfer aus einer Veener Schmiede eher ein alltäglicher Gegenstand, der aber bestens ins Konzept passt.

Bis zu 1000 Besucher haben sich in den vergangenen zwölf Monaten im Haus der Geschichte umgetan. Das Zählen ist schwierig, weil sich lange nicht jeder und jede ins Gästebuch einträgt - trotz der freundlichen Aufforderung: "Nicht nur wer ein Alibi braucht, sollte das tun!" Die älteste Besucherin kam aus dem nahen Haus Sebastian, war 103 Jahre alt und tauchte hier fast glückselig ein in ihre Jugend: "Das ist meine Zeit", habe sie immer wieder vor Rührung gesagt.

Eine besondere Berg-Tour hatte eine Österreicherin aus Dinslaken für Alpen-Fans organisiert. Auch wenn die höchste Erhebung in Veen gerade mal 60 Meter über NN reicht, kamen die Bergwanderer in voller Tracht nach der Brotzeit im Thorenhof ins Haus der Geschichte, wo sie vor allem begeistert waren von den plattdeutschen Vorträgen von Christel Tinnefeld. Schier aus dem Häuschen waren die Gäste vom "Rap op Platt". Solche Folklore gibt's nur in Veen. Ein Hit: Gleich an drei Samstagen nacheinander wurden für die Bergleut' gerappt.

Quelle: RP
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