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Rheinberg
Razzia in der Flüchtlingsunterkunft

Rheinberg: Razzia in der Flüchtlingsunterkunft
Von Aufgeregtheit keine Spur: Die Bewohner von "Haus Cassel" warteten geduldig, bis sie bei der Überprüfung der Personalien an der Reihe waren. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Eine halbe Hundertschaft der Polizei rückte gestern vor dem Flüchtlingswohnheim am Melkweg in Rheinberg an. Bei der "lange geplanten Aktion" wurden Personalien der Bewohner überprüft. Besondere Vorkommnisse: Fehlanzeige. Von Bernfried Paus

Die Polizei ist gestern Mittag mit einer halben Einsatzhundertschaft vor den Flüchtlingsunterkünften am Melkweg angerückt. In Begleitung der Ausländerbehörde überprüfen die Beamten die Personalien der aktuell rund 75 Bewohner, um dabei festzustellen, ob sich hier eventuell Personen zu Unrecht aufhalten. Die Aktion stehe - wie parallel laufende Einsätze gegen Verstöße gegen das Ausländerrecht und Kriminalität im ganzen Kreis Wesel - nicht im Zusammenhang mit den Razzien in anderen Städten des Landes, bei denen Ermittler Islamisten auf der Spur waren, die verdächtigt werden, zum Terrornetzwerk des IS zu gehören.

Der Rheinberger Einsatz stand auch nicht in Zusammenhang mit der gestrigen Festnahme eines vermeintlichen IS-Kämpfers in Dinslaken, dem vorgeworfen wird, in Syrien Gräueltaten begangen zu haben. "Dass hat alles rein nichts damit zu tun, dass wir hier am Melkweg angerückt sind", betonte gestern Mittag Polizeisprecher Daniel Freitag. "Unser Einsatz hier ist seit Wochen geplant", so der Sprecher, "es ist reiner Zufall, dass all die Einsätze zusammenfallen."

Gestern, 12.44 Uhr. Ein gutes Dutzend Polizei-Bullis - ohne Blaulicht und Martinshorn - biegt so gemächlich wie geräuschlos im Konvoi am DRK-Zentrum in den schmalen Melkweg. Der ist in wenigen Minuten dicht. Ein schwarzer Touran mit einer blonden jungen Frau am Steuer windet sich noch eben raus. Unaufgeregt steigen die Besatzungen aus. Knapp die Hälfte in dunkelblauer Uniform mit Mütze, Mitglieder der Einsatzhundertschaft, die anderen in Zivil, aber mit Pistole im Gürtel. Sie ziehen sich gelbe Signalwesten an. Aufschrift: "Polizei".

Es werden Trupps eingeteilt, die sich auf die einzelnen Gebäude verteilen. Die Razzia nimmt ihren Lauf. In Haus 5 a gehen Beamte von Tür zu Tür, klopfen an. Wenn niemand öffnet, schließt der Hausmeister auf. Obwohl ein gutes Dutzend Beamte im langgezogenen Flur unterwegs ist, ist es recht leise. Von Widerstand keine Spur. Im Gegenteil. Eine junge Polizistin führt einen Mann heran. "He is from number nine", sagt sie auf Englisch, um den jungen Mann sprachlich nicht im Unklaren zu lassen. Er hilft bereitwillig. Er wohne in "Zimmer Nummer neun", sagt er. Nebenan: Für "Haus Cassel" wird der Identitäts-check unter freiem Himmel vollzogen. Männer stehen geduldig an der getünchten Hauswand, warten, bis sie an der Reihe sind. Einer bietet der Beamtin, die in Dokumenten blättert und pausenlos telefoniert, einen Stuhl an. Andere warten, keineswegs eingeschüchtert ob der geballten Staatsmacht unaufgeregt unterm Sonnenschirm eines namhaften Speiseeis-Produzenten. Der schützt sie vorm einsetzenden Regen. Gegenüber lässt ein Schwarzafrikaner die Jalousien runter. Er hat genug gesehen. Ein anderer Farbiger im grauen Jogginganzug plaudert lässig mit einem Polizisten. Die Lage ist absolut entspannt.

Die Polizei war zeitgleich zu Gast im Swingerclub "Röschen" in Xanten. Sie vermutet, dass hier Drähte gesponnen werden für illegale Geschäfte. Aber auch hier gehen nach dem Besuch der Polizei alle ihren alltäglichen Dingen nach.

Quelle: RP
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