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Rheinberg
Realschule: Aufräumen nach dem finalen Entlass-Jahrgang

Rheinberg. Katerstimmung im Kollegium: "Wir beerdigen eine Schule", sagt die scheidende Leiterin Petra Haße-Schneider. Und: "Es war eine Ehre."

Mit der Entlassfeier der sieben Klassen der Rheinberger Realschule am vergangenen Freitag endete auch die Geschichte einer Schule, die seit ihrer Eröffnung am 11. September 1972 eine feste Größe in der Stadt war. Während bei den Schülern die Freude überwog, endlich dem Schulalltag zu entfliehen, herrschte bei den Lehrern Katerstimmung. "Wir beerdigen eine Schule, das muss man schon so sehen", sagt Petra Haße-Schneider.

Aber während ihre Schüler das Bild vom untergehenden Schiff verwendet haben, bemüht sich die Schulleiterin um eine positive Sicht: "Es ist eine ehrenvolle Aufgabe, das Schiff anzulegen." Die Schüler seinen mit einer gesunden Einstellung zum Leben von Bord gegangen. "Sie sind insgesamt selbstbewusster und selbstständiger geworden, lassen sich nicht mehr einfach gängeln, sondern fordern Respekt. Den mussten wir uns erarbeiten. Das war eine spannende Aufgabe", blickt die Pädagogin zurück.

"Begeistern, befähigen, begleiten und beraten", lautete die Maxime der Realschule. Erst vor zwei Jahren nach Rheinberg gewechselt, war die Hamminkelnerin von dieser Zielsetzung der Lernstätte sofort angetan: "Es war eine sehr lebendige Schule. Wir haben viele aktuelle Angebote aufgegriffen und dabei immer versucht, die Interessen der Schüler einzubinden. Dieses Miteinander hat die Schule ausgemacht."

Vor allem das soziale Engagement wurde an der Dr.-Aloys-Wittrup-Straße immer groß geschrieben. Bei dem Projekt "Schüler helfen Schülern" haben Neunt- und Zehntklässler Schülern der unteren Klassen geholfen, Patenschaften übernommen oder Nachhilfe gegeben. "Die Ausbildung sozialer Kompetenzen war immer ein Schwerpunkt. Sich um die Fünftklässler zu kümmern, das haben unsere verblieben Schüler zuletzt vermisst", stellt die letzte Realschul-Leiterin der Stadt fest.

Nicht nur die Schüler, auch die Lehrer hätten außergewöhnliches Engagement gezeigt. Je nach persönlichem Interesse haben die Pädagogen Kompetenzen eingebracht und in Arbeitsgruppen vermittelt. Weil mit dem Auflösungsbeschluss vor sechs Jahren schrittweise auch Lehrer die Schule verließen, fehlte es zunehmend an dieser Kompetenz. "Die Schule hat im Laufe der Jahre ganz viel verloren. Das auszugleichen, forderte von den verblieben elf Lehrern zuletzt enormen Einsatz, den sie aufopferungsvoll erbracht haben. Sie sind in den letzten Jahren von Spezialisten zu Allroundern geworden", so Petra Haße-Schneider. Sie weiß noch nicht, an welcher Schule sie nach den Sommerferien unterrichten wird. "Von Schülern wird immer erwartet, dass sie sich bewegen. Jetzt müssen wir das tun", sagt sie.

Am Freitag, 1. Juli, wird die Schule mit einem offiziellen Festakt nach fast 44 Jahren für immer geschlossen. Der Abschied fällt vor allem den verbliebenen Lehrern schwer. "Da fließt schon die eine oder andere Träne. Die Kollegen hatten eine starke persönliche Bindung zur Schule", so die Leiterin. Rund 4800 Schüler haben die Bildungsstätte in den durchlaufen. In einer Festschrift werden sie alle namentlich aufgeführt. Niemand ist vergessen.

(erko)
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