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Alpen
Rheinberg-Alpener Schul-Puzzle

Alpen. Fachausschüsse diskutieren eine engere Zusammenarbeit von Sekundar- und Europaschule nicht-öffentlich. Von Bernfried Paus und Uwe Plien

Die Sekundarschule in Alpen hat ihr Klassenziel verfehlt: Schlappe 52 Anmeldungen hatten die Alarmglocken schrillen lassen. Das reicht nicht für drei Eingangsklassen - die als Mindestgröße vorgegeben sind. Gestern lag die Zahl der Neulinge bei 54. "Wir sollten nicht nur immer allein auf die Anmeldezahlen schauen. Wir können auch mit einer Zweizügigkeit im Einstiegsjahrgang leben", relativierte Rektor Tilman Latzel. Doch die Frage steht im Raum: Wie lange lässt sich der Schulstandort Alpen halten, wenn die Anmeldezahlen nicht nachhaltig anziehen? Der Blick geht nach Rheinberg zur Europaschule. Die Gemeinschaftsschule mit ihrer Oberstufe ist ohnehin Kooperationspartnerin der "kleinen Gesamtschule". Inzwischen hat die Debatte um die Sicherung der Schulzukunft in Alpen die Politik erreicht. Morgen lotet der Schulausschuss in Rheinberg Möglichkeiten einer deutlich engeren Zusammenarbeit aus - wegen der "besonderen Sensibilität" des Themas hinter verschlossenen Türen. Am Donnerstag steht das "heiße Eisen" auf der Agenda der Schulpolitik im Rathaus Alpen.

Dass die mögliche Kooperation der beiden Schulen in Rheinberg nicht-öffentlich verhandelt wird, erklärt Bürgermeister Frank Tatzel so: "Es hat bisher erst zwei Vorgespräche gegeben, eines mit Alpens Bürgermeister Thomas Ahls und eines mit Herrn Ahls, Fachbereichsleiter Ludger Funke, und den beiden Schulleitern. Jetzt wird erstmals die Politik einbezogen. Da ist es noch zu früh für eine öffentliche Diskussion. Aber die kommt." In Rheinberg interessiert die Frage, ob die Planung der Erweiterung des Schulzentrums von einer Kooperation betroffen sein könnte. Die Erweiterung wird mehr als zwölf Millionen Euro kosten, die Vorbereitungen laufen bereits. Dass die Ausbau-Pläne noch einmal zurückgefahren werden, glaubt in Rheinberg niemand.

Kurzfristige Entscheidungen sind kaum zu erwarten. Zu viele Fragen sind noch offen. "Wir bemühen uns derzeit um einen Gesprächstermin bei der Bezirksregierung", sagte gestern Alpens Bürgermeister Thomas Ahls. Der formulierte das Ziel, dass es unbedingt zu erreichen gilt: "Wir wollen auf alle Fälle die Schule in Alpen erhalten. Dafür werden wir alles tun." Die Rahmenbedingungen machen's nicht leicht. Während Tilman Latzel darauf verweist, dass auch in den nächsten Schuljahren um die 100 Alpener Viertklässer auf weiterführende Schulen wechseln und somit die Chance besteht, wieder dreizügig zu werden, hat Ahls die Demografie im Kopf. Die führe dazu, dass das Fundament für die Sekundarschule zahlenmäßig abnimmt. Latzel hält dem entgegen, dass neue Wohngebiete sich positiv niederschlagen werden.

Dennoch werden politisch nun alle Möglichkeiten durchgespielt, den schwächelnden Standort organisatorisch zu zementieren. Wie das konkret aussehen kann, da will sich derzeit niemand aus dem Fenster lehnen. "Wir haben natürlich die Situation im Auge und überlegen schulische Möglichkeiten", sagte Europaschul-Direktor Norbert Giesen: "Entscheidend sind aber die Zahlen." Die seien zunächst politisch zu bewerten. Daher sei er froh, dass die Politik frühzeitig nach Lösungen suche. "Unser Wunsch ist es, dass die Sekundarschule und wir als Gemeinschafsschule zunächst wie bisher weiterarbeiten und sich an der Kooperation nichts ändert."

Die Europaschule genieße bis zum Erreichen des Abiturs den Vorzug, Modellversuch zu sein mit kleinen Klassen, vielen Lehrern und wissenschaftlicher Begleitung, so Giesen. Mit dem Schuljahr 2020 beginnt die sukzessive Umwandlung in eine Gesamtschule. Das sei der früheste Zeitpunkt, einen wie auch immer gearteten Verbund mit der Sekundarschule zu starten.

Somit muss sich diese noch mindestens vier Jahre aus eigener Kraft bewähren. Das wäre leichter, wenn die Landesregierung die Zügel für die Sekundarschulen lockern würde und Zweizügigkeit zuließe. Besser wäre es, wenn sich beim nächsten Jahrgang so viele Alpener Eltern überzeugen ließen, dass es für drei Klassen reicht.

Quelle: RP
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