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Rheinberg
Statt Wahlplakaten Spenden für die Tafel

Rheinberg: Dieser Politiker spendet für Tafel statt Plakate zu kleben
Jürgen Rützel und die Koordinatorin der Tafel-Arbeit, Tanja Braun, räumen die Lebensmittelspenden aus Rützels Kleinwagen. Solche Spenden seien immer willkommen, sagt die 40-Jährige. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Für Jürgen Rützel ist klar: Wer in das höchste Amt der Stadt will, sollte wissen, wie es ganz unten aussieht. Der 43-jährige Schulhausmeister möchte Bürgermeister werden und will sich an seinen Taten messen lassen. Deshalb hat er bei der "Rheinberger Tafel" angeheuert und packt dort zunächst in den Sommerferien mit an. Von Uwe Plien

"Sollte ich Bürgermeister werden, werde ich regelmäßig dort mitarbeiten", verspricht der Millinger. Denn sich für die Menschen einzusetzen, die es bitter nötig haben, hält er für eine überaus wichtige Aufgabe.

Gestern brachte Rützel dem Team um die Koordinatorin Tanja Braun eine Spende. "Ich verzichte in meinem Wahlkampf auf Plakate. Das Geld spende ich lieber." Weil das Tafel-Team am liebsten Sachspenden sieht, ist Jürgen Rützel einkaufen gegangen. Für rund 200 Euro besorgte er palettenweise Nussnougat-Crème, Würstchen, Öl, Spaghetti, Salz und Reis. Dinge, die nicht verderben und die in der Ausgabestelle immer gebraucht werden.

Tanja Braun freute sich über die Lieferung. "Diese haltbaren Lebensmittel sind bei uns jederzeit heiß begehrt", erzählt die 40-Jährige. Die gelernte Köchin wohnt seit zwölf Jahren in Rheinberg, seit acht Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich für die Tafel. Nach dem frühen Tod von Klaus Kellner übernahm sie im vergangenen Jahr dessen Job als Koordinator. Ihre Motivation umreißt die dreifache Mutter so: "Kein Mensch sollte hungern müssen."

Sie warnt davor, sich falsche Vorstellungen davon zu machen, wer sich dienstags ab 14.30 Uhr kostenlose, von Discountern und Supermärkten gespendete Lebensmittel am St.-Anna-Pfarrheim abholt: "Das sind nicht nur Hartz IV-Empfänger, sondern auch Aufstocker - also Leute, die ganz normale Jobs haben, aber davon allein nicht leben können."

Tanja Braun ist nicht allein mit ihrer Hilfsbereitschaft. "Wir haben rund 50 Freiwillige, die regelmäßig mitmachen", sagt sie. Unter anderem fünf Fahrer, deren Arbeit Jochen Martinitz koordiniert. "Wir sind montags, donnerstags und samstags und hin und wieder auch freitags unterwegs, um die Lebensmittel abzuholen und einzulagern", erzählt der Rheinberger.

Rund 350 abholberechtigte Frauen und Männer sind bei der Rheinberger Tafel registriert. Tendenz: steigend. "Inzwischen müssen wir die Lebensmittel ganz schön strecken", unterstreicht Tanja Braun und nennt zwei Hauptgründe: "Viele Läden kalkulieren ihre Waren inzwischen anders, weil ihnen durch die Spenden für die Tafel bewusst geworden ist, dass sie zu viel bestellt haben. Hinzu kommt die steigende Zahl der Flüchtlinge. Dadurch ist die Zahl der Bedürftigen um mehr als die Hälfte gestiegen."

Wer bei der Rheinberger Tafel mitarbeiten oder etwas spenden möchte, kann sich mit Tanja Braun in Verbindung setzen. Sie ist unter der Nummer 0171 1864463 zu erreichen.

Quelle: RP
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