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Rheinberg
Rock 'n' Roll unter den Linden

Rheinberg: Rock 'n' Roll unter den Linden
Benita Beckwith (Mitte) und ihre Familie hatten sich für das Stadtfest stilecht angezogen. Der Kinderwagen stammt aus dem Jahr 1950 FOTO: reichwein
Rheinberg. Das Rheinberger Stadtfest stand erstmals unter dem Motto "Wilde 50er". Das Konzept ging auf. Zahlreiche Besucher kamen in Petticoat und Lederjacke, auch die Einzelhändler verzeichneten mehr Kunden. Wunsch nach Fortsetzung. Von Erwin Kohl

Unter den Linden am Rheinberger Marktplatz ging es am Wochenende rund. Frauen in bunten Röcken über Petticoats und Männer mit Tolle und Bundfaltenhose legten zur Live-Musik von Bands wie "Big Jay and his Hot Rod Gang", "King Porter" oder den Rockabilly-Profis "Wise Guyz" eine Rocksohle aufs Parkett.

"Wilde 50er" lautete das Motto der Werbegemeinschaft für das Stadtfest in diesem Jahr und gleich zu Beginn war klar, dass man damit goldrichtig liegen würde. Den Fassanstich durch Bürgermeister Frank Tatzel verfolgten schon Hunderte Rheinberger und auch vom weiteren Verlauf zeigte sich Organisatorin Ulrike Brechwald begeistert: "Einfach klasse, dass so viele Besucher im Outfit der Fünfzigerjahre unterwegs sind. Besonders freut es mich, dass die Einzelhändler das Thema aufgegriffen haben."

Auf der RP-Bühne gab es Musik. Hier spielt "Big Jay and his Hot Rod Gang". FOTO: Christoph Reichwein

Dass der Besucherzuspruch am Nachmittag ein wenig nachließ, machte Klaus Neumann nicht am Motto fest: "Der Samstag läuft schon seit Jahren eher mäßig. Das Konzept muss sich durchsetzen, aber von mir aus können wir das jedes Jahr so machen." Bei der ersten Vorsitzenden der Werbegemeinschaft stößt er damit auf offene Ohren. "Ich würde das 50er-Jahre-Motto gerne zum Wahrzeichen von Rheinberg machen", erklärte Brechwald.

Und dieses Motto war allgegenwärtig. Von den Besuchern über das Bühnenprogramm bis zu den Anbietern fügte sich ein Rädchen ins andere. Fans der 50er Jahre bot sich rund um das alte Rathaus eine wahre Stöbermeile. "Ich schneidere Tellerröcke und Buntfaltenhosen nach originalen Schnittmusterplänen aus den Fünfzigern. Darunter ist auch ein Kleid von Marylin Monroe", sagt Ruth Bram. Für den nötigen Sitz der Rock 'n' Roll-Kleidung hat Frau schon damals getrickst, verrät die Expertin: "Die Wespentaille wurde mit Miedern erschummelt und breite Hüften bestanden aus Polstern."

Der TuS Rheinberg lud Kinder zur "Rheinbergiade" ein. FOTO: Christoph Reichwein

Damit diese Polster nicht länger aus Fett bestehen, lud der TuS Rheinberg zur "Rheinbergiade". Drei kleine Tennisfelder, ein Basketballkorb und eine Torwand bildeten die Disziplinen des Berka-Triathlons. Das Motto lautete: mitmachen und dabei sein. "Das ist alles völlig zwanglos, es werden keine Punkte vergeben, jeder kann gewinnen. Wir möchten Werbung für unseren Verein machen und Rheinbergern die Freude am Sport vermitteln", erläuterte Patrick Blaisdell.

Zu den vielen Hinguckern beim Stadtfest zählten die Oldtimer am Rande des Marktplatzes. Einer davon, ein Opel Rekord aus dem Jahre 1957, gehört Markus Moll. "Es fängt mit der Musik an, später richtet man sich die Wohnung mit Möbeln aus den Fünfzigern ein und irgendwann kommt dann das passende Auto dazu. Das ist ein Lebensgefühl", versichert der Mönchengladbacher. Auf dem Dach des Opels steht der batteriebetriebene italienische Lesa-Plattenspieler von Joe Gross, daneben stapeln sich Singles aus der Zeit von Chuck Berry, Little Richard und Co. "Ich habe mehr als 10.000 Rock 'n' Roll-Scheiben. Die meisten Songs kennt hierzulande keiner, weil es nur der Mainstream nach Deutschland geschafft hat", erzählt der Rheydter.

Joe Gross (l.) und Markus Moll mit ihrem 57er Opel Rekord. FOTO: Christoph Reichwein

Von all dem kann die sieben Monate alte Charlee Marlen nur träumen. Immerhin macht sie das stilecht in einem Kinderwagen aus den frühen Fünfzigern. "Den habe ich im Internet ersteigert und restauriert. Meine ganze Familie liebt diese Zeit. Das war Spaß pur, Tanzen und tolle Musik", erklärt Mutter Benita Beckwith.

Am Nachmittag füllte sich dann auch der Lindenplatz und als Leadsänger Chris Bird von den "Wise Guyz" sich nach Sonnenuntergang das Mikro schnappte, wurde er von mehr als 2000 Fans empfangen. "Das war einfach nur geil. Schade, dass wir um 0.30 Uhr aufhören mussten", berichtet Ulrike Brechwald. Die Vorsitzende der Werbegemeinschaft freut sich vor allem über zufriedene Mitglieder: "Die Einzelhändler hatten im Durchschnitt 80 Kunden mehr als im vergangenen Jahr. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Quelle: RP
 
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