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Rheinberg
Route geändert: Bahn will Strafe nicht erlassen

Rheinberg. Schwarzfahren: Deutsche Bahn lässt wegen Sanierung des Stellwerkes in Mülheim Zug ausfallen. Eine Rheinbergerin (22) muss daraufhin einen Umweg über Dortmund fahren. Dort steigen Kontrolleure dazu. Von Bernfried Paus

Wer häufig mit der Bahn reist, kann manches erleben, machmal auch sein blaues Wunder. Vanessa Vogt (22) aus Rheinberg nimmt regelmäßig die Bahn. Und das ist ihr jetzt teuer zu stehen gekommen. Sie soll als "Schwarzfahrerin" 60 Euro Strafe zahlen. Dabei ist sich die junge Frau keiner Schuld bewusst. Sie sieht sich als Opfer, weil die Bahn ihren Fahrplan nicht eingehalten hat und sie nur über Umwege zu ihrem Ziel im westlichen Münsterland kommen konnte.

Die 22-Jährige besucht die Behindertenwerkstätten Benediktushof in Maria Veen - nicht gerade das, was man eine gut erschlossene Metropole nennen könnte. Sie hatte die Eltern in Rheinberg besucht und sich am Sonntagnachmittag mit dem Zug auf den Weg ins westliche Westfalen gemacht, wo sie eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin absolviert.

In Oberhausen aber war für sie zunächst Endstation. Wegen der Sanierung des ausgebrannten Stellwerkes in Mülheim war der Zug, der sie - wie sonst auch - in Richtung Dorsten bringen sollte, gecancelt worden. Am Handy suchte sie sich über ihre Bahn-App eine Alternative. Der nächste Zug nach Dorsten ging erst drei Stunden später, zu spät, um noch Anschluss nach Maria Veen zu bekommen.

Vanessa Vogt nahm die Route über Dortmund und von dort Kurs aufs münsterländische Coesfeld. Im Zug machte sie der Schaffner darauf aufmerksam, dass ihr Ticket nur bis Lünen gelte, sie inzwischen eine neue Tarifzone erreicht habe und somit eine neue Fahrkarte lösen müsste. Das allerdings scheiterte daran, dass die junge Frau ihre Geldbörse nicht dabei hatte. Statt eines Zusatztickets gab's für die junge Frau schlichtweg und völlig emotionslos ein Etikett als Schwarzfahrerin - für 60 Euro. Vanessa Vogt hat die Bahn angeschrieben und gebeten, ihr das Bußgeld zu erlassen und ihr lediglich die Fahrkarte von Lünen ins westfälische Klosterdörfchen in Rechnung zu stellen. Bislang ohne Erfolg.

Die Dame von der "Fahrpreisnacherhebungsstelle" der Bahn mit Sitz in Baden-Baden bringt zwar ihr Bedauern darüber zum Ausdruck, dass die junge Frau aus Rheinberg auf ihrer Zugreise von Lünen nach Coesfeld "in die unangenehme Situation einer Fahrpreisnacherhebung" gekommen ist. Aber in der Sache bleibt sie hart. Schließlich habe sie den Geltungsbereich der vorgelegten Fahrkarte verlassen. Die Kontrolleure der Bahn würden lediglich feststellen, dass ein Fahrgast ohne gültiges Ticket im Zug sitzt. Die Gründe könnten sie nicht überprüfen. Es sei daher "zunächst nicht von Bedeutung, ob eine Absicht oder ein Versehen dahinterliegt", heißt es in der Antwort der Bahn.

Es folgt die Belehrung. Jeder Fahrgast habe sich vorm Einsteigen "über die Gültigkeit der gekauften Reiseunterlagen" zu informieren. Letztlich könne die Bahn "aus Gründen einer fairen Gleichbehandlung aller Kunden" im Falle der auf Umwege geratenen Rheinbergerin keine Ausnahme machen. Das Schreiben endet mit der klaren Aufforderung, 60 Euro zu überweisen, und der Schlussbemerkung: "Wir wünschen Ihnen künftig eine gute Fahrt!" Soll noch einer sagen, die Bahn ist nicht freundlich.

Quelle: RP
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