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Alpen
Schimmis Mann für gefährliche Szenen

Bilder aus dem Leben von Götz George
Bilder aus dem Leben von Götz George FOTO: dpa
Alpen. Ernst Reimann aus Menzelen hat in Götz George einen Freund verloren. Der Stuntman hat 26 Jahre im Tatort die riskanten Szenen für den Darsteller übernommen. "Er war nicht der harte Hund, sondern ein sympathischer Mensch." Von Erwin Kohl

Götz George, wohl einer der wohl bekanntesten und vielfältigsten deutschen Schauspieler, ist tot. Seine große Popularität verdankte er unter anderem der Rolle des raubeinigen Kommissars Horst Schimanski. Es gab kaum eine Folge ohne Prügelszenen, atemberaubende Sprünge oder wilde Verfolgungsjagden. Am Steuer der sich überschlagenden Fahrzeuge saß allerdings nicht Götz George, sondern Ernst Reimann aus Menzelen-Ost. Der erschien gestern zum Termin mit der RP in einem Sweatshirt mit dem Aufdruck "Schimanski" und das aus gutem Grund.

"Wenn man jahrelang so eng mit Götz George zusammen gearbeitet hat, wird man zum Fan. Er war ein überaus netter Mensch, teamfreundlich, hat jeden respektiert und beachtet", sagt Reimann.

George war aber auch sehr professionell und ehrgeizig. Der Schauspieler hat nichts dem Zufall überlassen, Stuntszenen zuvor akribisch bis ins Detail mit Ernst Reimann durchgesprochen. Dabei musste sein Double ihn oft genug zurückhalten. Denn George versetzte das Filmteam öfter mal in Schnappatmung, weil er gefährliche Szenen selber übernehmen wollte. "Dann musste ich das Risiko abschätzen und ihm gegebenenfalls davon abraten. Immer hat das nicht geklappt", erinnert sich Reimann. Zum Beispiel, als das Drehbuch den Sprung ins Duisburger Hafenbecken aus acht Meter Höhe vorsah.

"Götz war damals bereits 60 Jahre alt, wollte aber unbedingt selber springen. Ich durfte nur die Probesprünge für die richtige Kameraeinstellung machen", erzählt Reimann, der zweimal in der Woche im Fitnessstudio seinen Körper in Form hält. Seinen Kopf hinhalten, wenn mal wieder die Fäuste flogen, musste Reimann allerdings nicht. Denn "Kleinigkeiten" wie Schlägereien hat Götz George selber übernommen. Und auch auf der Motorhaube liegend durch Duisburg rasen war kein Problem für den Schauspieler. Bei 16 Schimanski-Filmen hat Reimann die Stuntszenen übernommen. Die Vorbereitung darauf fing oft lange vorm Dreh an.

"Wenn Götz Bart trug, haben die Mitarbeiter der Maske mich gebeten, mich in den nächsten Tagen nicht zu rasieren", erzählt der gelernte Elektriker. Durch die gemeinsame Arbeit entstand im Laufe der Jahre ein freundschaftliches Verhältnis. "Zwischen den Dreharbeiten zur Schimanski-Folge Muttertag in Kroatien hat er mich auf eine Bootstour eingeladen und mir die Orte gezeigt, an denen er damals für die Winnetou-Filme vor der Kamera gestanden hat", berichtet Reimann.

An eine Aufgabe aus der Schimanski-Reihe erinnert sich der selbstständige Stuntman noch genau: "Das Drehbuch sah vor, dass zwei Autos gleichzeitig in die Luft fliegen sollten. Da war Timing gefragt. Wir konnten die Szene nur ein Mal drehen." Götz George hätte das nicht interessiert, so Reimann: "Er war sehr kritisch sich selbst gegenüber. Wenn er mit einer Szene nicht hundertprozentig zufrieden war, hat er sie wiederholt, so lange, bis sie perfekt war."

Ernst Reimann hat Götz George in den 26 Jahren gut kennengelernt: "Er war nicht der Harte, für den ihn viele gehalten haben. Er war einfach ein sympathischer Mensch."

Quelle: RP
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