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Rheinberg
Schlanke Figuren, feine Fotos

Rheinberg: Schlanke Figuren, feine Fotos
Regine Kielmann und Armin Fischer stellen am Sonntag gemeinsam in Rheinberg in Fischers Atelier aus. Sie zeigt Plastiken, er Fotografien. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Regine Kielmann aus Wesel und RP-Fotograf Armin Fischer stellen am Sonntag gemeinsam in Rheinberg aus. Es geht um ungewöhnliche Formen und die Freude an versteckten Motiven. Von Uwe Plien

Jimi Hendrix ist mitten im Gitarrensolo. Die Fender Stratocaster fest im Anschlag, der Gehrock sitzt wie angegossen, die Afro-Frisur wuschelig. Sogar der für den Musiker typische Gesichtsausdruck zwischen Provokation und Schüchternheit wird deutlich. Kurz gesagt: Die von Regine Kielmann geschaffene Plastik mit den unendlich langen Beinen ist ein Hingucker. Sie ist eine von zahlreichen Figuren, die die Künstlerin aus Wesel kreiert hat. Am Sonntag von 14 bis 18 Uhr kann man sich die originellen Kielmänner und Kielfrauen in Rheinberg anschauen. Im Mini-Atelier von Armin Fischer in den Räumen des Malerbetriebs Riekötter an der Bahnhofstraße 40. Die beiden stellen dort gemeinsam aus. Armin Fischer zeigt eine Auswahl seiner Fotografien.

Familie Kielmann ist eine Familie von Schmieden. Opa, Vater, Bruder - alles Schmiede. So verwundert es nicht, dass Regine Kielmann - im Hauptberuf Pilates-Trainerin - das Grundgerüst für ihre Figuren aus gut verschweißten Metallstangen fertigt. Die Ausgestaltung erfolgt dann durch eine Zwei-Komponenten-Modelliermasse. "Ich verwende einen flüssigen Textilhärter aus der Industrie, den ich dann mit einem Stone-Art-Pulver verbinde", sagt die Künstlerin. Und so entstehen dann nach und nach die langen schlanken Menschlein: Angela Merkel, Udo Lindenberg, Martin Schulz, Karl Lagerfeld, wer auch immer. "Ich mag diese Form", so Regine Kielmann, die mit Farbpigmenten arbeitet.

Im Kontrast dazu die Arbeiten von Armin Fischer. Den kennt man als rasenden RP-Fotografen, seit Jahrzehnten für unsere Zeitung am Niederrhein im Einsatz. Der Diplom-Hektiker, sagen die Leute oft. Zumindest die, die Fischer nicht richtig kennen. Denn der 60-Jährige kann auch anders, hat auch eine ausgeglichene Seite. Ohne die würden ihm viele Motive nicht auffallen; Motive, die man nur sieht, wenn man Ruhe hat.

Armin Fischer mag Ruhe. Vielleicht mag er deshalb auch Kühe, die quasi der Inbegriff für Entschleunigung und Ausgeglichenheit sind. Ein sehr auffälliges Kuh-Foto stellt Fischer am Sonntag aus. Es ist, untypisch für den Fotografen, stark überzeichnet, mit Fotoshop nachbearbeitet. Farben rein, Farben raus, solarisiert. Technik macht's möglich, dass ein Foto aussieht wie ein Gemälde. Eine Ausnahme in der Ausstellung an der Bahnhofstraße.

Dort zeigt er seine Vielfalt. "Ich bin froh, auch mal alte Arbeiten von mir zeigen zu können", so der Kollege mit dem Kürzel "arfi". Er hat für die Ausstellung tief in seinem Archiv mit der Aufschrift "E-Bilder" gewühlt. "E" steht für Erinnerungen. "Manchmal dauert es 15 oder 20 Jahre, bis man erkennt, was man damals fotografiert hat", so Fischer.

Am Sonntag kann man unterschiedlichste Fotografien bestaunen: ein Porträt von Maler Markus Lüpertz, ein im Neanderthal vor sich hin rostender Borgward, ein schlafendes Schwein mit der Vynener Kirche im Hintergrund. Echte Fischer eben. Mal rastlos, mal ruhend, immer gut. Sollte man sich anschauen. Kann übrigens gut sein, dass am Sonntag im Hintergrund Musik von Jimi Hendrix läuft.

Quelle: RP
 
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